Statistik der Stromunfälle in Deutschland: Das lernen wir daraus

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In welcher Berufsgruppe passieren die meisten Stromunfälle in Deutschland? Und in welchen Bereichen?
In welcher Berufsgruppe passieren die meisten Stromunfälle in Deutschland? Und in welchen Bereichen? (Bildquelle: Reinkefox/i-Stock/Getty Images Plus)

Die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) zeigt auf ihrer Website die Statistiken der Stromfälle in Deutschland. Die Daten stammen aus dem Unfallregister der BG ETEM und wurden am 15. März 2023 auf der Webseite der BG ETEM aktualisiert . Im Folgenden wollen wir einige der Statistiken näher betrachten.

Wie viele Menschen sterben in Deutschland an Strom?

Zahl der tödlichen Stromunfälle in Deutschland
Stromunfalltote in Deutschland (Bildquelle: BG ETEM)

Zuerst eine erfreuliche Nachricht: Die Zahl der Stromunfalltoten ist in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Waren im Jahr 1970 noch 256 Stromfalltote zu beklagen, so waren es im Jahr 2021 nur noch 51. Obwohl heute viel mehr elektrische Energie genutzt wird, gibt es insgesamt weniger Tote durch Stromunfälle. Auf der anderen Seite sind es aber immer noch 51 zu viel.

Wer die Statistik genauer betrachtet, dem fällt auf, dass die Zahl der Stromunfalltoten im Jahr 2021 so hoch wie seit 10 Jahren nicht mehr war. Zum Vergleich: 2020 starben in Deutschland nur 35 Personen in Folge eines Elektrounfalls.

Dennoch lässt sich sagen: So wie die Nutzung elektrischer Energie in allen Bereichen zugenommen hat, ist alles in allem auch die Sicherheit gestiegen. Was sieht man hieran? Auf jeden Fall, dass die Sicherheitsbestimmungen im Bereich Elektrosicherheit wichtig sind, vor allem aber ihre Umsetzung in der Praxis: da sind sie lebenswichtig.

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In welchem Spannungsbereich treten die meisten Stromunfälle auf?

In welchem Spannungsbereich die meisten Stromunfälle passieren.
Stromunfälle nach Spannungsbereich (Quelle: BG ETEM)

Es klingt verblüffend, aber es stimmt: Im weniger gefährlichen Bereich, bei der Niederspannung passieren über 88 % der Stromunfälle. Im Bereich der Hochspannung ereignen sich hingegen nur 0,8 % der Elektrounfälle.

Das mag zum einen daran liegen, dass viel mehr Arbeiten im Bereich der Niederspannung durchgeführt werden. Aber könnte es auch daran liegen, dass im Bereich der Hochspannung vorsichtiger bzw. umsichtiger gearbeitet wird? Dass man mehr aufpasst, wenn es gefährlicher ist? Diese Frage mag jeder für sich selbst beantworten und die notwendigen Schlüsse für die eigene Sicherheit ziehen

Stromunfälle in Deutschland nach Art der elektrotechnischen Qualifikation

Am meisten von allen elektrotechnischen Qualifikationsgruppen sind EFK an Stromunfällen beteiligt.
Stromunfälle nach Art der elektrotechnischen Qualifikation (Bildquelle: BG ETEM)

Geht es um die Qualifikation der Beteiligten an Stromunfällen, haben fast die Hälfte davon die Qualifikation Elektrofachkraft. Zu 32,2 % ist  eine elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) beteiligt und nur zu knapp über 18 % sind es Laien.

Auch hier kann man bei der Interpretation der Zahlen auf zwei Seiten ansetzen. Auf der einen Seite könnte man sagen, dass Elektrofachkräfte mehr an gefährlichen elektrischen Arbeiten beteiligt sind als die anderen beiden Gruppen.

Auf der anderen Seite drängt sich die Frage auf: Sind Elektrofachkräfte vielleicht gefährdeter, weil sie davon ausgehen, dass sie es eh „schon richtig machen“? Dass sie Bescheid wissen über alle Gefahren des elektrischen Stroms und immer richtig handeln? Das ist wieder eine Frage, mit deren Hilfe man sein eigenes Verhalten im Umgang mit elektrischer Energie kritisch hinterfragen sollte.

Schließlich noch diese Betrachtung: Je mehr Berufserfahrung eine Elektrofachkraft hat, umso weniger Unfälle passieren ihr. Erfahrene Elektrofachkräfte mit einer Berufserfahrung unter fünf Jahren sind mit 32,7 % an Stromunfällen in ihrer Gruppe beteiligt. Dieser Anteil schrumpft auf 19,6 % bei einer über 20-jährigen Berufserfahrung. Daraus können wir folgern: Je weniger Berufserfahrung jemand hat, umso vorsichtiger sollte er im Umgang mit elektrischem Strom sein. Denn mit steigender Berufserfahrung steigt auch die Fähigkeit, Gefahren während elektrotechnischen Arbeiten einschätzen zu können.

