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Der Unternehmer und seine verantwortliche Elektrofachkraft

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Die verantwortliche Elektrofachkraft trifft auch unternehmerische Entscheidungen.
Die verantwortliche Elektrofachkraft trifft auch unternehmerische Entscheidungen. (Bildquelle: milla1974/iStock/Getty Images)

Der Unternehmer hat eine funktionierende betriebliche Organisation zu schaffen und aufrechtzuerhalten, so dass die Sicherheit der Mitarbeiter immer gewährleistet ist. Dabei hat er die Möglichkeit, Führungskräfte wie z.B. eine verantwortliche Elektrofachkraft in die Gesamtverantwortung mit einzubinden.

Die verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK)

Die verantwortliche Elektrofachkraft

  • muss Meister, Techniker oder Ingenieur im Bereich der Elektrotechnik sein. Ein zeitnaher Einsatz in diesem Bereich ebenso die Kenntnisse der aktuellen Normen und Vorschriften sind unabdingbare Voraussetzungen für die Übernahme der Aufgaben als verantwortliche Elektrofachkraft in einem Unternehmen.
  • trägt die Verantwortung für die Erfüllung von Unternehmeraufgaben im zugewiesenen Rahmen (Pflichtenübertragung in Schriftform mit einer transparenten und präzisen Aufgaben- und Kompetenzzuweisung!).
  • muss nicht nur fachlich richtig handeln. Sie muss darüber hinaus unternehmerische Entscheidungen treffen und Anordnungen auf elektrotechnischem Fachgebiet geben. Der Umfang der Entscheidungsbefugnis orientiert sich an dem zugewiesenen Verantwortungsbereich.

Die verantwortliche Elektrofachkraft als Führungskraft hat das Sagen! Das bedeutet die Entscheidung über die erforderlichen, elektrotechnischen Maßnahmen im Unternehmen liegt im Rahmen ihrer Befugnisse bei ihr.

Prüfen darf die befähigte Person, die Qualifikation als Geselle im Bereich der Elektrotechnik ist ein sehr guter Grundstock und sollte mit einem Seminar im Bereich der Messtechnik nach DIN VDE 0701-0702 ergänzt werden.

Hat man den Vorgaben (Gefährdungsbeurteilung der Prüflinge, befähigte Person als Prüfer, Arbeitsanweisung für den Prüfablauf, passendes Prüfequipment) Rechnung getragen, braucht einem vor einer fehlerhaften Prüfung nicht bange zu sein, da dann eine „Gerichtsfeste Organisationsstruktur“ vorgewiesen werden kann.

Im Schadensfall steht der Vorwurf des Organisationsverschuldens im Raum

Kann keine funktionierende betriebliche Organisation und die Sicherheit der Mitarbeiter gewährleistet werden bzw. werden diese Maßnahmen nur mangelhaft wahrgenommen, setzt sich das Unternehmen dem Vorwurf des Organisationsverschuldens aus. Die Rechtsprechung der Gerichte hat hierzu folgende einfachen Grundsätze aufgestellt:

  • Eine Unternehmensorganisation genügt nur dann den rechtlichen Anforderungen, ist also nur dann „gerichtsfest“, wenn der Unternehmensaufbau und die Betriebsabläufe transparent und präzise geregelt sind (natürlich auch dokumentiert) und die Durchführung von Kontrollmaßnahmen gewährleistet ist.
  • Durch Stichprobenkontrollen muss der Unternehmer seiner Überwachungs- und Kontrollpflicht nachkommen. Diese Verpflichtung besteht auch dann, wenn die Arbeiten von Fremdfirmen durchgeführt werden.
  • Der Unternehmer kann Führungskräfte in seine Gesamtverantwortung einbinden z.B. eine verantwortliche Elektrofachkraft. Durch Delegation wird die Unternehmerverantwortung auf die im Unternehmen eingesetzten Führungskräfte aufgeteilt, d.h. sie werden in die Unternehmerverantwortung im zugewiesenen Verantwortungsbereich einbezogen.
  • Dies wiederum erfordert eine transparente Unternehmensorganisation mit klaren Regelungen durch die Zuweisung von Aufgaben, Kompetenzen und der damit verbundenen Abgrenzung der Verantwortung der eingesetzten Führungskräfte im Unternehmen.

