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Unterweisung: explosionsgefährdete Bereiche

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Prüfung, Wartung und Instandhaltung elektrischer Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen ist ein wichtiger Aufgabenbereich der Elektrofachkraft.
Prüfung, Wartung und Instandhaltung elektrischer Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen ist ein wichtiger Aufgabenbereich der Elektrofachkraft. (Bildquelle: industryview/iStock/Getty Images)

Ob erstmalige oder wiederkehrende Prüfungen elektrischer Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen – viele Fachkenntnisse sind erforderlich, z.B. über Zoneneinteilung, Geräteeigenschaften am Einbauort, Prüfart und Prüftiefe sowie die fachgerechte Dokumentation der Prüfergebnisse. Auch das Wissen über Maßnahmen der ständigen Überwachung und die Anforderungen an Instandhaltung ist für einen unfallfreien Betrieb unumgänglich.

Unterweisen Sie Ihre Elektrofachkräfte

Für ein sicheres Arbeiten an elektrischen Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen sind Unterweisungen unerlässlich.

Die Unterweisung Ihrer Mitarbeiter sollte folgende Themen beinhalten:

  • Grundlagen für Inspektionen sowie Wartung und Instandsetzung
  • Betrieb von elektrischen Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen
  • Prüftiefe und Art der Prüfungen
  • Regelmäßige wiederkehrende Prüfungen
  • Prüfungsablauf bei wiederkehrenden Prüfungen
  • Ständige Überwachung durch fachkundiges Personal
  • Instandsetzungsmaßnahmen und Änderungen an Geräten

Grundlagen für Wartung und Instandsetzung

Elektrische Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen weisen spezielle Merkmale auf, die einen ordnungsgemäßen Betrieb in diesen Bereichen ermöglichen. Wesentlich sind hierbei, dass neben den Maßnahmen der elektrischen Sicherheit (Schutz gegen den elektrischen Schlag, Schutz gegen thermische Auswirkungen usw.) Maßnahmen des Explosionsschutzes (z.B. Vermeidung von Zündquellen) zu beachten sind.

Maßnahmen des Explosionsschutzes

Die Maßnahmen des Explosionsschutzes sind wie folgt aufgeteilt

  • primärer Explosionsschutz – Maßnahmen, die eine Bildung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre verhindern oder einschränken (Vermeiden explosionsfähiger Atmosphäre)
  • sekundärer Explosionsschutz – Maßnahmen, die eine Entzündung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre verhindern (Vermeiden wirksamer Zündquellen)
  • tertiärer Explosionsschutz – Maßnahmen, die Auswirkungen einer Explosion auf ein unbedenkliches Maß beschränken (konstruktiver Explosionsschutz)

Bei der Auswahl der Betriebsmittel ist darauf zu achten, dass die speziellen Merkmale des Explosionsschutzes

  • in den (vorhandenen) besonderen Umgebungsbedingungen wirksam sind und
  • während ihrer gesamten Lebensdauer erhalten bleiben.

Der ordnungsgemäße Zustand von elektrischen Anlagen kann durch Prüfungen nachgewiesen werden. Nach der Erstprüfung sind weitere laufende Prüfungen entweder

  • als regelmäßig wiederkehrende Prüfungen oder
  • in Form der ständigen Überwachung durch Fachkräfte

erforderlich.

Für Wartung und Instandsetzung muss eine aktuelle Dokumentation einschließlich aller Änderungsaufzeichnungen zur Verfügung stehen.
Für Wartung und Instandsetzung muss eine aktuelle Dokumentation einschließlich aller Änderungsaufzeichnungen zur Verfügung stehen. (Bildquelle: AndreyPopov/iStock/Getty Images)

Aktuelle Dokumentation (Nachweisakte)

  • Zoneneinteilung explosionsgefährdeter Bereiche und, falls eingeschlossen, das erforderliche Geräteschutzniveau (EPL)
  • für Gase: Anforderungen für Gerätegruppe (IIA, IIB und IIC) und Temperaturklasse
  • für Stäube: Anforderungen für Gerätegruppe (IIIA, IIIB und IIIC) und maximale Oberflächentemperatur
  • Geräteeigenschaften (Bemessungstemperaturen, Zündschutzart, Schutzgrad IP XX, Korrosionsbeständigkeit)
  • ausreichende Unterlagen zur Instandhaltung von explosionsgeschützten Geräten (Liste und Standort für Geräte, Ersatzteile, technische Informationen)
  • Kopien der vorhergehenden Prüfaufzeichnungen
  • Kopien der zusätzlichen Erstprüfungsaufzeichnungen

Nur ausreichend qualifiziertes und erfahrenes Personal darf prüfen

Nur ausreichend qualifiziertes und erfahrenes Personal darf Prüfungen, Wartung und Instandsetzung durchführen. Nachweise über regelmäßige Weiterbildungen oder Schulungen des Personals müssen dokumentiert und verfügbar sein.

