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Für die Elektrofachkraft: Unterweisung zum Umgang mit Leitern

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Nutzen Sie Zusatzausrüstungen und Zubehör für Leitern für mehr Sicherheit bei Ihrer Arbeit.
Nutzen Sie Zusatzausrüstungen und Zubehör für Leitern für mehr Sicherheit bei Ihrer Arbeit. (Bildquelle: Wavebreakmedia/iStock/Thinkstock)

Die Unfallgefahr an und von Leitern wird viel zu häufig unterschätzt. Dabei zählen gerade die Abstürze von vermeintlich harmlosen Stehleitern zu den Arbeitsunfällen mit den schwersten Folgen. Verletzte fallen oft viele Wochen und Monate aus oder können gar nicht mehr an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Das betrifft auch Angehörige von Elektroberufen. Denn zur Montage, Inspektion oder Instandhaltung von elektrischen Installationen und Anlagen müssen Elektroarbeiter oft hoch hinaus.

Mehr als 40.000-mal stürzt jedes Jahr in Deutschland ein Mitarbeiter von oder mit einer Leiter. In den meisten Fällen ist nicht etwa ein technischer Defekt der Leiter die Ursache eines solchen Arbeitsunfalls, sondern das Verhalten des Unfallopfers. Wie man mit Leitern sicher umgeht und welche Regeln dabei zu beachten sind, gehört deshalb unbedingt in eine Sicherheitsunterweisung. Auch jeder Angehörige eines Elektroberufs sollte zur sicheren Handhabung von Leitern unterwiesen sein.

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Sicher arbeiten mit Leitern

Grundsätzlich gilt für Tätigkeiten unter Verwendung des Arbeitsmittels Leiter in jedem Betrieb,

  • dass eine Gefährdungsbeurteilung für Arbeiten mit Leitern erfolgt und dokumentiert sein muss.
  • dass Leitern für den betrieblichen Einsatz freigegeben werden müssen.
  • dass Leitern sich jederzeit in einen betriebssicheren Zustand befinden müssen.
  • dass Leitern auf ihren ordnungsgemäßen Zustand geprüft werden müssen, und zwar
    • mindestens einmal jährlich,
    • durch eine sachkundige Person.
    • Die Prüfung muss dokumentiert werden, z.B. über Prüfplaketten an der Leiter und ein Leiternprüfbuch.
Vermitteln Sie in der Unterweisung Maßnahmen zur Vermeidung von Arbeitsunfällen mit Leitern.
Vermitteln Sie in der Unterweisung Maßnahmen zur Vermeidung von Arbeitsunfällen mit Leitern. (Bildquelle: Artfoliophoto/iStock/Thinkstock)

Zusatzausrüstungen und Zubehör für Leitern

Das Angebot an Leitern in speziellen Ausführungen und mit diversem Leiterzubehör ist groß. Viele Zusatzrausrüstungen dienen nicht nur einem bequemeren und effizienteren Arbeiten, sondern auch der Sicherheit. Nachfolgend einige Beispiele.

Für verschiedene Untergründe sind diverse Leiterfüße und Zubehörteile erhältlich, z.B.

  • rutschfeste Leiterfüße mit Gumminoppen für glatte Böden
  • Leiterfüße mit Erdspieß für weiche Böden bei Freilandarbeiten
  • ausziehbare Leiterfüße für unebene Flächen

Arbeitserleichternd sind Hilfsmittel, die den auf einer Leiter arbeitenden Mitarbeiter von Ballast befreien und ihm die Hände möglichst freihalten, z.B.

  • Ablageschalen für Werkzeuge und Kleinteile. Mehr als 10 kg „Ballast“ sollten auf einer Leiter nicht mitgeführt werden.
  • ein an einem Haken aufgehängter Eimer, der dazu dient, Materialien abzulegen oder Abfälle aufzunehmen, statt diese auf den Boden fallen zu lassen.

Einen Gewinn an Sicherheit bieten auch

  • Verbreiterungen am Leiterfuß, die sogenannten Traversen
  • klappbare oder einhängbare Trittverbreiterungen und einzuhängende Podeste, welche die Standfläche vergrößern
  • rutschteste Beläge für Sprossen und Stufen, die z.T. auch nachrüstbar sind
  • Vorrichtungen zum Einhaken oder Einhängen am Leiterkopf, auch zum Abstützen an einer Wand, die damit ein Kippen oder Abrutschen verhindern oder erschweren
  • Rückenschutzbügel
  • Seitenhandläufe für einen sicheren Auf- und Abstieg

Unterweisung: der sichere Einsatz von Leitern

Last but not least, sollten Elektrofachkräfte und andere Sicherheitsverantwortliche darauf achten, dass Mitarbeiter eine Leiter erst dann verwenden dürfen, wenn diese im korrekten Gebrauch der Leitern und den Verhaltensregeln dazu unterwiesen wurden. Tun Sie diese Unterweisungspflicht nicht leichtfertig ab. Die Diskussion, dass eine Sicherheitsanforderung wie etwa das „lästige“ Unterweisen zum vermeintlich ungefährlichen Alltagsgegenstand Leiter „übertrieben“ sei, hört immer dann schlagartig auf, wenn ein Unfall passiert ist. Und das ist keineswegs selten, sondern kommt mit Leitern in deutschen Betrieben Tag für Tag dutzendfach vor. Dabei ist etwa jeder 11. Leiterunfall so folgenschwer, dass dem abgestürzten Mitarbeiter eine Unfallrente zugesprochen wird.

