Stich- und Schnittverletzungen im Elektrohandwerk

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Handverletzungen stehen an der Spitze der Arbeitsunfälle
Handverletzungen stehen an der Spitze der Arbeitsunfälle. (Bildquelle: tommaso79/iStock/Thinkstock)

Beim Thema Unfallgefahr für Elektroberufe denkt jeder sofort an Stromunfälle oder Störlichtbögen. Diese Gefahren sind zweifellos vorhanden und müssen minimiert werden, z.B. durch sichere Verhaltensweisen gemäß der 5 Sicherheitsregeln. Doch wer sich allein auf Elektrounfälle fokussiert, übersieht leicht, dass bei Elektroarbeiten weitere Verletzungsrisiken lauern. Am häufigsten betroffen sind die Hände.

Mehr als jede dritte Verletzung im Beruf betrifft die Hände

Die Hände sind das am häufigsten verletzte Körperteil. Handverletzungen führen die Statistiken der Unfallversicherungsträger an, bei knapp einem Drittel der meldepflichtigen Arbeitsunfälle werden die Hände verletzt (DGUV Arbeitsunfallgeschehen 2022).

Handverletzungen führen oft zu Einschränkungen in Beruf und Privatleben. Eine funktionsfähige Hand ist elementar für unseren Alltag. Dieses Wunderwerk aus Dutzenden von Muskeln, Sehnen und Knochen ist unser wichtigstes Arbeitswerkzeug mit unglaublich vielen Einsatzmöglichkeiten. Wir bedienen damit Skalpelle und Schmiedehämmer, Bleistifte und Lenkräder. Wir zupfen Saiten, führen Pinsel und streicheln Haut. Mit den Händen begreifen und gestalten wir unsere Welt.

Schutz vor Handverletzungen

Die größte Gefahr für Finger und Hände bei Elektroarbeiten droht durch mechanische Risiken. Je nach Arbeitsplatz und Arbeitsumgebung müssen Sie in Ihrer Gefährdungsbeurteilung jedoch auch weitere Risiken berücksichtigen, etwa durch heiße Oberflächen, Kontakt mit Chemikalien (Gefahrstoffe) oder mit infektionsgefährlichen Substanzen (Biostoffe) usw.

TOP-Reihenfolge gilt auch für Schutz vor Handverletzungen

Wie für andere Gefährdungen im Arbeitsschutz gilt auch für mechanische Risiken die TOP-Reihenfolge bei den Schutzmaßnahmen. Das bedeutet: Bevor Sie pauschal Schutzhandschuhe an Ihre Mitarbeiter verteilen (personenbezogene Maßnahme), sollten Sie geprüft haben, ob Sie die Verletzungsgefahr durch technische Lösungen oder organisatorische Schritte vermindern können.

Zu den technischen Maßnahmen gehört z.B., dass der Arbeitsplatz gut ausgeleuchtet ist oder dass sämtliche Schutzeinrichtungen an Maschinen vorhanden sind und funktionieren. Dazu wie auch zum Verwenden von Hilfsmitteln, etwa dem Schiebeholz bei einer Kreissäge zum Schutz der Hände, müssen die Mitarbeiter unterwiesen werden. Diese Verhaltensregeln, die auch in Betriebsanweisungen festgelegt werden, zählen zu den organisatorischen Maßnahmen, ebenso Tragegebote für Handschutz.

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Prävention von Verletzungen durch geeignetes Werkzeug

Die meisten Handverletzungen passieren mit manuellen Werkzeugen wie Hämmern, Messern, Schraubendrehern usw.

Eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen besteht daher darin, dass Sie stets für die Arbeit geeignete Werkzeuge bereitstellen und Ihre Mitarbeiter zu Auswahl und Handhabung der Werkzeuge unterweisen. Wer bei Installationsarbeiten einen Cutter benutzt, weil gerade kein geeignetes Abisolierwerkzeug zur Hand ist, kann sich schmerzhaft verletzen. Werden dabei Nerven oder Sehnen verletzt, ist es mit einem Pflaster nicht getan und der Mitarbeiter fällt vielleicht für einige Zeit ganz aus.

Vermeiden Sie Handverletzungen, indem Sie stets das am besten für die jeweilige Arbeit geeignete Werkzeug verwenden. Im Idealfall verfügt dieses Werkzeug über Schutzmechanismen wie beispielsweise die Klingenschutzkappe eines Messers.

Nur der richtige Schutzhandschuh bietet Schutz

Wo Verletzungsgefahren drohen, die nicht technisch oder organisatorisch in den Griff zu kriegen sind, werden Schutzhandschuhe unverzichtbar. Handschuhe schützen am Arbeitsplatz nicht nur vor Schnitten und Stichen, sondern auch vor Schmutz, Kälte, Hitze, Feuchtigkeit, Chemikalien, Infektionen, Vibrationen oder weiteren Gefährdungen.

Schutzhandschuhe zum Schutz vor mechanischen Verletzungen bieten einen Schnittschutz und/oder Stechschutz. Schnittschutzhandschuhe gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Materialien, von Leder bis Kunstfasern, wasserdicht oder atmungsaktiv, mit glatter oder rauer Oberfläche. Stechschutzhandschuhe bestehen meist aus einem Geflecht kleiner Metallringe. Daneben gibt es Handschuhtypen zum Schutz vor Kälte oder Hitze, Chemikalienschutzhandschuhe, medizinische Untersuchungshandschuhe und viele andere Spezialmodelle.

Wann müssen Handschuhe getragen werden?

