VDE-AR-E 2510-2: Alles Wichtige über Energiespeichersysteme

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Stationäre elektrische Energiespeichersysteme halten verstärkt Einzug in den privaten Bereich.
Stationäre elektrische Energiespeichersysteme halten verstärkt Einzug in den privaten Bereich. (Bildquelle: Petmal/iStock/Getty Images Plus)

Stationäre elektrische Energiespeichersysteme halten verstärkt Einzug in den privaten Bereich. Diese Entwicklung liegt vor allem darin begründet, dass sich mit Batteriespeichersystemen ausgestattete Photovoltaikanlagen großer Beliebtheit erfreuen. Vor diesem Hintergrund und wegen des Fehlens entsprechender verbindlicher Regeln veröffentlichte die DKE im September 2015 die Anwendungsregel VDE-AR-E 2510-2:2015-09 „Stationäre elektrische Energiespeichersysteme vorgesehen zum Anschluss an das Niederspannungsnetz“, um die vorhandene Regelungslücke zu füllen. Nach einer knapp fünfeinhalb Jahre währenden Geltungsdauer wurde die Erstfassung Anfang Februar 2021 von der überarbeiteten Version VDE-AR-E 2510-2:2021-02 ersetzt. Erfahren Sie, was sich inhaltlich geändert hat und was Sie als Elektrofachkraft (EFK) über diese sehr praxisrelevante Anwendungsregel wissen sollten.

Das steht drin: Sicherheitsanforderungen und Netzanschlussbedingungen für Batteriespeichersysteme

Die VDE-AR-E 2510-2:2021-02 gilt für

  • die Planung,
  • die Errichtung,
  • den Transport,
  • den Betrieb,
  • die Demontage sowie
  • die Entsorgung

ortsfester Energiespeichersysteme mit Anschluss an das Niederspannungsnetz. Sie beschreibt die hierfür notwendigen Sicherheitsanforderungen und die für Installationsbetriebe zu beachtenden Netzanschlussbedingungen. Sie berücksichtigt verschiedene Gefährdungen, die durch unterschiedliche Betriebsarten im Netzparallel- oder Inselnetzbetrieb sowie bei der Umschaltung zwischen diesen Betriebsarten entstehen können.

Hinweis

Die in der hier beschriebenen VDE-Anwendungsregel genannten Voraussetzungen ergänzen die allgemeinen Anforderungen der Teile 100 bis 600 der Normenreihe DIN VDE 0100.

Das hat sich geändert: Die Neuerungen im Überblick

Gegenüber der Vorgängerversion weist die aktualisierte Fassung folgende Änderungen auf:

  • Aufnahme von Verweisen auf VDE-AR-N 4100 und VDE-AR N 4105
  • Überarbeitung der Transport- und Aufstellungsbedingungen
  • geänderte Anforderungen an Inbetriebnahmemessungen
  • Überarbeitung der Systembilder in Anhang B
  • Aufnahme von Hinweisschildern für Speicher in Anhang C

Übergangsfrist endet am 31.07.2021

Die neue VDE-AR-E 2510-2:2021-02 ersetzt die alte Fassung VDE-AR-E 2510-2:2015-09. Der Anwendungsbeginn für die neue Version der Norm datiert auf den 01.02.2021. Für die Vorgängernorm besteht eine Übergangsfrist bis zum 31.07.2021. Zuständig für die Norm ist das nationale Arbeitsgremium UK 221.5 „Zukunftsfähige Elektroinstallationen“ der DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE (www.dke.de).

Umsetzung der VDE-Anwendungsregeln impliziert Regeltreue

VDE-Anwendungsregeln sind Handlungsempfehlungen, die den Stand der Technik und ein Mindestniveau an Sicherheit definieren. Die Umsetzung von Anwendungsregeln erfolgt freiwillig, weil sie im Vergleich zu Gesetzen keine rechtliche Bindungswirkung entfalten. Bindend sind sie nur dann, wenn in Verträgen zwischen Parteien auf Anwendungsregeln Bezug genommen wird oder der Gesetzgeber ihre Einhaltung zwingend vorschreibt.

