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Neu errichtete Steckdosen benötigen ein RCD

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RCD für neue Steckdosen
Neu installierte Steckdosen benotigen einen RCD

Die VDE 0100-410 von Juni 2007 besagt, dass neu installierte Steckdosen mit einem Nennstrom bis 20 Ampere im Innenbereich mit Fehlerstromschutzeinrichtungen (RCDs) ausgestattet werden müssen. Diese Regelung greift aber nicht immer - es gibt Ausnahmen.

Nach der DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2007-06 müssen neu errichtete Steckdosen bis 20 A Nennstrom/Bemessungsstrom, die im Innenbereich errichtet werden, mit Fehlerstromschutzeinrichtungen (RCD) mit einem Bemessungsdifferenzstrom ≤ 30mA geschützt werden.

Elektrische Anlagen, die zum Zeitpunkt ihrer Errichtung den damals gültigen Normen entsprachen genießen, wie man so schön sagt, Bestandsschutz.
Dies gilt auch für elektrische Anlagen mit klassischer Nullung (Zweidraht-Nullung). Da es in den Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100) das Wort Bestandsschutz nicht gibt, kann man besser von einer „Nicht-Umrüstpflicht“ sprechen.

Warum die Forderung nach Fehlerstromschutzeinrichtungen?

Forderung nach Fehlerstromschutzeinrichtungen in Steckdosen

Die Festlegungen der VDE 0100-410 sind nicht aus der Luft gegriffen eingeführt worden. Vielmehr kam es immer wieder zu Unfällen, auch wenn diese glücklicherweise nicht immer tödlich endeten. Daher hatten viele Eltern von Kleinkindern versucht, ihre Kinder zusätzlich zu schützen, z.B. durch Einbringen von Kindersicherungen in Steckdosen. Solche eingebrachten Einrichtungen konnten unter Umständen andere Gefahren hervorrufen, z.B. führten sie wegen schlechterer Kontakte der Steckerstifte zu Bränden. Oft werden hinter fest installierten Steckdosen mehrere Tischsteckdosen hintereinander eingesteckt. Oder gar mehrere Verlängerungen hintereinander verwendet. Die daraus resultierenden Leitungslängen von 50 m und mehr sind keine Seltenheit.

Es sollte uns bewusst sein, dass die Abschaltbedingungen an den fest errichteten Steckdosen (Verbrauchsmitteln) enden. Alles was über längere Leitungen angeschlossen wird, kann dazu führen, dass längere Abschaltzeiten auftreten können, oder es kommt überhaupt nicht mehr zu einer Abschaltung. Diese Probleme sind auch in der Industrie an der Tagesordnung. Durch diese Missstände ergibt sich die Forderung nach Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD) in der Norm VDE 0100-410.

Grenzfälle der Norm VDE 0100-410

Natürlich führen solche Forderungen immer zu Grenzfällen. Es lässt sich nicht verhindern, dass in der Altanlage keine einzige Steckdose (evtl. nicht einmal Steckdosen in Räumen mit Badewanne oder Dusche) durch einen Fehlerstromschutzschalter (RCD) mit einem Bemessungsdifferenzstrom von nicht größer als 30 mA geschützt ist. Nun muss eine neu errichtete Steckdose die 10 cm neben einer vorhandenen Steckdose errichtet wird, mit einem FI-Schutzschalter mit einem Bemessungsdifferenzstrom von nicht größer als 30 mA geschützt werden - jedoch nur die neu errichtete Steckdose, für die anderen gilt die so genannte „Nicht-Umrüstpflicht“!

Was bedeutet "Nicht-Umrüstpflicht"?

Sobald nur der Steckdoseneinsatz gegen einen neuen ausgetauscht wird bzw. in einer Wohnung ein neues Steckdosenprogramm zum Einsatz gelangt, gilt weiterhin die Norm, die zum Zeitpunkt der Errichtung Gültigkeit hatte. Beachtet werden müssen nur Anpassungspflichten, die evtl. in diesem Zeitraum erlassen worden sind. Darunter fällt jedoch nicht die DIN VDE 0100-410, da darin keine Anpassung von Bestandsanlagen gefordert wird.

Es gibt auch Ausnahmen in der Norm, die aber nicht sehr genau definiert sind. So gilt z.B. diese Forderung nicht für folgende Konstellationen:

  • Steckdosen, die durch Elektrofachfachkräfte oder elektrotechnisch unterwiesene Personen überwacht werden. In der zugehörigen Anmerkung wird diese Ausnahme aber weiter eingegrenzt. Dort ist Folgendes angeführt: Dieses gilt z.B. für Industriebetriebe, deren elektrische Anlagen und Betriebsmittel ständig überwacht werden. Als ständig überwacht gelten elektrische Anlagen und Betriebsmittel, wenn sie von Elektrofachkräften instand gehalten werden und durch messtechnische Maßnahmen sichergestellt ist, dass dadurch Schäden rechtzeitig entdeckt und behoben werden können.
  • Steckdosen, die für den Anschluss nur jeweils eines bestimmten elektrischen Betriebsmittels/Verbrauchsmittels errichtet werden. Auch hierzu gibt es eine Anmerkung, in der empfohlen wird, auf diese Ausnahme soweit als möglich zu verzichten.

Welche Art von Steckdosen bzw. welche bestimmten Betriebsmittel gemeint sind, ist in der Norm nicht festgelegt.
Die Elektrofachkraft entscheidet selbst! Somit bleibt die jeweilige Entscheidung letztlich der Elektrofachkraft überlassen.

Aber es gilt grundsätzlich, dass Personenschutz - und darum geht es bei dem Einsatz von Fehlerstromschutzschaltern (RCD/FI) - immer Vorrang hat.

Autoren: Stefan Euler, BDSH-geprüfter Sachverständiger und Hans J. Rübsam, beratender Ingenieur

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