DIN VDE 0100-420: Erläuterungen und Anwendungshinweise

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Schutz vor thermischen Auswirkungen in der DIN VDE 0100-420 und der Einsatz von AFDDs
Beiblatt 1 der DIN EN 62606 gibt Anwendungshinweise zum Einsatz von Brandschutzschaltern (Bildquelle: fovito/stock.adobe.com)

Wie wirkt sich die neue Fassung der DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420):2019-10 auf die Praxis aus? Kompetente Antworten gibt es jetzt von Experten der DKE auf häufig gestellte Fragen zur Anwendung und Umsetzung, insbesondere zum Unterkapitel 412.7 und zum Thema "Fehlerlichtbogen". Außerdem gibt es wertvolle Hinweise zum Einsatz von AFDDs im DIN EN 62606 Beiblatt 1. Erfahren Sie mehr in diesem Beitrag.

Erläuterungen der DKE

In ihren Erläuterungen zur DIN VDE 0100-420 vom 03.02.2020 beantwortet die Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE (DKE) zunächst die grundsätzliche Frage, ob VDE-Vorschriften verbindlich einzuhalten sind. Dazu wird ausgeführt, dass die Anwendung von DIN-Normen und VDE-Bestimmungen in Deutschland grundsätzlich auf freiwilliger Basis erfolgt. Da sie keinen Gesetzesstatus haben, gelten sie eigentlich als privates Regelwerk.

Nur wenn ein Gesetz, eine Verordnung oder ein Vertrag explizit die Anwendung einer Norm voraussetzt, muss diese zwingend umgesetzt werden. In Verordnungen und Gesetzen wird zumeist sachbezogen vorgeschrieben, dass die anerkannten Regeln der Technik eingehalten werden.

Laut der DIN EN 45020:2007-03 „Normung und damit zusammenhängende Tätigkeiten – Allgemeine Begriffe“ wird eine anerkannte Regel der Technik als technische Festlegung bezeichnet, die von einer Mehrheit repräsentativer Fachleute als Wiedergabe des Stands der Technik angesehen wird. Die Einhaltung einer Norm löst üblicherweise die Vermutungswirkung aus, den allgemeinen Stand der Technik erfüllt zu haben.

Tipp: DIN-Normen umsetzen wegen Haftung

Elektrofachkräfte (EFK) sind auf der sicheren Seite, wenn sie bei ihrer Arbeit DIN-Normen umsetzen. Denn vor allem in Haftungsprozessen beurteilen die Gerichte häufig anhand von DIN-Normen und technischen Regeln, ob die Elektrofachkraft die allgemein anerkannten Regeln der Technik beachtet hat und somit ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen ist.

 

Risiko- und Sicherheitsbewertung i.S.d. Abschnitts 421.7

Laut dem Abschnitt 421.7 der DIN VDE 0100-420 in der aktuellen Fassung muss in den nachstehend aufgeführten Räumen eine Risiko- und Sicherheitsbewertung zur Erkennung von besonderen Risiken durch Auswirkungen von Fehlerlichtbögen in Endstromkreisen durchgeführt werden:

  1. Räumlichkeiten mit Schlafgelegenheiten
  2. Räume oder Orte mit besonderem Brandrisiko – feuergefährdete Betriebsstätten
  3. Räume oder Orte aus Bauteilen mit brennbaren Baustoffen, wenn diese einen geringeren Feuerwiderstand als feuerhemmend aufweisen
  4. Räume oder Orte mit Gefährdungen für unersetzbare Güter

So können Sie vorgehen

Zunächst gilt es zu prüfen, ob ein unter 1. bis 4. beschriebener Raum bzw. Ort vorhanden ist. Sollte das der Fall sein, ist in einem zweiten Schritt im Rahmen einer Risiko- und Sicherheitsbewertung zu ermitteln, ob ein besonderes Risiko für diesen Raum bzw. Ort besteht. Die Risiko- und Sicherheitsbewertung ist im Zusammenhang mit den üblichen Vorgehensweisen bei der Planung, Errichtung und Prüfung von elektrischen Niederspannungsanlagen gemäß der Normenreihe DIN VDE 0100 zu sehen, um Personen, Nutztieren und Sachwerten Sicherheit vor Gefahr und Beschädigung zu bieten, die durch den angemessenen Gebrauch elektrischer Anlagen entstehen können.

In der betrieblichen Praxis werden elektrische Anlagen hinsichtlich ihrer Risiken erfahrungsgemäß in Abhängigkeit von Art und Umgebung bewertet. Dabei handelt es sich um die originäre Aufgabe des Planers bzw. Errichters der elektrischen Anlage unter Zugrundelegung der einschlägigen Teile der Normenreihe DIN VDE 0100. Das Ergreifen notwendiger und zielführender Maßnahmen für die unterschiedlichen Risiken erfordert eine durchgeführte Bewertung.