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Tipp

Auch wenn VDE-Anwendungsregeln von den Vertragsparteien nicht zum Inhalt des zugrunde liegenden Vertrags gemacht werden, dienen sie im Streitfall als Entscheidungshilfe. Denn wenn eine Partei nachweisen kann, dass sie die Bestimmungen der Anwendungsregel beachtet und umgesetzt hat, wird – im Streitfall – zu ihren Gunsten vermutet, dass sie die allgemein anerkannten Regeln der Technik eingehalten hat.

Vorteil für VDE-AR-Anwender: Vermutungsregel zieht Beweislastumkehr nach sich

Im Schadensfall spielt dieser Aspekt bei der Überprüfung der Frage der Fahrlässigkeit eine maßgebliche Rolle. Denn die Vermutungsregel sorgt für eine sogenannte Beweislastumkehr. Dies bedeutet, dass dem Handelnden, der die Anwendungsregel umgesetzt hat, vom Vertragspartner ein schuldhaftes (fahrlässiges) Verhalten nachgewiesen werden muss. Hat der Handelnde die Anwendungsregeln hingegen nicht eingehalten, muss er selbst den Nachweis erbringen, dass er sich korrekt verhalten hat. Mit anderen Worten verschafft die Umsetzung von VDE-Anwendungsregeln ein gewisses Maß an Rechtssicherheit.

Anwendungsbereich

Die diesem Beitrag zugrunde liegende VDE-Anwendungsregel VDE-AR-E 2510-2:2021-02 enthält und beschreibt Sicherheitsanforderungen für die Planung, den Transport, die Errichtung, den Betrieb, die Demontage und die Entsorgung stationärer elektrischer Energiespeichersysteme, die in die ortsfeste elektrische Anlage eines Niederspannungsnetzes einspeisen. Sie betrachtet komplette Energiespeichersysteme eines Herstellers sowie Systeme aus Einzelkomponenten verschiedener Hersteller, sofern diese gegenseitig freigegeben und geprüft sind.

Fügt der Errichter einzelne Komponenten zu einem Energiespeichersystem zusammen, so wird er dadurch zum Hersteller des Energiespeichersystems unter Beachtung der Richtlinienkonformität der Europäischen Union und der relevanten Produktnormen.

Das gilt für den Transport von Batterien

Generell unterliegt der Transport von Batterien den gesetzlichen Vorschriften. Dies gilt auch für den Fall, dass die zu transportierenden Batterien entsorgt oder recycelt werden. In der Regel stellt der Hersteller die zu diesem Zweck erforderlichen Informationen zur Verfügung, beispielsweise:

  • Bedingungen
  • Klassifizierungen und
  • Verpackungsinformationen

Zur Beförderung auf der Straße müssen Sondervorschriften und das aktuelle Gefahrgutrecht in seiner jeweiligen gültigen Fassung beachtet werden, insbesondere das ADR (Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße), dessen Bestimmungen aufgrund der GGVSEB (Verordnung über die innerstaatliche und grenzüberschreitende Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße, mit Eisenbahnen und auf Binnengewässern) nicht nur für grenzüberschreitende Transporte, sondern auch für innerstaatliche Transporte in Deutschland Gültigkeit besitzen.

Voraussetzungen für den sicheren Einsatz und Betrieb stationärer Energiespeichersysteme

Das elektrische Energiespeichersystem wird gemäß dem beim Netzbetreiber verwendeten Verfahren angemeldet, unter Beachtung der nachstehend aufgeführten Bestimmungen:

  • TAB (Technische Anschlussbedingungen) des Netzbetreibers
  • VDE-AR-N 4100 Anwendungsregel:2019-04 „Technische Regeln für den Anschluss von Kundenanlagen an das Niederspannungsnetz und deren Betrieb (TAR Niederspannung)“
  • VDE-AR-N 4105 Anwendungsregel:2018-11 „Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz – Technische Mindestanforderungen für Anschluss und Parallelbetrieb von Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz“

Hinweis

Im Zuge der Errichtung elektrischer Energiespeichersysteme müssen die Herstellerangaben sowie die Anforderungen an die Aufstellung im zutreffenden Anwendungsfall beachtet werden (beispielsweise Arbeitsstättenrichtlinie, Betriebssicherheitsverordnung, Landesbauordnung). Hinweise auf anwendbare Normen für die Auswahl von Komponenten eines Energiespeichersystems finden sich in der Tabelle Normenzuordnung zu den Betriebsmitteln.

