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Wie viele Verlängerungskabel dürfen angeschlossen werden? 3.8 0 5 9

Wie viele Verlängerungskabel dürfen hintereinander angeschlossen werden?

Ein Verlängerungskabel an dem anderen
Ein Verlängerungskabel an dem anderen

Frage aus der Praxis

Gibt es bestimmte Vorschriften, die vorgeben, wie viele Verlängerungskabel hintereinander angeschlossen werden dürfen? Wenn ja, welche? Was genau passiert, wenn ich drei Verlängerungskabel hintereinander hänge?

Antwort des Experten

Diese Frage stellte ein Leser von elektrofachkraft.de. Und weil die Antwort sicher nicht nur einen Leser interessiert, und übrigens gar nicht trivial ist, hier die ausführliche Antwort unseres Experten.

Grundsätzlich gibt es KEINE DIN VDE-Bestimung, die pauschal eine Festlegung trifft wie viele Verlängerungskabel hintereinander angeschlossen werden dürfen. Demnach ist im juristischen Umkehrschluss ZUNÄCHST das Hintereinanderstecken von Verlängerungsleitungen erstmal statthaft.

Allerdings dürfen die Abschaltbedingungen der Schutzmaßnahme "Automatische Abschaltung im Fehlerfall" in Abhängigkeit des vorhandenen Stromversorgungsystems (TN-, TT- oder IT-System) gemäß DIN VDE 0100-410:2007-06 Abs. 411 ff. nicht verletzt werden. Für das TN-System gilt gemäß DIN VDE 0100-410:2007-06 Abs. 411.4.4 die Abschaltbedingung:
files/content/grafiken/Wieviele Verlaengerungskabel duerfen eigentlich hintereinander ang/02.jpg

Hiernach darf eine bestimmte Schleifenimpedanz (Zs) nicht überschritten werden, so dass eine Abschaltung im Fehlerfall der vorgeordneten Überstromschutzeinrichtung (z.B. Leitungsschutzschalter B 16A gG/gL) jederzeit gewährleistet ist.

Genau durch das Hintereinanderstecken von Verlängerungsleitungen wird nun aber diese Schleifenimpedanz, bedingt durch erhöhte Leitungslängen in dem Stromkreis, unzulässig erhöht und kann unter bestimmten Bedingungen bereits beim einfachen Hintereinanderstecken zweier Verlängerungsleitungen den maximal zulässigen Grenzwert der - für den individuellen Stromkreis in Abhängigkeit des Auslösestroms (Ia) der vorgeordneten Überstromschutzeinrichtung geltenden - Schleifenimpedanz überschreiten. Es würde nun zu keiner Abschaltung der Überstromschutzeinrichtung kommen und gleichzeitig eine unzulässige Erwärmung der Verlängerungsleitungen bis hin zum Einsetzen eines Schwelbrandes oder Zündung eines Lichtbogens infolge der nachlassenden Isolationsfestigkeit der Leitung(en) kommen.

Aus diesem Grund existiert eine praxisnahe Aussage von vielen Elektrofachkräften jedoch ohne fachliche Gewähr, die da lautet: "Pro Steckdosenstromkreis oder pro ortsfester Steckdose nur maximal eine Verlängerungsleitung anschließen!". So wird im Normalfall und bei Vorhandensein einer intakten, fachgerecht errichteten ortsfesten elektrischen Anlage beim Benutzen von Verlängerungsleitungen durch elektrotechnische Laien gewährleistet, dass die Schleifenimpedanz am Ende der Verlängerungsleitungen immer noch einen zulässigen Wert aufweist.

Fachlich sauber ist diese Vorgehensweise jedoch nicht, sondern hier ist immmer die verantwortliche Elektrofachkraft des Betriebes gefordert, die Schleifenimpedanzmessung vorzunehmen und eine Aussage auf Zulässigkeit individuell auf den Stromkreis bezogen zu machen.

Diese auführliche Antwort gab Dipl.-Ing. Holger Bluhm, VdS-anerkannter Sachverständiger zum Prüfen elektrischer Anlagen.