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Stromunfälle in Deutschland nach Betriebsart

Stromunfälle aufgeschlüsselt nach der jeweiligen Betriebsart
Stromunfälle nach Betriebsart (Quelle: BG ETEM)

Aus dieser Statistik über die Zahl der Stromunfälle nach Betriebsart kann man etwas wichtiges lernen: Bei der Kleininstallation sollte man vorsichtiger sein, denn hier passieren mit 46,4 % die meisten Unfälle. Im Vergleich zum Vorjahr stieg dieser Anteil sogar weiter an. Der Bereich der Herstellung von elektrischen Geräten und Maschinen hat mit 26,8 % auch einen ziemlich hohen Anteil an den Unfallzahlen, er ist aber leicht rückgängig. Je komplizierter es technisch wird, umso mehr gehen die Unfallzahlen zurück – so sind es bei der Großinstallation bzw. Industriemontage nur noch 9,8 % – im Vergleich zum Vorjahr ist das allerdings ein Anstieg von mehr als einem Prozent.

Der deutliche Unterschied zwischen den verschiedenen Betriebsarten hängt sicher damit zusammen, dass mit einem höheren technischen Stand die Zahl der durchgeführten Arbeiten zurückgeht. Trotzdem bleibt als Lerneffekt: Die Gefahren bei der Kleininstallation werden wohl häufig unterschätzt.

Stromunfälle nach Betriebsmitteln

Die meisten Stromunfälle passieren in den Bereichen Verteilung und Verbraucher allgemein.
Stromunfälle nach Betriebsmitteln (Bildquelle: BG ETEM)

Ein ähnliches Bild präsentiert sich bei der Betrachtung der Stromunfälle aufgeteilt nach dem jeweiligen Betriebsmittel. Je einfacher der Bereich, umso mehr Unfälle, je komplizierter der Bereich, umso weniger Unfälle. So ereigneten sich 9 % der Unfälle in der Erzeugung und Umformung, während insgesamt 66 % der Stromunfälle in Deutschland mit allgemeinen Verbrauchern und Verteilern passierten. Aufschlussreich ist aber auch, dass bei den Betriebsmitteln im Bereich der Verteilung mehr als doppelt so viele Unfälle passierten wie bei den Betriebsmitteln im Bereich der allgemeinen Verbraucher.

Auch hier gilt die Feststellung: Vorsicht gerade bei den scheinbar einfachen und alltäglichen elektrischen Arbeiten! Hier passieren die meisten Unfälle.

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Stromunfälle durch Verstöße gegen die 5 Sicherheitsregeln

Die meisten Stromunfälle bei Verstößen gegen die 5 Sicherheitsregeln betreffen die Regeln Nr. 1 und 3.

Betrachten wir zuletzt die Verstöße gegen die fünf Sicherheitsregeln. Am meisten Unfälle, nämlich fast 50 %, passieren beim Verstoß gegen die 3. Sicherheitsregel „Spannungsfreiheit feststellen“. Danach folgt gleich der Verstoß gegen die 1. Sicherheitsregel „Freischalten“ mit einer Unfallhäufigkeit von knapp 35 %. Die Verstöße gegen die anderen Sicherheitsregeln haben bei weitem nicht das Ausmaß wie die Verstöße gegen die 1. und die 3. Sicherheitsregel.

Die Konsequenz aus dieser Statistik muss lauten: Beim Arbeiten mit elektrischem Strom muss man sich immer wieder die 5 Sicherheitsregeln bewusst machen, besonders aber muss mehr auf das korrekte Freischalten und Feststellen der Spannungsfreiheit geachtet werden.

Fazit

Die Zahl der tödlichen Stromunfälle ist insgesamt zurückgegangen, im Jahr 2021 war die Zahl der Stromunfälle allerdings so hoch wie seit 10 Jahren nicht mehr. Viele dieser Unfälle sind darauf zurückzuführen, dass die fundamentalen Sicherheitsregeln nicht eingehalten wurden – genauer gesagt sind 85,1 % der Stromunfälle verursacht durch Verstöße gegen die erste und dritte Sicherheitsregel.

Alle, die mit elektrischem Strom arbeiten, können aus diesen Statistiken lernen. Vorsichtig sollte man gerade bei den vermeintlich einfachen Routinearbeiten sein, denn hier passieren die meisten Unfälle. Elektrofachkräfte mit einer Berufserfahrung unter fünf Jahren sind besonders gefordert, denn sie gehören zur Gruppe mit der höchsten Unfallgefahr. Und zu guter Letzt: Die Einhaltung der 5 Sicherheitsregeln kann Leben retten.

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Kommentare

Kommentar von OLaf Schley |

Bei der statisitschen Betrachtung werden die Unfallzahlen miteinander verglichen. Im Ergebnis stimmt das zwar, jedoch wird ein entscheidender Punkt dabei nicht betrachtet. Der Bezug! Wenn nur zweimal im Jahr eine komplizierte Anlage in Deutschland errichtet wird und es bei einer Anlage zu einem Unfall kommt, wird dieser Unfall nicht als häufiger Unfall in die Statistik mit aufgenommen, wenn im gleichen Zeitraum 5000 Unfälle an wenig komplizierten Tätigkeiten zu verzeichnen waren, hier aber z.B. die Tätigkeit über 10.000.000fach ausgeübt wurde. Im ersten Fall haben wir eine Unfallrate im Bezug zur Tätigkeit von 50%, im zweiten Fall haben wir eine Rate von 0,05%. Also kommt es bei der statisitischen Betrachtung auch auf die Häufigkeit der Handlungen an, um die Ergebnisse zu bewerten.
Gar keine Frage, jeder Unfall ist einer zu viel.

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