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Prüffristen ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel

(Kommentare: 4)

Die Prüfintervalle richten sich nach der Art des Betriebsmittels und nach seinem Einsatzgebiet.
Die Prüfintervalle richten sich nach Art und Einsatz des Betriebsmittels (Bildquelle: kadmy/iStock/Thinkstock)

Elektrische Anlagen und Betriebsmittel müssen sicher betrieben bzw. benutzt werden können. Die Verantwortung dafür liegt beim Unternehmer. Bei ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmitteln liegen Richtwerte für die Prüffristen vor. Gemäß § 3 der Betriebssicherheitsverordnung muss die Ermittlung der erforderlichen Prüffristen jeweils im konkreten Fall und anhand einer Gefährdungsbeurteilung erfolgen.

Aus der Verantwortung für Sicherheit und Gesundheit seiner Mitarbeiter heraus muss sich der Unternehmer vom Errichter oder Hersteller einer elektrischen Anlage oder eines elektrischen Betriebsmittels bestätigen lassen, dass diese den Unfallverhütungsvorschriften (UVV) entsprechen und gemäß dem „Stand der Technik“ errichtet sind.

Prüffristen für Wiederholungsprüfungen

Um den sicheren Betrieb zu gewährleisten, sind in regelmäßigen Abständen Prüfungen durch eine Elektrofachkraft erforderlich. Die Prüfintervalle für die Wiederholungsprüfungen richten sich nach der Art des Betriebsmittels und nach seinem Einsatzgebiet. So sind vom Konstruktionsprinzip her ähnliche Geräte z.B. auf einer Baustelle ganz anderen Belastungen ausgesetzt als im Büro.

Der Gesetzgeber unterscheidet

  • ortsfeste elektrische Betriebsmittel,
  • ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel,
  • stationäre Anlagen und
  • nicht-stationäre Anlagen.

Die untenstehende Tabelle gibt eine Übersicht über Richtwerte für die Prüffristen von Wiederholungsprüfungen ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel.

Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel

Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel sind solche Betriebsmittel,

  • die während des Betriebs bewegt werden können,
  • die leicht von einem Platz an einen anderen Platz gebracht werden können, während sie an den Versorgungsstromkreis angeschlossen sind,
  • die während des Betriebs üblicherweise in der Hand gehalten werden.

Beispiele für ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel sind: handgeführte Elektrowerkzeuge, Bürogeräte, Laborgeräte, Küchengeräte, Kabeltrommeln, Verlängerungskabel

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Betriebsmittel Prüffrist (Höchstwerte) Einsatzgebiet, Kommentare Prüfer
Ermittlung von Prüffristen für die Wiederholungsprüfungen ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel
dazu zählen folgende ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel (soweit benutzt)

Richtwert allgemein

6 Monate

Bei Prüfungen mit Fehlerquote < 2 % Prüffristverlängerung möglich








Elektrofachkraft oder elektrotechnisch unterwiesene Person

→ unter Verwendung geeigneter Mess- und Prüfgeräte

Geräte und Maschinen

1 Jahr
  • Fertigungsstätten
  • Werkstätten
  • ähnliche Bedingungen
2 Jahre
  • Büros
  • ähnliche Bedingungen
Verlängerungs- und Geräteanschlussleitungen  mit Steckvorrichtungen Baustellen


Anschlussleitungen mit Stecker

bei hoher Beanspruchung:

wöchentlich

z.B. Schleifen von Metallen (Aluminium, Magnesium, gefettete Bleche), Verwendung in Bereichen mit leitfähigen Stäuben

bei hoher Beanspruchung:

3 Monate

z.B. Nassschleifen von nicht leitfähigen Materialien, Kernbohren, Stahlbau, Tunnel- und Stollenbau
bewegliche Leitungen mit Stecker oder Festanschluss

bei normaler Beanspruchung:

6 Monate

z.B. Hochbau, allgemeiner Tiefbau

bei normaler Beanspruchung:

6 Monate

Elektroinstallation, Sanitär- und Heizungsbau, Holzbau

 

Die Tabelle enthält Richtwerte, die als ausreichende Fristen angesehen werden können, solange die Fehlerquote 2 % nicht übersteigt.

Festlegung der Prüffristen

Beachten Sie die beiden folgenden Punkte:

  1. Die angegebenen Prüffristen dienen nur noch als Orientierungshilfe und Handlungsanleitung für die Wiederholungsprüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel. Gemäß § 3 der Betriebssicherheitsverordnung muss die Prüffristenermittlung anhand einer Gefährdungsbeurteilung erfolgen.
  2. Die genannten Prüfintervalle gelten für Geräte, die unter normalen Beanspruchungen zum Einsatz kommen. Bei erhöhter Belastung, etwa durch Temperatur, Staub, Feuchtigkeit oder ähnliche Umgebungseinflüsse, müssen die Fristen zur Prüfung derart belasteter Anlagen und Betriebsmittel verkürzt werden.

Weitere wichtige Rechtsverweise zu diesem Thema finden Sie neben der bereits genannten Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) in folgenden Dokumenten:

  • TRBS 1111: Technische Regeln für Betriebssicherheit – Gefährdungsbeurteilung und sicherheitstechnische Bewertung
  • TRBS 1201: Technische Regeln für Betriebssicherheit – Prüfungen von Arbeitsmitteln und überwachungsbedürftigen Anlagen
  • DGUV Vorschrift 3 (ehemals BGV A3) DA § 5: Elektrische Anlagen und Betriebsmittel
  • DGUV Information 203-006 (ehemals BGI 608): Auswahl und Betrieb elektrischer Anlagen und Betriebsmittel auf Baustellen

Autor: Dr. Friedhelm Kring

Friedhelm Kring

Dr. Friedhelm Kring - freier Lektor, Redakteur und Fachjournalist mit Schwerpunkt auf Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.

