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Unterweisung elektrischer Strom: richtig reagieren bei Stromunfällen

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Unterweisungen zum elektrischen Strom und in Erste Hilfe nach einem Stromunfall sind unverzichtbar!
Unterweisungen zum elektrischen Strom und in Erste Hilfe nach einem Stromunfall sind unverzichtbar! (Bildquelle: lisafix/iStock/Thinkstock)

Die Zahl der Stromunfälle in Deutschland hat in den letzten Jahren abgenommen. Dies ist erfreulich, aber kein Grund, in der Aufmerksamkeit und Sensibilisierung für diese Gefahr nachzulassen. Trotz aller Sicherheitseinrichtungen und Aufklärung sterben immer noch jedes Jahr Menschen an den Folgen von Stromunfällen. Dies betrifft keineswegs nur Laien, darunter sind auch Elektrofachkräfte und andere Angehörige von Elektroberufen.

In jedem Unternehmen und gerade in Betrieben der Elektrobranche bleiben Unterweisungen zu den Gefahren durch den elektrischen Strom, das richtige Verhalten bei Elektrounfällen und die Erste Hilfe unverzichtbar.

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Darum sind Elektrounfälle so gefährlich

Elektrischer Strom hat nicht nur unangenehme und schmerzhafte, sondern auch gesundheitsgefährliche Wirkungen auf den menschlichen Körper. Die offenkundigsten Verletzungen bei einem Stromunfall sind Verbrennungen und Muskelverkrampfungen. Dazu kommen Störungen der Atmung und des Herz-Kreislauf-Systems. Letztere sind auch deshalb so tückisch, weil sie noch Tage nach dem Unfall als Herzrhythmus-Störungen auftreten können. Auch kann es verzögert zu dem gefährlichen Herzkammerflimmern kommen. Im Hochspannungsbereich kommt die Gefahr von Lichtbögen mit schweren Verletzungsfolgen bis zum Tod hinzu.

Erstes Gebot nach einem Elektrounfall: Unterbrechen Sie den weiteren Stromfluss sicher.
Erstes Gebot nach einem Elektrounfall: Unterbrechen Sie den weiteren Stromfluss sicher. (Bildquelle: antos777/iStock/Thinkstock)

Grundregeln zum Verhalten bei Elektrounfällen

Wer einen Stromunfall eines Kollegen miterlebt oder wer eine Person in einer Situation auffindet, die auf einen Elektrounfall hindeutet, sollte unbedingt die wichtigste Verhaltensregel kennen und im akuten Fall umsetzen: Eigenschutz geht vor! Wer sich – und sei es noch so gut gemeint – selbst in Gefahr begibt und zum nächsten Unfallopfer wird, weil die Gefahrenquelle noch aktiv ist, wird auch dem verunfallten Kollegen nicht helfen können.

Erstes Gebot nach einem Elektrounfall ist daher stets, den weiteren Stromfluss sicher zu unterbrechen. Das kann je nach Situation durch Ziehen des Netzsteckers, das Betätigen von Sicherung oder Hauptschalter usw. geschehen.

Ist das Unterbrechen des Stroms auf die Schnelle nicht möglich, muss die verunfallte Person von den unter Spannung stehenden Teilen ihrer Umgebung getrennt werden. Dazu sollte man Gegenstände aus isolierenden Materialien verwenden wie etwa eine Holzlatte und selbst einen isolierenden Standort wählen (trockene Holzbohle, Karton, notfalls auch Textilien). Erst wenn das Unfallopfer sicher von der Stromquelle getrennt ist, kann gefahrlos Erste Hilfe geleistet werden.

Abgesehen von Fällen, in denen eine Elektrofachkraft selbst entsprechende Qualifikationen aufweist, etwa als Rettungssanitäter, sollte sie das Vermitteln medizinischer Kenntnisse in geschulte Hände abgeben. Ein Arzt oder ein Ausbilder vom Roten Kreuz oder vergleichbaren Organisationen kann erläutern, zeigen und einüben lassen, wie sachgerecht Erste Hilfe geleistet wird. Wichtige Schritte dabei sind, die Ansprechbarkeit der verletzten Person zu prüfen, die Atmung zu kontrollieren und ggf. Herz-Lungen-Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen.

Achten Sie darauf, dass in der Unterweisung zum elektrischen Strom und zu den Erste-Hilfe-Maßnahmen nach einem Stromunfall auch die Alarmierung, die Rettungskette und das Absetzen eines Notrufs erläutert werden. Jeder Mitarbeiter sollte das 5W-Schema einer Unfallmeldung kennen: WO geschah WAS mit WIE VIELEN Verletzten und WELCHEN Arten der Verletzung, dann WARTEN auf Rückfragen.