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Kommentare

Kommentar von KOSIR ALOYS |

Hallo
Diese Aussage ist zunächst einmal absolut richtig.
Da aber fast alle Hersteller von Schuko-Verteilern mittlerweile in der Bedienungsanleitung oder mittels Aufkleber auf dem Verteiler darauf hinweisen das ein hintereinanderstecken verboten ist gibt es eigentlich kaum eine andere Möglichkeit als auf das hintereinanderstecken zu verzichten.
Gruss A.K

Kommentar von Hoffmeier |

Was ist wenn die Schleifenimpendanz nach 3 hintereinandergeschalteten Verlängerungen den Abschaltbedingungen ( Kurzschlussstrom) der Sicherung entspricht ?? Darf man oder darf man nicht Verlängerungen hintereinander schalten??

Kommentar von Bauer |

Ich denke, dass sich die Hersteller mit dem Aufkleben von Verbotsschildern sich die Sache in der Regel sehr einfach machen, da es am Ende nicht zu kontrollieren ist. Aber auch die Aussage des Sachverständigen kann so nicht stehen bleiben, da hier wichtige Hinweise fehlen.

Grundsätzlich verlangt die VDE das Steckdosenstromkreise die dem elektrotechnischen Laien zugänglich sind , schon seit geraumer Zeit die Verwendung von Fehlerstromschutzschaltern. Diese lösen schon bei kleinen Fehlerströmen aus und können hier wirksam Gefährdungen vermeiden. Eine Schleifenwiderstandsmessung wäre in diesem Falle so einfach gar nicht möglich, da hiermit der RCD auslösen würde. Somit beschränkt sich die Messung auf den Innenwiderstand des Netzes. Betrachtet man die Innenwiderstandsmessung und den besagten erforderlichen Kurzschlussstrom, muss man sicherlich die entstehende Leitungslänge und Übergangswiderstände als "Ganzes" betrachten und dies bei einer Messung berücksichtigen. Ich selbst sehe erst einmal keinen Grund warum man nicht mehrere Verlängerungen hintereinanderschalten können sollte.
Ein großes Risiko besteht aber in der Vervielfältigung der Steckdosen in diesen entstehende Konstrukt. Und genau hier greift meiner Meinung nach der Sicherheitshinweis der Hersteller, dass es nicht zulässig ist, mehrere Mehrfachsteckdosen (Verlängerungen) zusammen zustecken, da es hier zu einer Überlastung (durch mehrere zusätzliche Verbraucher) der verwendeten Anschlussleitung entstehen könnte, da diese meist mit einem geringeren Querschnitt angeschlossen sind als der speisende Stromkreis selbst. Somit könnte sich hier die Leitung unzulässig erwärmen, da die Überstromschutzeinrichtung bei einer Belastung unterhalb des Nennstroms nicht auslösen würden. Auch im Kurzschlussfalle ist diese dann entsprechend zu berücksichtigen.

Da in der Regel in Deutschland die Steckdosen mit LS 16A B abgesichert sind, sehe ich eigentlich die Verantwortung der nachgeschalten Verlängerungsleitung in der Zulassungsentscheidung durch den VDE und anderer Prüfinstitute. Hier müsste es eine Regelung geben, dass nur Verlängerungen und auch Mehrfachsteckdosen auf dem Markt kämen, die den erforderlichen Mindestquerschnitt (1,5mm²) aufweisen und solche mit <1,5 mm² vom Markt verschwinden. Somit wäre im Sinne der Absicherung von Steckdosen und den eingesteckten Verlängerungsleitungen Rechnung getragen und eine Überlastung der angeschlossenen Leitungen wäre durch die vorgeschalteten Sicherungsorgane ziemlich ausgeschlossen, da diese auslösen würde bevor sich die Anschlussleitungen unzulässig erwärmen.

Nimmt man die Steckdosen ohne Fehlerstrom-Schutzeinrichtung ins Visier sind die aufgeführten Abschaltbedingungen einzuhalten (ohne Wenn und Aber).

Kommentar von Frager |

Da wird schon wieder viel Halbwissen verbreitet...
Eine Schleifenimpedanzmessung ohne Auslösung des RCDs (Fi) ist sehr wohl möglich und seit Jahren Praxis im Alltag des messenden Elektroinstallateurs. Und zum Thema Hintereinanderschalten von Mehrfachsteckdosen: Die Problematik ist sicherlich immer die zusätzliche Steckverbindung, die sich zwischen Verbrauchsmittel und festinstallierter Steckdose einfügt. Diese kann dann x-fach auftreten und stellt je nach Ausführungsqualität ein mehr oder minder gefährliches Kontaktproblem da. Auch ist der zu geringe Querschnitt der Zuleitung ein Risiko. Einfach gesagt: Billige Ausführungen werden auch immer ein erhötes Gefahrenrisiko beinhalten. Der Hinweis von Herstellern auf die bestimmungsgemäße Verwendung ihrer Produkte ist absolut wichtig und EU-konform. Somit soll und muss natürlich auch der Konsument Verantwortung tragen. Z.B.: Wenn Sie ein E27-Leuchtmittel tauschen, ist die Fassung während des Tauschens nicht berührungssicher. Dies sollte auch dem elektrotechnischen Laien bewusst sein... Gut, wenn ein Hersteller darauf hinweist.

