4,6/5 Sterne (5 Stimmen)
Eine praxisorientierte Bestimmung des Schutzleiterstroms 4.6 5 5

Eine praxisorientierte Bestimmung des Schutzleiterstroms

(Kommentare: 0)

Zweimal definiert - Bild
Der Schutzleiterstrom ist zweimal definiert

Einfacher geht es wirklich nicht. Die Definition des Schutzleiterstroms in der internationalen Normung und damit auch bei uns (DIN VDE 0106-102) ist eindeutig und für jeden verständlich: "Der Schutzleiterstrom (einer Anlage) ist der Strom, der im Schutzleiter (dieser Anlage) fließt." Da bleibt eigentlich keine Frage offen. Oder doch?

Die obige Definition lässt sich noch wie folgt ergänzen:
Der Schutzleiterstrom IPE einer Anlage (Anlagenteil) entsteht aus den Schutzleiterströmen ISL ihrer Betriebsmittel (Abbildung 1) und diese wiederum aus deren Ableit- und/oder Fehlerströmen (Abbildung 2).

Aber! Leider wurde dann irgendwann einmal nicht ausreichend aufgepasst und der Name zum zweiten Mal vergeben.

Abb. 1: Schutzleiterstrommessung einer Anlage

files/content/grafiken/Eine praxisorientierte Bestimmung des Schutzleiterstroms/02.jpg

Kennwert der Sicherheit

Bei den Betriebsmitteln (Geräten) wird der Schutzleiterstrom auch als Kennwert der Sicherheit verwendet. Dieser Kennwert sagt aus, wie groß die Gefährdung für eine das Gerät berührende Person unter den ungünstigsten Bedingungen sein kann.
Dies ist der Fall

  • wenn ein Schutzleiterbruch vorhanden ist und
  • der Gerätekörper keinen Kontakt zum Erdpotenzial (PA) hat und
  • somit alle Ableit-/Fehlerströme des Geräts über eine den Gerätekörper berührende Person zur Erde fließen.

Elektrische Geräte

Für diesen speziellen „Schutzleiterstrom“ (eines elektrischen Geräts) ist eine andere, etwas speziellere Definition erforderlich (Abbildung 2). Sie steht in der DIN VDE 0701-0702 und besagt, der Schutzleiterstrom ISL eines Geräts ist die Summe aller über seine Isolierungen (und etwaige Beschaltungen) zu seinem Schutzleiter fließenden Ableit- und Fehlerströme.

Abb. 2: Zusammenhang: Schutzleiterstrom des Geräts (ISL) und der Anlage (IPE)

files/content/grafiken/Eine praxisorientierte Bestimmung des Schutzleiterstroms/03.jpg

Abb. 3: Messung des Schutzleiterstroms (ISL) eines Betriebsmittels

files/content/grafiken/Eine praxisorientierte Bestimmung des Schutzleiterstroms/04.jpg

Welche Definition trifft zu?

Nun heißt es aufpassen. Wenn vom Schutzleiterstrom die Rede ist, muss man unterscheiden, klären und sagen, welche der beiden Varianten eigentlich gemeint ist.
Entweder der in einem Schutzleiter fließende Strom IPE, eine Summe von Ableit-/Fehlerströmen, deren Anteile und deren Herkunft nur selten exakt geklärt werden können. Oder der Schutzleiterstrom (Kennwert) ISL eines elektrischen Geräts, die Summe seiner Ableit-/Fehlerströme, der dann

  • nur über den Schutzleiter der Anlage (Abbildung 2a) oder
  • auch über den Schutzpotenzialausgleich (Abbildung 2b) abfließt.

Messung durchführen

Zur Erläuterung des geschilderten Zusammenhangs ist noch zu sagen. Der Schutzleiterstrom der Anlage (Abbildung1) ist nur dann exakt die Summe der Schutzleiterströme (Ableit-/Fehlerströme) aller angeschlossenen Geräte, wenn keiner der Gerätekörper Kontakt mit einem das Erdpotenzial führenden Teil hat (Abbildung 2a). Bei der Messung des Schutzleiterstroms eines Geräts, d.h. der Summe seiner Ableit-/Fehlerströme, zur Bestimmung möglicher Gefährdungen für Personen, muss die Differenzstrom-Messmethode (Abbildungen 3a und b) verwendet oder bei der direkten Prüfung das Gerät isoliert aufgestellt werden (Abbildung 3a).

Bei einem gegenüber Erde isoliert aufgestellten Gerät wird sein gesamter Schutzleiterstrom ISL über den Schutzleiter der Anlage abgeführt (Abbildung 2a). In diesem Fall sind die Werte des Schutzleiterstroms des Geräts und der Schutzleiterstrom im Schutzleiter der Anlage gleich. Es gilt: IPE = ISL (Abbildung 2a).

Hat ein Gerätekörper Kontakt mit einem das Erdpotenzial führenden Teil (fremde leitfähige Teile, Schutzpotenzialausgleich PA, Erde), so fließt ein unbekannter Teil seines Schutzleiterstroms (Ableit-/Fehlerströme) als PA-Leiterstrom über diese Verbindung zurück zur Versorgungsanlage.

Es gilt:
IPE = ISL IPA (Abbildung 2b).

Autor: Dipl.-Ing. Klaus Bödeker, Fachautor Prüftechnik

Zurück

Kommentare

Diskutieren Sie mit

* Pflichtfeld