Elektrokabel eingeklemmt – zwei Menschen verlieren ihr Leben

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Ist „ein bisschen Plastik“ beschädigt, droht Lebensgefahr!
Ist „ein bisschen Plastik“ beschädigt, droht Lebensgefahr! (Bildquelle: eduardrobert/iStock/Getty Images)

Elektrischer Strom ist gefährlich. Das sollte eigentlich jedes Kind lernen und das ist dir als Auszubildender in einem Elektroberuf natürlich klar. Und doch haben wir uns im Alltag so an den Umgang mit Elektrizität gewöhnt, dass wir die Gefahr kaum mehr ernst nehmen. Oder machst du dir beim Benutzen eines Föhns oder einer Bohrmaschine jedes Mal bewusst, dass sich zwischen deiner Hand und lebensgefährlichen 220 Volt nur wenige Millimeter Kunststoff befinden? Wie real diese Lebensgefahr ist, machen Stromunfälle leider immer wieder deutlich. Das folgende Beispiel ist besonders tragisch, weil gleich zwei Menschen ihr Leben verloren.

 

Was ist passiert?

Was ist passiert?

Die BG ETEM, das ist die BG, die u.a. für Elektroberufe und damit auch für dich zuständig ist, sammelt Elektrounfälle und wertet sie aus. Die Berichte darüber sollen helfen, ähnlichen Unfällen vorzubeugen, so auch diese Unfallanalyse:

Der Unfall geschah während der Nachtschicht an einer Spritzgussmaschine. Eine solche Maschine erhitzt Kunststoff und spritzt die Masse dann unter Druck in eine vorgegebene Negativ-Form, um Kunststoffteile in den gewünschten Formen herzustellen. In dem Fall handelte es sich offenbar um ein recht großes Modell, denn der Mitarbeiter überwachte die Maschine von einer höhenverstellbaren Arbeitsbühne aus. So weit ist alles in Ordnung. Doch als der Mitarbeiter beim Absenken der Bühne die Maschine berührt, erhält er plötzlich einen tödlichen Stromschlag.

Wie konnte das geschehen? Die Untersuchung dieses Unfalls ergab, dass die Zuleitung der Spritzgussmaschine durch das Absenken der Arbeitsbühne eingeklemmt worden war. Dies beschädigte die Kabelisolierung. Die Bühne bestand aus Aluminium und damit aus einem Material, das den elektrischen Strom sehr gut leitet. Als der Mann, der vom eingeklemmten Kabel nichts ahnte, die Maschine berührte, schloss er damit den Stromkreis und brach tödlich verletzt zusammen. Kurz darauf kommt sein Vorarbeiter vorbei und will seinen Kollegen retten. Doch als er ihn berührt, kommt es auch bei ihm zu einer Körperdurchströmung. Denn der Körper des ersten Unfallopfers steht noch unter Spannung, sodass auch der Vorarbeiter ums Leben kommt.


Was ist hier schiefgelaufen?

Was ist hier schiefgelaufen?

Die Experten der BG sprechen von einer „Verkettung unglücklicher Umstände“. Ein Fehler war sicherlich, dass das Stromkabel zur Maschine einfach lose im Bereich der Füße der Arbeitsbühne herumlag. Wäre die Zuleitung fest installiert gewesen, hätte sie nicht eingeklemmt und beschädigt werden können. Ein zweiter Aspekt ist, dass eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) den Unfall verhindert hätte. Doch eine solche Fehlerstrom-Schutzeinrichtung war im hier betroffenen Steckdosenstromkreis nicht vorgeschaltet.

Die BG rät, in solchen Fällen einen Elektriker zurate zu ziehen. Ein kompetenter Elektrofachmann hätte erkennen müssen, dass das Kabel beim Absenken der Bühne in Gefahr war. Er hätte die Zuleitungen fest verlegen und die Elektroinstallation mit einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung nachrüsten können. Es kann gut sein, dass du später im Beruf genau vor solchen Aufgaben stehst und dein Rat gefragt ist.


So machst du es besser

So machst du es besser!

Damit es zu solchen lebensgefährlichen Situationen erst gar nicht kommen kann, musst du stets darauf achten, dass alle Zuleitungen und Kabel stets in einwandfreiem Zustand sind.

Geräte, bei denen die Gefahr besteht, dass eine Zuleitung beschädigt werden kann, darfst du nur über einen Stromkreis mit einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung anschließen. Das kann ein Winkelschleifer, eine Heckenschere oder ein Rasenmäher sein. Das gilt auch für alle Elektroarbeiten in Umgebungen, die feucht sind oder wo es nass werden kann. Frage deinen Vorgesetzten, wenn du dir nicht sicher bist.

Solltest du trotz aller Vorsicht einen Stromschlag bekommen, kläre stets sofort, warum und wodurch das passiert ist. Suche gemeinsam mit deinen Kollegen und deinem Vorgesetzten nach der Ursache. Lass dich auf keinen Fall mit einem „ist halt dumm gelaufen“ oder „das nächste Mal besser aufpassen“ abspeisen. Das ist keine Erklärung, sondern fahrlässig. Bei Stromunfällen gibt es oft kein nächstes Mal!

So beugst du Elektrounfällen durch defekte Kabel vor

  • Gewöhne dir an, vor dem Einschalten eines Elektrogeräts auf gequetschte Kabel, Risse oder Schnitte an einer Leitung, brüchige Isolierungen usw. zu achten. Tückisch sind auch Stellen, an denen ein Kabel abgerieben oder gar dünner erscheint, z.B. weil es häufig über raue Böden und Kanten gezogen wurde!
  • Ob an einem Elektrowerkzeug, einer Maschine, einer Kabeltrommel, einer Handlampe oder wo auch immer: Jede Beschädigung oder „komische Stelle“ an einem Kabel solltest du stets sofort deinem Vorgesetzten melden.
  • Verwende auf keinen Fall ein Elektrowerkzeug oder eine Kabeltrommel mit einer solchen Beschädigung. Arbeite damit auch nicht weiter, nur weil es bis jetzt gut gegangen ist. Wie naiv ist das denn? Das hätten auch viele Unfallopfer 10 Sekunden vorm Stromschlag sagen können. Das Gerät oder Kabel gehört aussortiert und entsorgt!
  • Vermeide Knickstellen an Kabeln und Zuleitungen! Befindet sich z.B. die Steckdose für ein von dir benutztes Elektrowerkzeug hinter einer Tür, dann musst du die Tür gegen Zuschlagen sichern!
  • Ziehe nicht an der Anschlussleitung von Werkzeugen, Maschinen oder Verlängerungskabeln. Wenn du ein Elektrogerät vom Stromnetz trennen willst, fasse es am Stecker an und nicht an der Zuleitung!
  • Autor:

    Dr. Friedhelm Kring

    freier Lektor und Redakteur

    Kring, Friedhelm

    Dr. Friedhelm Kring ist freier Lektor, Redakteur und Fachjournalist mit den Schwerpunkten Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.

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