Kommentar von Helmut |

Damit die Schutzmaßnahme “Schutz durch Abschaltung” im Fehlerfall funktioniert, ist es erforderlich, dass ein möglichst großer Fehlerstrom innerhalb der Fehlerschleife fließen kann. Der Fehlerstrom wird jedoch maßgeblich durch den Leitungswiderstand (z.B. aufgrund von Leitungslänge und -querschnitt) bestimmt. Je größer die Leitungslänge und je kleiner der Leitungsquerschnitt, desto größer der Leitungswiderstand.
Die Schleifenimpedanz (Zs) muss laut VDE 0100-410, Abs. 411.4.4 in einem TN-System dabei so bemessen sein, dass diese zur Einhaltung der Schutzmaßnahme nicht größer wird als der Quotient aus Nennspannung (UNennspannung) des Außenleiters gegen Erde (z.B. 230 V für eine Steckdose) und erforderlichen Abschaltstrom (IAbschalt) der Schutzeinrichtung (z.B. 80 A für einen LS-Schalter vom Typ B 16 A). In einer Formel ausgedrückt bedeutet das:
ZS ≤ UNennspannung/IAbschalt
Als Rechen- und Messbeispiel für die maximale Schleifenimpedanz soll hier noch einmal die Steckdose mit 230 V dienen, die über einen LS-Schalter vom Typ B 16 A abgesichert ist:
Zs ≤ 230 V/80 A
Zs ≤ 2,88 Ω
Einen Sicherheitsaufschlag von mind. 30 % (Faktor 0,7) beachten:
Zs ≤ 0,7 x (230 V/80 A)
Zs ≤ 2,0 Ω
Cu-Draht 1,5 Qudrat hat einen Widerstand von 12.6 mOhm pro Meter. 2000mOhm/12,6 mOhm ergibt 158,7m.
Schleife zwischen Außenleiter und Schutzleiter halbiert den Wert auf ca. 80 m Kabelweg. Rechnet man 20-30 m für das Kabel bis zur Steckdose ab, verbeiben noch 50m für mögliche Verlängerungskabel.

Kommentar von Peter Kiel |

sehr viel Theorie, doch wie sieht es in der Praxis aus?
Heutzutage hat jedes kleine elektronische Gerät ein Steckernetzteil.
Meist haben diese weniger als 10Watt. Wenn ich jetzt 3 Steckdosenleisten kaskadiere und nur solche Kleinleistungsgeräte anschließe, dann sollte das doch kein Problem sein.
Das mit der Impedanz bei Kurzschluss sehe ich ein. Die Frage ist allerdings ob dies wirklich ein signifikantes Risiko darstellt und nicht die Gefahr viel größer ist, dass ein Steckernetzteil ohne Kurzschluss auf der 220V Seite zu brennen anfängt.

Kommentar von Torsten |

@Peter Kiel
...genau das ist das Problem bei der ganzen Geschichte. Es werden immer mehr kleine "smarte" Geräte im Haushalt. Jedes davon hat ein kleines Steckernetzteil, welche nicht selten gleich zwei oder drei Steckplätze blockieren.
Dazu kommen noch die Gefahren der "Wühlkisten - Steckdosenleisten" für einen unschlagbaren Dumpingpreis. Wenn bei diesen der PE überhaupt vom Stecker bis zu den Kontakten reicht, dann hat man schon Glück.
Erstaunt war ich hingegen von einen Elektronik Fachversandhandel wo ich geprüfte (mit Aufkleber!!!) Steckdosenleisten für ein absoluten fairen Preis bekommen habe!
Gleichzeitig benutze ich immer mehr USB Steckernetzteile mit mehreren Abgängen und rüste wo sinnvoll meine Wandinstallation mit UP USB Steckdosen vom Original Schalterhersteller.
Leider ist dies die einzige Möglichkeit der Flut der Netzteile her zu werden ohne die Gefährdung (Brand oder elektrischer Schlag) durch Steckdosenschlangen...

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