Elektroarbeiten auf Dächern: Mit Schutzmaßnahmen Abstürze vermeiden

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Bei Elektroarbeiten auf Dächern musst du unbedingt Sicherheitsmaßnahmen treffen, um Abstürze zu vermeiden. (Bildquelle: Elenathewise/iStock/Getty Images Plus)
Bei Elektroarbeiten auf Dächern musst du unbedingt Sicherheitsmaßnahmen treffen, um Abstürze zu vermeiden. (Bildquelle: Elenathewise/iStock/Getty Images Plus)

In Elektroberufen kann es sein, dass du an hochgelegenen Arbeitsplätzen arbeiten musst. Einige Installationen und Wartungsarbeiten musst du beispielsweise von Arbeitsbühnen oder Gerüsten aus durchführen und nun ja, Photovoltaikanlagen befinden sich nun mal meist auf Dächern. Bei Arbeiten in der Höhe hast du einen ständigen Begleiter: Das Absturzrisiko.

Absturz bei Arbeiten auf einem Dach

Wie schnell es bei Elektroarbeiten an hochgelegenen Arbeitsplätzen auch in vermeintlich sicheren Situationen zu einem Absturz kommen kann, zeigt die Geschichte eines Elektroingenieurs aus dem Kanton Aargau in der Schweiz. Im Laufe seiner Karriere arbeitete er oft auf Hausdächern. Es war für ihn also eine recht alltägliche Situation, als er an einem Junitag für einen Auftrag auf das Dach einer Sägerei stieg.

Während der Arbeiten auf dem Hausdach trat der Elektroingenieur einen Schritt nach hinten, um einen Kollegen vorbeizulassen. Dann ging alles sehr schnell. Der Elektriker bricht ein und fällt durch das Dach, landet sechs Meter tiefer auf einem Holzstapel. An die nächsten Stunden kann er sich nicht erinnern. Im Krankenhaus wird später klar, dass er für den Rest seines Lebens querschnittsgelähmt sein wird.

Der Unfall zeigt: Die Schwerkraft verzeiht keine Fehler. Trotz Routine kann jederzeit ein Unfall passieren.

Heute hält der ehemalige Elektroingenieur Vorträge über Arbeitssicherheit und unterstützt die Unfallversicherung bei der Präventionsarbeit.

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Dächer nicht ohne Absturzschutz betreten

Die Dachplatte, auf die der Elektroingenieur trat, war aus Eternit gefertigt. Dieser Faserzement-Werkstoff geriet zwar aufgrund des enthaltenen Asbests in Verruf, Eternitplatten gelten aber als recht stabil. Bei diesem Unfall war die betretene Platte offenbar bereits angeknackst. Es wäre aber zu kurz gedacht, die Dachplatte als Unfallgrund zu nennen – die eigentliche Unfallursache liegt tiefer.

Ohne ausreichenden Absturzschutz sind Dachbereiche normalerweise nicht zum Betreten vorgesehen. Auch wenn das Dach bisher jahrelang ohne Probleme betreten wurde, bedeutet das keine Freigabe. Denn selbst wenn die Dachabdeckung ursprünglich darauf ausgelegt war, das Gewicht eines erwachsenen Menschen zu tragen, kann das nach einigen Jahren ganz anders aussehen. Durch Einflüsse wie Regen, Hagel, Schmutz und die UV-Strahlung der Sonne werden die Materialien im Laufe der Zeit spröde – die Dachplatten tragen weniger Gewicht.

Unfälle mit Absturz – Die Fakten

  • Bei etwa jedem vierten tödlichen Unfall im Beruf lautet die Ursache: Absturz.
  • Die meisten tödlichen Abstürze erfolgen von Gerüsten, von Leitern und von Dächern.
  • Bereits aus geringen Höhen können Abstürze tödlich sein. Es sind viele Fälle bekannt, bei denen die Absturzhöhe weniger als zwei Meter betrug.
  • Auch wenn ein Absturz nicht tödlich endet, sind die Folgen oft schwerwiegend, wie das Unfallbeispiel zeigt.

Ein falscher Schritt kann dein ganzes Leben verändern!

Arbeiten auf Dächern: Gefährdungsbeurteilung ist verpflichtend

Bevor du ein Dach betreten darfst, muss unbedingt eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden. In dieser Gefährdungsbeurteilung müssen sämtliche Risiken erfasst und bewertet werden, denen du während der Arbeiten auf dem Dach ausgesetzt bist. Es muss nicht nur die Durchtrittfestigkeit der am Dach verbauten Materialien ermittelt werden. Es geht auch um sichere Auf- und Abstiege auf das Dach, die Absturzkante am Dachrand und Gefährdungen durch herunterfallende Werkzeuge oder Materialen.

Anhand der Erkenntnisse aus der Gefährdungsbeurteilung wird dann ein Sicherheitskonzept erstellt, mit dem die Arbeiten auf dem Dach geplant werden. Es müssen Maßnahmen gefunden werden, die Abstürze verhindern oder zumindest dafür sorgen, dass Stürze folgenlos bleiben.

Downloadtipps der Redaktion

Unterweisung zur VDE 1000-10: „Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“

Hier gelangen Sie zum Download.

Unterweisung zur DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel"

Hier gelangen Sie zum Download.

Downloadpaket für ortsveränderliche elektrische Arbeitsmittel

Hier gelangen Sie zum Download.

Schutzmaßnahmen gegen Absturz

Arbeiten in der Höhe dürfen nur mit Schutz und Sicherung gegen Absturz durchgeführt werden. Betrete Dächer also niemals, ohne dass geeignete Schutzmaßnahmen getroffen wurden. Das kann bedeuten, dass zuerst ein Auffangnetz installiert werden muss, dass Laufstege notwendig werden oder Gitter oder andere Absperrungen eingesetzt werden müssen, um nicht durchtrittsichere Bereiche abzusichern. Dein Vorgesetzter kann aber auch festlegen, dass du erst nach einer speziellen Schulung mit spezieller PSA gegen Absturz Arbeiten in der Höhe durchführen darfst.

Auf keinen Fall dürfen du oder ein Kollege probeweise auf ein Dach steigen, um dessen Stabilität zu testen. Wenn du in deinem Berufsleben als Elektriker ein Dach betrittst, dann nur, wenn wirklich alle notwendigen Arbeitsschutzvorkehrungen getroffen wurden. Konkret bedeutet das:

  • Niemals ohne sorgfältige vorherige Betrachtung der Risiken ein Dach betreten!
  • Niemals Arbeiten auf Dächern ohne geeignete Sicherungsmaßnahmen und Schutzausrüstungen durchführen!
  • Niemals alleine und ohne dass deine Kollegen wissen, wo du bist, auf einem Dach arbeiten!
  • Niemals ein Dach ohne konkreten Arbeitsauftrag des Vorgesetzten betreten!

Aber auch wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind: Es kommt immer noch auf dich persönlich an. Für alle Arbeiten in der Höhe solltest du dich körperlich und mental völlig fit und gesund fühlen. Informiere unbedingt deinem Chef, falls dies nicht der Fall ist, sondern dir ist beispielsweise schwindlig ist oder deine Muskeln zittern. An diesem Tag solltest du weder Dächer noch Leitern oder Gerüste betreten. Deine Sicherheit geht vor – auch beim Arbeiten in der Höhe!

  • Autor:

    Dr. Friedhelm Kring

    freier Lektor und Redakteur

    Kring, Friedhelm

    Dr. Friedhelm Kring ist freier Lektor, Redakteur und Fachjournalist mit den Schwerpunkten Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.

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