Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel

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Prüfung ortsveränderlicher Betriebsmittel
Was ist bei der Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel zu beachten? (Bildquelle: AndreyPopov/iStock/GettyImages)

Das Prüfen ortsveränderlicher elektrischer Geräte gehört zum Alltag einer Elektrofachkraft. Doch überall da, wo Arbeitsabläufe zur Routine werden, schleichen sich auch schnell Fehler ein. Daher sind regelmäßige Unterweisungen unerlässlich, um die sichere Prüfung elektrischer Betriebsmittel zu gewährleisten.

Eine Unterweisung zur Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel sollte u. a. folgende Themenschwerpunkte beinhalten:

  • Allgemeine Informationen zum Prüfer
  • Allgemeine Informationen zu den zu prüfenden Geräten
  • Einsatz geeigneter Messgeräte
  • Prüfablauf
    • Besichtigung
    • Messung des Schutzleiterwiderstands
    • Messung des Isolationswiderstands
    • Messung des Schutzleiterstroms
    • Messung des Berührungsstroms
    • Erprobung/Funktionsprüfung
    • Dokumentation

Wer darf ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel prüfen?

Nur eine sogenannte befähigte Person darf ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel prüfen. Gerade auf dem Gebiet der ortsveränderlichen Geräte war es bisher üblich, elektrotechnisch unterwiesene Personen (EuPs) als Prüfer einzusetzen. Dies geht nunmehr seit 2012 nicht mehr (vgl. DGUV Information 203-071), denn ein reiner Abgleich mit den Grenzwerten bedeutet nicht, dass ein Gerät wirklich sicher ist. Um dies zu beurteilen, werden Fachleute mit Erfahrung benötigt.

Wer ist eine befähigte Person?

Eine befähigte Person ist - laut TRBS 1203 - eine Elektrofachkraft (EFK),

  • die Prüferfahrung besitzt und
  • deren Kenntnisse, soweit möglich, immer auf dem neuesten Stand der Technik sind. Sie besucht also regelmäßig Fortbildungen.

Die befähigte Person wird von ihrem Vorgesetzten offiziell bestellt und trägt dann die Verantwortung für die ordnungsgemäße Durchführung der Prüfung und ihre Beurteilung der Prüfergebnisse.

Bei der Durchführung der Prüfung dürfen ihr auch nicht befähigte Personen helfend zur Seite stehen, aber die Verantwortung trägt der Prüfer und dokumentiert dies mit seiner Unterschrift auf dem Protokoll.

Die befähigte Person sollte also über die nötige Prüferfahrung verfügen, um Ihrer Verantwortung gerecht zu werden und die Prüfergebnisse beurteilen zu können, sie sollte sich aber auch weiterbilden, um stets auf dem neuesten Stand der Technik zu sein. Regelmäßige Unterweisungen sind für Prüfpersonen ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel also unerlässlich.

Tipp der Redaktion

Die Unterweisungsinhalte sind dem Produkt Unterweisungen für die Elektrofachkraft entnommen. Hier finden Sie eine umfangreiche Unterweisung zur Prüfung ortsveränderlicher Betriebsmittel, mit der Sie Ihren Mitarbeitern allgemeine Informationen, Schutzmaßnahmen sowie die Prüfschritte von der Besichtigung über die Messung des Schutzleiterstroms bis hin zur Dokumentation der Prüfung nachhaltig vermitteln.

Ist der Prüfablauf immer derselbe?

Der Prüfablauf ist nicht immer gleich, denn nicht alle Prüfschritte können bei jedem Gerät durchgeführt werden. Welche Messungen durchgeführt werden müssen und können, hängt von der Art des Geräts und der Schutzklasse ab. Im Zweifel entscheidet der Prüfer, welche dieser Prüfschritte vorgenommen werden und ob es möglicherweise noch zusätzliche Untersuchungen gibt.

Beispiel: Messung des Schutzleiterwiderstands

Beim Schutzleiter muss sichergestellt sein, dass er niederohmig durchgängig ist. Um dies nachzuweisen, wird der Schutzleiterwiderstand gemessen. Der Schutzleiterwiderstand muss mit einem Strom von mindestens 200 mA, der aus einer Schutzkleinspannungsquelle von maximal 24 V gewonnen wird, gemessen werden.

Geräte, die über einen zusätzlichen Schutzleiteranschluss verfügen, z.B. durch einen zusätzlichen Potenzialausgleich oder eine Verbindung mit metallischen Teilen der Gebäudekonstruktion, müssen vor der Messung von dieser PE-Verbindung getrennt werden.

Ist dies nicht möglich, muss zusätzlich die Durchgängigkeit des Schutzleiters sichergestellt sein, z.B. durch Verwendung einer Widerstandsmesszange (Erdungsmesszange).

Messung des Schutzleiterwiderstands
Messung des Schutzleiterwiderstands (Bildquelle: Unterweisungen für die Elektrofachkraft)

Berechnung des Messwertes

Der Messwert des Schutzleiterwiderstands sollte den physikalisch-geometrischen Eigenschaften (Leiterlänge, Leiterquerschnitt, Material) des Leiters entsprechen. Der Wert wird mittels folgender Formel berechnet:

Für im Verlauf des Leiters eingebaute Klemmstellen (z.B. PE-Anschluss im Stecker) werden zu dem errechneten Wert jeweils 10 MΩ hinzugezählt.

Hierdurch ergibt sich der Erwartungswert, der durch die Messung bestätigt werden sollte. Ist der Messwert zu hoch, kann es sich um einen Messfehler oder aber auch um einen defekten Schutzleiter handeln, selbst wenn der Messwert unterhalb des Grenzwerts liegt.

Messfehler sind häufig dadurch bedingt, dass die Messleitung mitgemessen wird, die Prüfspitze nicht mehr spitz ist oder nicht senkrecht aufgesetzt wird. Zu wenig Druck auf die Messspitze kann ebenfalls zu einem zu hohen Ergebnis führen.

Während der Messung muss der Schutzleiter bewegt werden, damit mögliche Leitungsbrüche erkannt werden können (Handprobe).

Tipp der Redaktion

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  • Autor:

    Dipl.-Ing. Sven Ritterbusch

    Geschäftsführender Gesellschafter der GAB Ingenieure GmbH

    Ritterbusch Sven

    Im Jahr 2013 gründete Dipl.-Ing. Sven Ritterbusch die GAB Ingenieure GmbH, die Unternehmen in den Bereichen Arbeitsschutz und Brandschutz berät. Dort ist er als geschäftsführender Gesellschafter und VdS-anerkannter Sachverständiger zum Prüfen elektrischer Anlagen tätig.

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