Risiko- und Sicherheitsbewertung am Maßstab des Stands der Technik

Der Planer bzw. Errichter der elektrischen Anlage muss anhand der anerkannten Regeln der Technik und objektiver Kriterien sowie auf der Basis der erforderlichen Sachkunde und des mehrjährigen Erfahrungswissens die Risiko- und Sicherheitsbewertung vornehmen. Darüber hinaus muss er die Vorgaben des Anlagenbetreibers beachten.

Der Planer bzw. Errichter der elektrischen Anlage führt die Risiko- und Sicherheitsbewertung ggf. in Zusammenarbeit mit weiteren Fachexperten gemäß Abschnitt 421.7 projektspezifisch und auf der Basis eines gebäude- und nutzungsbezogenen Schutzkonzepts entsprechend den Anforderungen der Normenreihe DIN VDE 0100 durch.

Sachkunde und Erfahrungswissen benötigt

Wer die unterschiedlichen Verfahren zur Risiko- und Sicherheitsbewertung anwenden und auf der Grundlage der dadurch gewonnenen Ergebnisse Entscheidungen treffen will, benötigt meines Erachtens vertiefte Sachkunde und ein entsprechendes Erfahrungswissen.

Tipp: So schulen Sie Ihre Mitarbeiter in dieser wichtigen Norm

Mit dem neuen E-Learning Kurs "DIN VDE 0100-420:2019-10 Schutzmaßnahmen – Schutz gegen thermische Auswirkungen" schulen Sie Ihre Mitarbeiter in dieser Norm, inkl. der Neuerungen vom Oktober 2019. Die Mitarbeiter lernen, AFDDs richtig einzusetzen und Schutzmaßnahmen sicher anzuwenden. Mit Übungen und einer Verständniskontrolle trainieren sie das Gelernte und erhalten anschließend eine Teilnahmebestätigung. So kommen Sie gleichzeitig Ihrer Unterweisungspflicht nach. Informieren Sie sich gleich hier über den neuen Kurs.

Passend dazu gibt es jetzt das Fachbuch zur DIN VDE 0100-420:2019-10. Es enthält alle Informationen zu den Anforderungen der Norm und zu den Erläuterungen der DKE, außerdem Anwendungshinweise zum praktischen Einsatz von AFDDs. Hier erhalten Sie weitere Informationen zum neuen Fachbuch.

 

Anwendungshinweise zum Einsatz von AFDDs

Im Juni 2020 wurde das Beiblatt 1 der DIN EN 62606 (VDE 0665-10 Beiblatt 1) veröffentlicht. Darin finden sich Anwendungshinweise zum Einsatz von Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (AFDDs), besser bekannt als Brandschutzschalter, die in der DIN EN 62606 (VDE 0665-10):2014-08 „Allgemeine Anforderungen an Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen“ näher geregelt sind.

Der vorbeugende Brandschutz durch den Einsatz von AFDDs trägt dazu bei, die Gefahr durch elektrisch gezündete Brände zu senken, indem Defekte in der Elektroinstallation schneller erkannt und die fehlerbehafteten Stromkreise getrennt werden. Das Beiblatt 1 ergänzt die DIN EN 62606 (VDE 0665-10):2014-08. Es dient als technische Grundlage für Normen zum Schutz gegen Feuer mittels Fehlerlichtbogen- Schutzeinrichtungen.

Dieses Beiblatt 1 verschafft den Anwendern zusätzliche Informationen zur Wirkungsweise und zum Einsatz von Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (AFDDs). Damit ist es von praktischer Relevanz beispielsweise für Elektrofachkräfte, Elektroplaner und Elektroinstallateure.

Mehr über das Beiblatt 1 erfahren Sie unserem Beitrag Wichtige Anwendungshinweise zum Einsatz von AFDDs: Das steht in DIN EN 62606 Beiblatt 1.

  • Autor:

    Lic. jur./Wiss. Dok. Ernst Schneider

    Inhaber eines Fachredaktionsbüros

    Ernst Schneider

    Ernst Schneider ist Mitglied in der Sektorgruppe Elektrotechnik (ANP-SGE) und in der Themengruppe Produktkonformität (ANP-TGP) des Ausschusses Normenpraxis im DIN e.V.

    Er veröffentlichte bereits eine Vielzahl von Büchern, Fachzeitschriften und elektronischen Informationsdiensten. Seit 2004 ist er außerdem Unternehmensberater für technologieorientierte Unternehmen.

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