Statistik der Stromunfälle: Das lernen wir daraus

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In welcher Berufsgruppe passieren die meisten Stromunfälle? Und in welchen Bereichen?
Beim Arbeiten mit elektrischem Strom kann man nicht vorsichtig genug sein. (Bildquelle: Reinkefox/i-Stock/Getty Images Plus)

Die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) zeigt auf ihrer Website die Statistiken der Stromfälle in Deutschland. Die Daten stammen vom 28. Januar 2020 aus dem Unfallregister der BG ETEM. Es ist sehr aufschlussreich, sich diese Statistiken anzuschauen. Manchmal sind die Ergebnisse verblüffend! Auf jeden Fall aber lehrreich für Elektrosicherheit in der Praxis. Im Folgenden wollen wir einige der Statistiken näher betrachten.

Zahl der tödlichen Stromunfälle in Deutschland
Stromunfalltote in Deutschland (Bildquelle: BG ETEM)

Zuerst eine erfreuliche Nachricht: Die Zahl der Stromunfalltoten ist in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Waren im Jahr 1970 noch 256 Stromfalltote zu beklagen, so waren es im Jahr 2019 nur noch 43. Obwohl heute viel mehr elektrische Energie genutzt wird als vor 40 Jahren, gibt es insgesamt weniger Tote durch Stromunfälle. Auf der anderen Seite sind es aber immer noch 43 zu viel.

So wie die Nutzung elektrischer Energie in allen Bereichen zugenommen hat, ist auch die Sicherheit gestiegen. Was sieht man hieran? Auf jeden Fall, dass die Sicherheitsbestimmungen im Bereich Elektrosicherheit wichtig sind, vor allem aber ihre Umsetzung in der Praxis: da sind sie lebenswichtig.

Wie viele Stromunfälle in welchem Spannungsbereich passieren.
Stromunfälle nach Spannungsbereich (Quelle: BG ETEM)

In welchem Spannungsbereich treten die meisten Stromunfälle auf? Hier ist es einigermaßen verblüffend, dass im weniger gefährlichen Bereich, bei der Niederspannung, mit über 85 % die meisten Unfälle passieren. Im Bereich der Hochspannung sind es unter 2 %.

Das mag zum einen daran liegen, dass im Bereich der Niederspannung viel mehr gearbeitet wird. Aber könnte es auch daran liegen, dass im Bereich der Hochspannung vorsichtiger bzw. umsichtiger gearbeitet wird? D.h., wenn es gefährlicher ist, passt man mehr auf? Diese Frage mag jeder für sich selbst beantworten und die notwendigen Schlüsse für die eigene Sicherheit ziehen.

Am meisten von allen Gruppen sind EFK an Stromunfällen beteiligt.
Stromunfälle nach Art der elektrotechnischen Qualifikation (Bildquelle: BG ETEM)

Geht es um die Qualifikation der Beteiligten an Stromunfällen, sind fast die Hälfte davon Elektrofachkräfte. Zu 28 % sind elektrotechnisch unterwiesene Personen beteiligt und nur zu knapp 23 % sind es Laien.

Auch hier kann man bei der Interpretation der Zahlen auf zwei Seiten ansetzen. Auf der einen Seite könnte man sagen, dass Elektrofachkräfte mehr an gefährlichen elektrischen Arbeiten beteiligt sind als die anderen beiden Gruppen.

Auf der anderen Seite drängt sich die Frage auf: Sind Elektrofachkräfte vielleicht gefährdeter, weil sie davon ausgehen, dass sie es „schon richtig machen“? Dass sie Bescheid wissen über die Gefahren und richtig handeln? Das ist wieder eine Frage, mit deren Hilfe man sein eigenes Verhalten im Umgang mit elektrischer Energie einmal kritisch hinterfragen sollte.

Schließlich noch diese Betrachtung: Je mehr Berufserfahrung eine Elektrofachkraft hat, umso weniger Unfälle passieren ihr. Elektrofachkräfte mit einer Berufserfahrung unter fünf Jahren sind mit 43,3 % an Stromunfällen in ihrer Gruppe beteiligt. Dieser Anteil schrumpft auf 17,1 % bei einer über 20-jährigen Berufserfahrung. Das heißt: Je weniger Berufserfahrung jemand hat, umso vorsichtiger sollte er im Umgang mit elektrischem Strom sein.

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Arbeits- und Betriebsanweisungen für die Elektrofachkraft

Mustergültiger Schutz mit „Arbeitshilfen für die Elektrosicherheit“.