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Kommentare

Von Thomas M. |

Der Artikel spiegelt die allgemein übliche Situation wieder. Wie bislang wird alles auf die Gefährdungsbeurteilung abgeschoben. Praktische und realistische Prüffristen gibt es nicht. Wir haben ca.10.000 ortsveränderliche, die Ausfallquote liegt bei <0,3%...und trotzdem wird behauptet, dass Prüffristen von 4 Jahren z.B. für Büro´s nicht zulässig sind. Es wäre schön, wenn es hier endlich mal Klarheit geben würde und Beispiele für eine vernünftige Gefährdungsbeurteilung verfügbar wären.

Von Jürgen Mähnß |

Die hier dargestellte Zusammenfassung passt sehr gut! Allerdings ist wie in fast jeder Darstellung zum Thema die Gefährdungsbeurteilung das Mittel zur Feststellung von Prüffristen. Bei der Gefährdungsbeurteilung wird die Gefährdung eines Menschen durch seine Umgebung erfasst. Diese kann gering oder hoch sein, sagt aber nichts über den sicheren Zustand von Betriebsmitteln aus, so lange diese in Ordnung sind. Bei der Prüfung der Betriebsmittel soll aber festgestellt werden, ob der Zustand noch OK ist, um eine Gefährdung auszuschließen. Wie oft das passieren muss, richtet sich nach der Belastung des Betriebsmittels und nicht nach der Gefährdung der
Personen. Das war in der alten BGV A3 sehr gut gemacht und dort gab es ja auch die im Text aufgeführten Prüffristen, die sich an der Belastung orientierten (Baustelle>Schwimmbad>Küche>Büro). Ich wäre sehr dankbar, wenn hier ein Umdenken einzöge und die unsägliche Gefährdungsbeurteilung aus diesem Thema endlich verschwände.
In meinem Betrieb prüfen wir pro Abteilung in der Größenordnung 1000 Betriebsmittel. Den größten Anteil daran haben Kaltgerätekabel, die gleichzeitig die höchste Ausfallrate aufweisen. Die Ausfallrate über alle Betriebsmittel liegt wegen der geringen Belastung (beinahe ortsfeste Geräte) bei deutlich unter 1 Promille, was dazu geführt hat, dass wir in Büros nur noch alle 4 Jahre und in anderen Arbeitsstätten inkl. Küchen nur noch alle 2 Jahre prüfen. Meine Prüferfahrung basiert auf mehr als 10 Jahren Prüfungen.

Von Dennis |

Ich bin etwas enttäuscht. Die Überschrift hat mir den Anreiz gegeben den Artikel zu lesen, aber was hier steht ist nichts neues und habe ich schon mehrere Male lesen müssen, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt. Wie sieht denn so eine Gefährdungsbeurteilung aus? Gibt es hier mal ein handfestes Werkzeug oder bleibt es weiterhin bei „Der Prüfer muss abschätzen in welchem Zeitraum unter den gegebenen Bedingungen kein gefährlicher Defekt auftreten kann...“ das ist unbefriedigend.
PS: Das Bild der ortsfesten Anlagenprüfung passt hier auch nicht so ganz...

Antwort von Christina Wernicke

Vielen Dank für Ihr Feedback. Es tut mir leid, dass Sie enttäuscht von dem Beitrag sind und keine neuen Erkenntnisse gewinnen konnten. Aber wenn Sie sich mit der Thematik bereits umfassend auseinandergesetzt haben, auch verständlich. Neuerungen gibt es dazu derzeit nicht.

Gefährdungsbeurteilungen bieten wir zum Download an. Dabei handelt es sich jedoch um allgemein gehaltene Mustervorlagen, die Sie entsprechend anpassen müssen.

Aber vielleicht ist das dennoch etwas für Sie: https://www.elektrofachkraft.de/checklisten-abo

Ja, das Bild ist vermutlich nicht optimal gewählt...

Von stefan.p |

Guten Tag. Eines meiner beruflichen Tätigkeiten umfasst auch DGUV-Prüfungen von ortsveränderlichen Betriebsmittel. Ich arbeite in einem größeren industriellem Unternehmen. Unsere Instandhaltung ist für mehrere Kostenstellen zuständig. Um die Menge an zu prüfenden Geräten überschaubar zu gestallten, haben wir einen Plan erstellt, in welchem Monat, welche Abteilung mit den Prüfungen dran ist. Es kommt aber immer wieder vor, dass Abteilungen diese Zeiten nicht einhalten und ihre Geräte sehr viel später zur Prüfung abgeben. Es ist schon vorgekommen, dass eine Prüfung beispielsweise im August auf dem Kalender stand, und das Jahr darauf im Juli abgeben wurden. Somit verblieben noch 2 Monate für das aktuelle Jahr bis nach Kalender die Abteilung regulär dran wäre. Meine Frage ist, ob man die Prüffrist auch verlängern kann. In diesem Fall auf 1 Jahr und zwei Monate um zu vermeiden dass die zu Prüfenden Geräte in zwei Monaten wieder auf dem Prüftisch landen. Laut Gefährdungsbeurteilung spricht nichts dagegen.

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