Konkrete Tragepflichten für bestimmte Handschuhe sind im technischen und im berufsgenossenschaftlichen Regelwerk eher selten. Wann und wo bei welcher Tätigkeit ein Schutzhandschuh getragen werden soll, legen Sie anhand Ihrer Gefährdungsbeurteilung fest, am besten in Absprache mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Kriterien zur Handschuhwahl sind zum Beispiel:

  • Welche Art von Schutz ist wichtig? Vor Stichen durch spitze Gegenstände, vor Schnitten durch Messer, vor scharfen Kanten oder Graten von Metallteilen, vor Abschürfungen an rauen Materialien, vor Stößen bei Montagearbeiten?
  • Wie wichtig sind die Beweglichkeit des Daumens und der Finger?
  • Spielt das Tastgefühl der Finger für die Tätigkeit eine Rolle?
  • Benötigt der Mitarbeiter für seine Arbeit einen besonders guten Grip, z.B. durch Noppen?

Bei einigen Handschuhmaterialien kann es zu allergischen Hautreaktionen kommen. In diesem Fall müssen Sie auf ein anderes Modell und Material ausweichen, das jedoch das gleiche Schutzniveau bieten sollte.

Downloadtipps der Redaktion

E-Book: „Antworten auf häufig gestellte Fragen“

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Gefährdungsbeurteilung: „Gefährdungsermittlung allgemein“

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Betriebsanweisung „Elektrische Handwerkzeuge“

Hier gelangen Sie zum Download.

e+-Artikel: „DIN VDE 1000-10: Anforderungen an die in der Elektrotechnik tätigen Personen"

Hier gelangen Sie zum Download.

Verwendung von Schutzhandschuhen: Das müssen Sie beachten

Damit sich Ihre Mitarbeiter mit Schutzhandschuhen ausreichend schützen können, müssen Sie einige Aspekte beachten.

Tragepflichten müssen eindeutig sein

Jeder Mitarbeiter muss wissen, für welche Arbeiten er welchen Schutzhandschuh überziehen muss. Dies vermitteln Sie durch das Kennzeichnen von Arbeitsbereichen mit Tragegeboten (s. Abbildung), das Unterweisen und ausgehängte Betriebsanweisungen.

Tipp: Testen Sie vor dem Kauf neuer Handschuh-Chargen verschiedene Modelle und Hersteller, am besten mit der eigenen Belegschaft. Wenn Sie Ihre Mitarbeiter bei der Handschuhwahl einbinden, kann das die spätere Trageakzeptanz deutlich fördern.

Gebotszeichen „Handschutz benutzen“
Gebotszeichen „Handschutz benutzen“ (Bildquelle: Symbolekatalog, WEKA MEDIA)

Schutzhandschuhe müssen sitzen

Genau wie ein Schuh in der falschen Größe zu Druckstellen, Blasen, Abschürfungen und anderen Wunden am Fuß führt, kann auch der falsch gewählte Handschuh unangenehme Folgen haben. Wo Handschuhe nicht in den geeigneten Größen und Passformen vorliegen, müssen sich die Sicherheitsverantwortlichen nicht wundern, dass der Handschutz von den Mitarbeitern nur ungern getragen wird.

Kennzeichnung von Schutzhandschuhen

Die Prüfkriterien für Handschuhe mit mechanischen Schutz sind in der DIN EN 388 festgelegt. Die aktuelle Version dieser Prüfnorm gilt seit 2019.

Wie gewohnt besteht die Kennzeichnung aus dem Hammer-Piktogramm, nun gefolgt von einer 6-stelligen Folge von Ziffern und Buchstaben. So entschlüsseln Sie die Kennzeichnung:

  • An erster bis vierter Stelle stehen Ziffern von 1 bis 4 oder 5, die das Schutzniveau in den Kategorien Abrieb, Schnittfestigkeit, Weiterreißen und Durchstichfestigkeit angeben. Je höher die Ziffer, desto besser der Schutz.
  • An fünfter Stelle kommt ein Buchstabe A bis F, der für eine zusätzliche Schnitthemmung steht. Der Buchstabe zeigt das Ergebnis der Prüfung nach EN ISO 13997. Je weiter im Alphabet, desto besser.
  • An Stelle 6 kann ein P stehen, wenn der Handschuh Schutz vor schlagenden Bewegungen bietet, etwa durch eine Aufpralldämpfung gegen Stöße bei Montagearbeiten.
Kennzeichnung von Schutzhandschuhen
Kennzeichnung von Schutzhandschuhen (Bildquelle: Symbolekatalog, WEKA MEDIA)

Unterschätzen Sie niemals die Risiken für Stich- und Schnittverletzungen!

Auch in Elektroberufen sollten die Sicherheits- und Personalverantwortlichen niemals die Risiken für Stich- und Schnittverletzungen unterschätzen. Unfälle passieren häufig und die Folgen können schmerzhaft und langwierig sein. Wo technische und organisatorische Maßnahmen nicht greifen, bietet der PSA-Markt eine breite Auswahl an Schutzhandschuhen gegen mechanische Verletzungen. Um schützen zu können, müssen die Handschuhe allerdings auch tatsächlich getragen werden, das beginnt mit einem guten Vorbild der Vorgesetzten.

  • Autor:

    Dr. Friedhelm Kring

    freier Lektor und Redakteur

    Kring, Friedhelm

    Dr. Friedhelm Kring ist freier Lektor, Redakteur und Fachjournalist mit den Schwerpunkten Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.

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