  • für ein unfallfreies und rechtssicheres Arbeiten an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln
  • sofort einsetzbare Arbeitsanweisungen nach VDE 0105-100
  • Muster-Betriebsanweisungen zu Gefahrstoffen, Arbeitsmitteln, Maschinen, PSA

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Stromunfälle aufgeschlüsselt nach der jeweiligen Betriebsart
Stromunfälle nach Betriebsart (Quelle: BG ETEM)

Aus dieser Statistik über die Zahl der Stromunfälle nach Betriebsart kann man etwas wichtiges lernen: Besonders vorsichtig sollte man bei der Kleininstallation sein, denn hier passieren mit 46 % die meisten Unfälle. Der Bereich der Herstellung von elektrischen Geräten und Maschinen hat mit 27,8 % auch einen ziemlich hohen Anteil an den Unfallzahlen. Je komplizierter es technisch wird, umso mehr gehen die Unfallzahlen zurück – so sind es bei der Großinstallation bzw. Industriemontage nur noch 8 %.

Das hängt sicher damit zusammen, dass mit dem höheren technischen Stand auch die Zahl der durchgeführten Arbeiten zurückgeht. Trotzdem bleibt als Lerneffekt, dass die Gefahren bei der Kleininstallation wohl unterschätzt werden.

Die meisten Stromunfälle passieren bei defekten Betriebsmitteln in den Bereichen Verteilung und allgemeine Verbraucher.
Stromunfälle mit defekten Betriebsmitteln (Bildquelle: BG ETEM)

Ein ähnliches Bild präsentiert sich bei den Stromunfällen mit defekten Betriebsmitteln. Je einfacher der Bereich, umso mehr Unfälle, je komplizierter der Bereich, umso weniger Unfälle. So machen allgemeine Verbraucher und Verteiler insgesamt fast 67 % aus, während es in der Erzeugung und Umformung nur 4 % sind. Aufschlussreich ist aber auch, dass bei den defekten Betriebsmitteln im Bereich der Verteilung fast doppelt so viele Unfälle passieren wie bei den defekten Betriebsmitteln im Bereich der allgemeinen Verbraucher.

Auch hier gilt die Feststellung: Vorsicht gerade bei den scheinbar einfachen und alltäglichen elektrischen Arbeiten! Hier passieren die meisten Unfälle.

Die meisten Stromunfälle bei Verstößen gegen die 5 Sicherheitsregeln betreffen die Regeln Nr. 1 und 3.
Stromunfälle durch Verstöße gegen die 5 Sicherheitsregeln (Bildquelle: BG ETEM)

Betrachten wir zuletzt die Verstöße gegen die fünf Sicherheitsregeln. Am meisten Unfälle, nämlich über 30 %, passieren beim Verstoß gegen die 3. Sicherheitsregel „Spannungsfreiheit feststellen“. Danach folgt gleich der Verstoß gegen die 1. Sicherheitsregel „Freischalten“ mit einer Unfallhäufigkeit von über 23 %. Die Verstöße gegen die anderen Sicherheitsregeln haben bei weitem nicht das Ausmaß wie die Verstöße gegen die 1. und die 3. Sicherheitsregel.

Die Konsequenz aus dieser Statistik muss lauten: Beim Arbeiten mit elektrischem Strom sollte man sich immer wieder die fünf Sicherheitsregeln bewusst machen, besonders aber das Freischalten und das Feststellen der Spannungsfreiheit.

Während die Zahl der tödlichen Stromunfälle insgesamt kontinuierlich zurückgegangen ist, ist die Zahl der Stromunfälle in den letzten fünf Jahren um 20 % gestiegen. Etwa die Hälfte dieser Unfälle ist darauf zurückzuführen, dass die fundamentalen Sicherheitsregeln nicht eingehalten wurden – genauer gesagt, sind 53,4 % der Stromunfälle verursacht durch Verstöße gegen Sicherheitsregeln Nr. 1 und Nr. 3.

Alle, die mit elektrischem Strom arbeiten, können aus diesen Statistiken lernen. Vorsichtig sollte man gerade bei den vermeintlich einfachen Routinearbeiten sein, denn hier passieren die meisten Unfälle. Elektrofachkräfte mit einer Berufserfahrung unter fünf Jahren sind besonders gefordert, denn sie gehören zur Gruppe mit der höchsten Unfallgefahr. Und zu guter Letzt: Die Einhaltung der 5 Sicherheitsregeln kann Leben retten.

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