20 Grundregeln für den sicheren Einsatz von Leitern

Die folgenden Verhaltensregeln sollte jeder (elektrotechnische) Mitarbeiter kennen, bevor er bei seiner Arbeit auf eine Leiter steigt und sie sollten daher in keiner Unterweisung fehlen!

  1. Leitern nur für kurzzeitige Arbeiten einsetzen. Spätestens ab zwei Stunden Arbeitsdauer auf Gerüst oder Arbeitsbühne ausweichen.
  2. Die Arbeiten so organisieren, dass die auf einer Leiter verbrachte Zeit nicht länger ist als unbedingt notwendig.
    Beispiel: Kleinere Bauteile „am Boden“ so weit wie möglich vormontieren statt in luftiger Höhe lange herumschrauben zu müssen.
  3. Nur Leitern einsetzen, die von ihrer Größe, Typ und Bauart für den vorgesehenen Einsatzzweck und die vorgesehene Einsatzhöhe geeignet sind.
  4. Leitern vor Benutzung einer Sichtprüfung unterziehen und bei einem erkannten Defekt oder Mangel, z.B. an Holmen oder Sprossen, kennzeichnen, der Benutzung entziehen und den Vorgesetzten darüber informieren.
  5. Leitern nur bis zu einer Arbeitshöhe von maximal 7 Meter über der Aufstellfläche einsetzen.
  6. Leitern nur bei geprüfter Standsicherheit aufstellen, nur auf einen ebenen, tragfähigen und rutschfesten Untergrund aufstellen, nötigenfalls gegen Umkippen sichern. Ein Wegrutschen, Umkippen oder (im Freien) Einsinken in weichen Böden muss sicher verhindert sein.
  7. Leitern niemals auf Kisten, Tischen, Steinstapeln oder anderen ungeeigneten Untergründen aufstellen.
  8. Leiter niemals hinter geschlossenen Türen aufstellen.
  9. Stets die maximale Belastung und Tragkraft der verwendeten Leiter beachten.
  10. Den Anstellwinkel beachten: 65 - 75 Grad bei Anlegeleitern, 60 - 70 Grad bei Stufenanlegeleitern.

Tipp: Ellenbogenprobe: Stellen Sie sich seitlich so vor die aufgestellte Leiter, dass Ihre Füße direkt am Fuß der Leiter stehen. Wenn dann Ihr waagerecht ausgestreckter Ellbogen die Leiter berührt, sollte der Anstellwinkel um 70 Grad betragen.

  1. Anlegeleitern sollten beim Übersteigen nach oben mindestens 1 Meter über die Austrittstelle hinausragen.
  2. Stehleitern nur mit intakter Spreizsicherung benutzen, Mehrzweckleitern nur nach vollständigem Einrasten der Gelenke.
  3. Stehleitern nicht zum Übersteigen auf einen höher gelegenen Arbeitsplatz verwenden (Kippgefahr!).
  4. Niemals eine zusammengeklappte Stehleiter als Anlegeleiter verwenden.
  5. Leitern niemals provisorisch verlängern.
  6. Leitern niemals eigenmächtig reparieren.
  7. Bei Leitern auf oder in der Nähe von Verkehrswegen für eine Absperrung und Kennzeichnung sorgen und die Leiter gegen Umstoßen sichern.
  8. Weites Hinausbeugen bei Arbeiten von einer Leiter aus vermeiden, ggf. Leiter neu positionieren. Das Arbeiten muss stets mit beiden Füßen auf einer Sprosse möglich sein.
  9. Leitern nur mit geeignetem Schuhwerk benutzen. Flipflops und Sandalen ohne Fersenriemen sind auf Leitern tabu.
  10. Eine Leiter nur auf eine Art und Weise benutzen, dass jederzeit ein Festhalten und ein sicherer Stand gewährleistet sind.

Der letzte Punkt ist insbesondere zu beachten, wenn Materialien und Werkzeuge bei Arbeiten auf einer Anlegeleiter mitgeführt werden müssen. Ist dabei durch das Heben oder Tragen einer Last ein sicheres Festhalten (eine Hand stets an der Leiter!) nicht mehr möglich, dürfen die Arbeiten nicht ausgeführt werden. Stattdessen müssen Sie für die vorgesehenen Arbeiten eine andere Lösung wählen, z.B. eine Hubarbeitsbühne oder ein fahrbares Gerüst.

Autor: Dr. Friedhelm Kring

Friedhelm Kring

Dr. Friedhelm Kring - freier Lektor, Redakteur und Fachjournalist mit Schwerpunkt auf Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.

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