Aufgaben und Kompetenzen müssen transparent und präzise festgelegt und abgegrenzt sein, damit die Verantwortung der einzelnen Führungskraft feststeht. Fehlen diese Voraussetzungen, bleibt die gesamte Verantwortung beim delegierenden Unternehmer.

Klar definierte Verantwortungsbereiche

In einem gut organisierten Unternehmen darf es keine Bereiche geben, für die keine Führungskraft zuständig ist. Alle Verantwortungsbereiche müssen klar voneinander abgegrenzt sein.

Eine Freidelegation von Verantwortung gibt es aber unter keinen Umständen für den Unternehmer.

Im Idealfall liegt Personal-/Disziplinarverantwortung und Fachverantwortung in einer Hand. Dann werden fachliche sowie personalrechtliche Entscheidungen auf dem Dienstweg von ein und derselben Person getroffen. Diese Kombination ist nicht überall gegeben. Nicht selten hat der Mitarbeiter zwei unmittelbare Vorgesetzte: Eine Führungskraft mit Personal-/Disziplinarverantwortung (personeller Vorgesetzter) und einen Fachvorgesetzten. Der Umfang der Verantwortung lässt sich hier klar abgrenzen, Fachaufgaben müssen in einem Unternehmen häufig von der Personal-/Disziplinarverantwortung getrennt und anderen Stellen in der betrieblichen Hierarchie zugewiesen werden.

Der Unternehmer muss dafür sorgen, dass die Zuständigkeiten bei einer solchen Konstellation klar abgegrenzt sind.
Jeder Mitarbeiter muss wissen, wer sein unmittelbarer Vorgesetzter (Fach- und Personalvorgesetzter) ist. Fehlt eine solche Regelung, bleibt die umfassende Verantwortung für die Arbeitssicherheit bei der zuständigen übergeordneten Führungskraft, in letzter Instanz also beim Unternehmer.

Umgang mit elektrischem Strom

Besondere Bedeutung hat diese Unterscheidung bei der Regelung der speziellen Verantwortung für die elektrotechnische Sicherheit. Der Umgang mit dem elektrischen Strom stellt zusätzliche Anforderungen an die Unternehmer-/Führungsverantwortung und damit an die Unternehmensorganisation. Das ist in Rechtsvorschriften und Regelwerken besonders herausgestellt z.B. Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV); DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ (ehemals BGV A3); DIN VDE 1000-10 „Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“ und DIN VDE 105-100 „Betrieb von elektrischen Anlagen“.

Rechtssicherheit bei der Aufgabenzuweisung an Elektrofachkräfte

Die allgemeinen Grundsätze für die Unternehmensorganisation, Delegation von Verantwortung, Führungs- und Fachaufgaben und Übertragung von speziellen Unternehmerpflichten gelten auch für die Elektrofachkraft.

Die Elektrofachkraft kann aufgrund einer besonderen Beauftragung, der so genannten Pflichtenübertragung, durch den Unternehmer mit unternehmerischen Befugnissen auf dem elektrotechnischen Fachgebiet ausgestattet werden.

Da der Umgang mit der Elektrizität eine besonders hohe Anforderung an die Elektrofachkraft stellt, hängt der Umfang der Verantwortung maßgeblich von der Aufgaben und Kompetenzzuweisung im Unternehmen ab. Deshalb wird auch in der Norm DIN VDE 1000-10 ausdrücklich zwischen einer einfachen Elektrofachkraft (Ziff. 4.2) und verantwortlichen Elektrofachkraft (Ziff. 4.1) unterschieden.

Die Bedeutung beider Begriffe wird leider in der Praxis oft nicht richtig verstanden und demzufolge falsch im Unternehmen umgesetzt.

Autor: Stefan Euler, Fachdozent und BDSH geprüfter Sachverständiger für Elektrotechnik

Artikel wurde aktualisiert im Juni 2017

Stefan Euler

Stefan Euler - Geschäftsführer der MEBEDO Consulting GmbH und MEBEDO Akademie GmbH sowie BDSH e.V. geprüfter Sachverständiger Elektrotechnik

Der Schwerpunkt seiner heutigen Tätigkeit liegt in der Beratung von Unternehmen beim Aufbau einer rechtssicheren Organisationsstruktur im Bereich der Elektrotechnik. Teilweise schließt dies auch die Übernahme der Verantwortung als externe verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) / Interim Manager Elektrosicherheit für die Unternehmen ein.

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