Als ausreichend qualifiziertes Personal gelten Personen, denen bei der Ausbildung Kenntnisse vermittelt wurden über:

  • die verschiedenen Zündschutzarten und Errichtungsverfahren
  • die Anforderungen der Norm VDE 0165-10-1
  • einschlägige nationale Vorschriften und Unternehmensregeln für die Anlage
  • die allgemeinen Grundsätze der Zoneneinteilung
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Prüftiefe und Art der Prüfungen

Überprüfungen nicht gekennzeichneter Geräte

Fehlt das Zulassungsschild oder die Kennzeichnung an einem explosionsgeschützten Gerät oder ist dieses unleserlich, muss die Rückverfolgbarkeit der Zulassungsdetails gewährleistet werden. Dies kann durch eine zusätzliche Anlagenkennzeichnungsnummer, Seriennummer oder einen Verweis auf die Unterlagen der Installation erfolgen.

Durch die zusätzliche Kennzeichnung darf die Wirksamkeit der Explosionsschutzmaßnahmen oder die Funktionsfähigkeit des Geräts nicht beeinflusst werden.

Wird eine Inventarisierungs- oder Kennzeichnungsmethode zur Verwaltung der explosionsgeschützten Geräte verwendet, so muss es möglich sein, dass auch nach einem Geräteaustausch die speziellen Merkmale des Originalgeräts (Zulassungskennzeichnung oder -details) ermittelt werden können.

Abnahme von Geräten in Altanlagen

Kann bei Altgeräten die notwendige Zertifizierung für den explosionsgefährdeten Bereich nicht mehr nachgewiesen werden, so ist deren Weiternutzung zu überprüfen und ggf. nachzuweisen. Es muss eine Beurteilung auf Eignung des Geräts für den Einsatz an der speziellen Örtlichkeit durchgeführt werden. Diese sollte entsprechend dem Anhang C der VDE 0165-10-1 „Beurteilung der Eignung für den Anwendungsfall“ durchgeführt werden.

Prüftiefe und Art der Prüfungen
Prüftiefe und Art der Prüfungen - aus Unterweisungsfolien für die Elektrofachkraft

Prüftiefe nach Vorgaben der VDE 0165-10-1

  • Sicht- und Nahprüfungen am eingeschalteten Gerät
  • Detailprüfungen, im Allgemeinen an freigeschalteten Betriebsmitteln

In den Tabellen 1, 2 und 3 der VDE 0165-10-1 sind für Geräte, Installationen und Umgebungen Prüftiefen (Detailprüfung, Nahprüfung, Sichtprüfung) für die jeweilige Zündschutzart vorgegeben. Beim Auftreten von Staub, Fasern oder Flusen müssen die Anforderungen an Prüfungen, Wartung und Instandsetzung überprüft und, wenn erforderlich, erweitert
werden.

Arten der Prüfungen

  • Erstprüfungen auf Grundlage der Detailprüfung
  • wiederkehrende Prüfungen
  • Stichprobenprüfungen
  • ständige Überwachung

Eine Erstprüfung ist eine Prüfung aller elektrischen Geräte, Systeme und Anlagen vor der ersten Inbetriebnahme.

Die wiederkehrende Prüfung ist eine Prüfung aller elektrischen Geräte, Systeme und Anlagen, die regelmäßig durchgeführt wird. Wenn die Frist nicht durch eine zur Prüfung befähigte Person verändert wurde, darf diese drei Jahre nicht überschreiten.

Mit der Stichprobenprüfung wird eine Prüfung eines repräsentativen Teils der elektrischen Geräte, Systeme und Anlagen durchgeführt.

Die ständige Überwachung umfasst die Inspektion, Unterhaltung, Pflege, Wartung und Instandsetzung der elektrischen Anlage durch häufig anwesendes fachkundiges Personal. Sie wird mit dem Ziel so durchgeführt, dass die Explosionsschutzmerkmale der Anlage in einem ordnungsgemäßen Zustand gehalten werden.

Ergebnisse der Prüfungen sind aufzuzeichnen und aufzubewahren.

Autor: Dipl.-Ing. Sven Ritterbusch

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