Neben Notruf und Erster Hilfe darf nicht vergessen werden, die Unfallstelle abzusichern. Der Vorgesetzte des Unfallopfers sowie die verantwortliche Elektrofachkraft sind umgehend zu informieren.

Hinweis: Auch regelmäßige Sicherheitsunterweisungen zur Ersten Hilfe entbinden den Arbeitgeber nicht von seiner Pflicht, Ersthelfer zu bestellen. Details zu Zahl und Ausbildung der Ersthelfer finden Sie in § 26 der DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“.

Elektrounfall mit Hochspannung: Erst Freischalten, dann Erste Hilfe!

Etwa 90 Prozent der von den Berufsgenossenschaften erfassten Stromunfälle passieren im Niederspannungsbereich. Elektrounfälle mit Hochspannung kommen seltener vor, sind dann aber umso gefährlicher, auch für die Ersthelfer. Hier ist es besonders wichtig, schnellstens einen Notruf abzusetzen. Erst wenn Fachpersonal die Anlage freigeschaltet hat, darf man sich der verletzten Person nähern. Vorher besteht Lebensgefahr, selbst wenn man sich mit isolierenden Hilfsmitteln zu schützen versucht. Bis zur Freischaltung darf das Unfallopfer auf keinen Fall berührt werden. Ein Sicherheitsabstand von 10 bis 20 Metern ist unbedingt einzuhalten.

Achtung: Nach einem Hochspannungsunfall ist eine stationäre Überwachung des Verunfallten unbedingt erforderlich. Denn das Risiko für Spätfolgen ist hier besonders hoch. Der Anteil an Stromunfällen mit Todesfolge liegt im Hochspannungsbereich deutlich höher als bei Niederspannung. Etwa jeder dritte Hochspannungsunfall führt zum Tod.

Jede Körperdurchströmung ernst nehmen!

Wer am Arbeitsplatz eine Körperdurchströmung gespürt hat, sollte auf keinen Fall weiterarbeiten, sondern seinen Vorgesetzten darüber in Kenntnis setzen und einen Arzt aufsuchen. Auch eine vermeintlich harmlose, da nur ganz kurze Durchströmungszeit, der sogenannte „Wischer“, kann gefährlich werden. Die subjektive Einschätzung, es sei ja nichts passiert und man fühle sich gut und unbeschadet, ist trügerisch. Denn um Stromgefahren und Stromwirkungen wahrzunehmen und einzuschätzen, fehlen uns die Sinne. Auch bei Mitarbeitern, die als fit und kräftig gelten, besteht die Gefahr, dass jemand nach einem Stromunfall eine Zeit lang später plötzlich mit Schwindel, Übelkeit oder Herz-Rhythmus-Störungen zusammenbricht. Passiert dies beim Arbeiten auf einer Leiter oder beim Führen eines Fahrzeugs, steigt das Risiko für Folgeunfälle deutlich an.

Solchen Situationen beugen Sie vor, wenn jeder Mitarbeiter grundsätzlich – und unabhängig von seinem individuellen Empfinden – nach einem Stromunfall ärztlich untersucht wird. Nur ein Arzt kann entscheiden, ob eine weitere stationäre Überwachung notwendig ist. Achten Sie darauf, dass der Verunfallte auf keinen Fall selbst zum Arzt fährt. Lassen Sie ihn von einem Rettungswagen abholen oder sorgen Sie für eine zuverlässige Begleitung beim Gang zum Betriebsarzt.

Autor: Dr. Friedhelm Kring

Friedhelm Kring

Dr. Friedhelm Kring - freier Lektor, Redakteur und Fachjournalist mit Schwerpunkt auf Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.

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Kommentare

Von Arno Dombrowski |

Hallo

es erstaunt mich immer wieder auf's neue wie schmunzelnd dieses heikle Thema mit einem Lächeln abgetan wird.
Deshalb finde ich es sehr gut dass dies in letzter Zeit verstärkt thematisiert wird. Außerdem bin ich der Meinung das jede Elektrofachkraft alle 2 Jahre einen EH Lehrgang machen muss mit HLW. Das nenne ich soziales Engagement.

Von Tobias |

Hallo, ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen. Ich finde es enorm wichtig das eine EFK sowohl auch eine EuP einen EH Lehrgang hat (besser noch mit HLW). Leider zeigt sich in der Praxis das es meist nicht so ist und deshalb dränge ich in meiner Firma immer wieder daraufhin, dass sich doch bitte alle Mitarbeiter aus diesem Kreise zu dieser Schulung anmelden. (zumal diese sowieso mind. einmal im Jahr angeboten wird)

Von Michael R. |

Hallo,
endlich mal jemand, der das Thema derart gut, allumfassend und trotzdem kurz und verständlich vorstellt.

Danke.

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