So lässt sich deine Weiterbildung finanzieren

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Finanzierung von Aus- und Weiterbildung
Sich weiterzubilden ist unverzichtbar. (Bildquelle: Melpomenem/iStock/Getty Images Plus)

Sich weiterzubilden ist – gerade in Elektroberufen – unverzichtbar. Aber Weiterbildung gibt es selten gratis, der Besuch von Kursen und Seminaren ist oft mit erheblichen Kosten verbunden. Gut dran ist, wer von seinem Arbeitgeber zu einem Lehrgang geschickt wird und diesen bezahlt bekommt. Doch auch wer sich – etwa nach einer abgeschlossenen Ausbildung – eigenständig nach weiteren Qualifizierungsoptionen umschaut, ist nicht allein auf eigene Ersparnisse oder eine Spende von Eltern oder Großeltern angewiesen. Denn es gibt diverse Fördermittel und finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten von verschiedenen Seiten. Nachfolgend eine kurze Übersicht.

Aufstiegs-BAföG

Aufstiegs-BAföG wurde früher Meister-BAföG genannt. Die Gelder sind vorgesehen für alle, die über eine bestimmte Fortbildung „aufsteigen“ wollen, z.B. zum Meister, zum Betriebswirt oder zum Techniker. Diese Fördermittel können für insgesamt mehr als 700 unterschiedliche Fortbildungsabschlüsse in Anspruch genommen werden. In der Regel gilt als Voraussetzung, dass du

  1. eine Erstausbildung vollständig abgeschlossen hast und
  2. die Fortbildung mit einem Abschluss endet, der über einen Facharbeiter-, Gesellen- oder Berufsfachschulabschluss hinausgeht.

Die Förderung wurde 2020 erweitert und verbessert. Die Unterhaltsförderung kann nun bis zu knapp 900 Euro pro Monat betragen und wird als Vollzuschuss gewährt, muss also nicht zurückgezahlt werden. Alle Gebühren für Lehrgänge und Prüfungen bekommst du bis zur Höhe von 15.000 Euro zur Hälfte erstattet. Alle weiteren Infos dazu unter www.aufstiegs-bafoeg.de.

Aufstiegsstipendien

Aufstiegsstipendien kannst du nutzen, wenn du eine neue Herausforderung suchst und studieren willst. Voraussetzungen sind eine abgeschlossene Berufsausbildung plus mindestens zwei Jahre Berufserfahrung, dein Alter spielt keine Rolle. Auch die Leistungen sind ein Kriterium, etwa die Abschlussnote deiner Ausbildung. Du kannst dich nicht für ein Vollzeitstudium entscheiden? Kein Problem, auch ein berufsbegleitendes Studium wird gefördert. Am besten schon vor Beginn eines Studiums bewerben, notfalls im ersten oder zweiten Semester. Mehr Infos unter www.sbb-stipendien.de/aufstiegsstipendium.

Weiterbildungsstipendien

Weiterbildungsstipendien sind gedacht für junge, engagierte Fachkräfte, die sich beruflich weiterentwickeln wollen. Voraussetzung: Du bist noch keine 24, hast deine Ausbildung abgeschlossen und mit besonderen Leistungen geglänzt. Nicht nur berufsbezogene Qualifizierungen werden gefördert, wie zum Techniker, Handwerksmeister oder Fachwirt, sondern auch fachübergreifende Weiterbildungen, z.B. ein Sprachkurs oder ein Rhetorikseminar. Der Staat übernimmt – bei einem Eigenanteil von 10 % – deine Ausgaben für Kurse, Prüfungen, Fahrten zum Kursort sowie Unterkunft und selbst für einen PC gibt es Zuschüsse. Vergeben wird das Stipendium von der Kammer oder Berufsbildungsstelle, die für deinen Ausbildungsvertrag zuständig war, alles Weitere unter www.sbb-stipendien.de/weiterbildungsstipendium.

Bildungsgutscheine

Bildungsgutscheine werden von der Bundesagentur für Arbeit vergeben und müssen in der Regel binnen drei Monaten eingelöst werden. Auch hier werden Kosten für einen Lehrgang, die Prüfungen, Bücher, Fahrten usw. vom Staat. übernommen. Bildungsgutscheine sind dann besonders nützlich, wenn du arbeitslos bist, wenn ein Jobverlust absehbar ist oder wenn du deine Ausbildung nicht abgeschlossen hast und somit die oben genannten Fördermittel nicht infrage kommen. Du solltest dich in jedem Fall frühzeitig an ein Jobcenter oder Berufsinformationszentrum in deiner Region wenden. Einen Bildungsgutschein kannst du dann bei einem Kursanbieter deiner Wahl einlösen, weitere Infos unter www.arbeitsagentur.de/bildungsgutschein.

Geldtöpfe der Bundesländer

Alle bisher genannten Fördertöpfe gelten für ganz Deutschland. Dazu kommen Fördermittel der einzelnen Bundesländer, die wir hier nicht alle auflisten können. Auf www.foerderdatenbank.de kannst du gezielt suchen, z.B. nach „Hessen Handwerk“ oder „Elektro Baden-Württemberg“.

Geld vom Chef

Der ganze Betrieb profitiert, wenn engagierte Mitarbeiter ihre Kenntnisse und Fähigkeiten erweitern. Daher ist auch dein Chef gut beraten, Weiterbildung aktiv zu fördern. Das kann ein finanzieller Zuschuss sein oder dass für die Zeit der Weiterbildung deine Arbeitszeit reduziert wird. Im Gegenzug wird natürlich erwartet, dass du dann auch eine gewisse Zeit lang deiner Firma erhalten bleibst. Rede mit deinem Vorgesetzten oder dem Betriebsleiter darüber und schaut euch gründlich die diversen Anbieter und Optionen an. Geht ihr clever vor, dann kannst nicht nur du dir zustehende Fördertöpfe nutzen, auch dein Arbeitgeber kann von Fördergeldern zur Qualifizierung seiner Mitarbeiter profitieren.

Steuern sparen

Last, but not least solltest du auf keinen Fall vergessen, deine Kosten für Weiterbildungen über deine Steuererklärung beim Finanzamt abzurechnen. Du kannst nicht nur die Teilnahme- und Prüfungsgebühren absetzen, sondern auch Ausgaben, die für deine Fahrten, Verpflegung und Übernachtung anfallen. Durch die Steuerersparnis können deine Kosten, z.B. für einen Lehrgang, dann unterm Strich deutlich niedriger ausfallen.

  • Autor:

    Dr. Friedhelm Kring

    freier Lektor und Redakteur

    Kring, Friedhelm

    Dr. Friedhelm Kring ist freier Lektor, Redakteur und Fachjournalist mit den Schwerpunkten Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.

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