Elektrische Installation

Bei der Auswahl, Errichtung und Prüfung von stationären elektrischen Energiespeichersystemen müssen die in den relevanten Teilen der Normen der Reihe DIN VDE 0100 „Errichten von Niederspannungsanlagen“ genannten Anforderungen erfüllt werden.

Das gesamte Kapitel 6 dieser Anwendungsregel ist wie ein Teil DIN VDE 0100-7XX der Normen der Reihe DIN VDE 0100 anzuwenden. Dies bedeutet im Klartext, dass die im sechsten Kapitel genannten Voraussetzungen bestimmte Anforderungen der allgemeinen Teile 100 bis 600 der Normen der Reihe DIN VDE 0100 zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Teils ergänzen, ändern oder ersetzen.

Dokumentation

Warn- und Hinweisschilder sind unverzichtbar!

Der Raum, Schrank oder Behälter, in dem sich der Speicher (Batteriesystem) befindet, muss mit den nachstehend aufgeführten (außerhalb angebrachten) Warn- und Hinweisschildern gekennzeichnet werden:

  • Warnhinweise nach Herstellerangaben (beispielsweise Temperaturen > 60 °C, gefährliche Spannung für den Bediener bei Wartungsarbeiten etc.)
  • Verbotsschild „Feuer, offene Flammen und Rauchen verboten“ (sofern sich die Batterie nicht in einem Schrank oder Behälter befindet)
  • Warnschild „Akkumulator, Batterieraum“ als Hinweis auf ätzende Elektrolyte, explosive Gase, gefährliche Spannungen und Ströme (sofern sich die Batterie nicht in einem Schrank oder Behälter befindet)

Zur dauerhaften Kennzeichnung von Lüftungsschlitzen muss ein Hinweisschild gemäß Herstellerangaben angebracht werden. Der Betreiber muss explizit darauf hingewiesen werden, dass Lüftungsschlitze nicht zugestellt werden und die Luftzufuhr auch anderweitig nicht beeinträchtigt werden darf. Der Errichter ist verpflichtet, den Betreiber über die vom Hersteller vorgegebenen frei zu haltenden Bereiche um das Speichersystem aufzuklären.

Elektrofachkraft benötigt Systemdokumentation

Inselnetzbildende Systeme erfordern das Bereitstellen einer Systemdokumentation, die Informationen darüber enthält, ob – und ggf. wie – das inselnetzbildende System – ohne Schäden und Risiken – abgeschaltet werden kann.

Wichtige Informationen zur Inbetriebnahme und Funktionskontrolle

Im Zuge der Inbetriebnahme des Speichers müssen die jeweiligen Anforderungen des Herstellers Berücksichtigung finden:

  • Die Lieferung der Batterien kann in verschiedenen Ausgangszuständen erfolgen. So können Bleibatterien ungefüllt und trocken geladen sein, mit der Folge, dass noch eine Befüllung mit Elektrolyt nach Herstellerangabe erforderlich ist. Bei anderen Batterien (vor allem bei Lithiumbatterien) muss der Ladezustand nach Herstellerangaben beachtet werden.
  • Bei sogenannten tiefentladenen Lithiumbatterien muss aus Sicherheitsgründen Rücksprache mit dem Hersteller oder Inverkehrbringer gehalten werden.
  • Kontrolle der Netzwerkeinstellungen und Datenverbindungen:
  • Funktionsprüfung des Energieflussrichtungssensors (EnFluRi-Sensor)
  • Funktionsprüfung des zugehörigen Energiemanagements
  • Autor:

    Lic. jur./Wiss. Dok. Ernst Schneider

    Inhaber eines Fachredaktionsbüros

    Ernst Schneider

    Ernst Schneider ist Mitglied in der Sektorgruppe Elektrotechnik (ANP-SGE) und in der Themengruppe Produktkonformität (ANP-TGP) des Ausschusses Normenpraxis im DIN e.V.

    Er veröffentlichte bereits eine Vielzahl von Büchern, Fachzeitschriften und elektronischen Informationsdiensten. Seit 2004 ist er außerdem Unternehmensberater für technologieorientierte Unternehmen.

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