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Prüfung nach VDE 0100-600: So geht's!

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Prüfen Sie immer nach dem aktuellen Stand der Vorschriften. (Bild: Profitest der Fa. GMC) - Bild
Prüfen Sie immer nach dem aktuellen Stand der Vorschriften. (Bildquelle: AndreyPopov/iStock/Thinkstock)

Dieser Beitrag ist aus dem Jahr 2008, aktualisiert am 02.06.2016
Die VDE 0100-600 "Errichten von Niederspannungsanlagen" enthält in Abschnitt 61 Anforderungen an die Erstprüfung elektrischer Anlagen. Mit der Prüfung vor der Inbetriebnahme stellt die Elektrofachkraft fest, ob die normativen Anforderungen bei der Errichtung der elektrischen Anlage eingehalten wurden. Außerdem wird überprüft, ob die elektrische Sicherheit einer bereits bestehenden Anlage bei einer Erweiterung noch gewährleistet ist.

VDE 0105-100 für wiederkehrende Prüfungen

Die Wiederholungsprüfung (oder „wiederkehrende Prüfung“) wird in der VDE 0105-100 behandelt. Wiederholungsprüfungen werden an bereits komplett bestehenden elektrischen Anlagen durchgeführt, um festzustellen, ob ihr Zustand und der aller dazugehörenden Betriebsmittel in Ordnung ist. Ein Prüfbericht muss natürlich auch in diesem Fall erstellt werden.

Defekte und Fehler kosten Millionen
Abb. 1: Defekte und Fehler kosten Millionen (Bildquelle: Domen Colja/Hemera/Thinkstock)

Trotz der eindeutigen gesetzlichen Bestimmungen und umfangreicher Schutzmaßnahmen verursachen defekte oder unsachgemäß errichtete und betriebene Elektroanlagen jährlich immense Schäden. Hinzu kommen Personenschäden, zusätzliche Kosten durch den Ausfall von Arbeitskräften und Betriebsräumen, durch die Wiederherstellung von Räumlichkeiten, Arbeitsplätzen und Maschinen.

Vorschriften und Normen: mehr als Papierkram
Abb. 2: Vorschriften und Normen: mehr als Papierkram (Bildquelle: charnsitr/iStock/Thinkstock)

Umso wichtiger ist es, Vorschriften und Normen nicht als zeitraubenden Papierkram zu betrachten, sondern sich konkret Gedanken über ihre Umsetzung zu machen. Die DGUV Vorschrift 3 (ehemals BGV A3) „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ legt zwar die Fristen für die wiederkehrende Prüfung fest (siehe Durchführungsanweisungen, Tabelle 1A), nach § 5 Absatz 1 aber müssen Prüffristen auch so bemessen werden, dass „Mängel mit denen gerechnet werden muss, rechtzeitig erkannt werden“.

Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) fordert die Ermittlung der Prüffristen anhand einer Gefährdungsbeurteilung. Damit einher geht auch die Feststellung der erforderlichen Befähigung des Prüfers.

Prüfung nach VDE 0100-600 vor Inbetriebnahme

Nach der VDE 0100-600 ist vor der erstmaligen Inbetriebnahme einer Niederspannungsanlage (oder eines Teils davon), durch Prüfungen nachzuweisen, dass die vorausgestellten Anforderungen der VDE 0100 bei der Errichtung eingehalten wurden. Außerdem darf die Elektrosicherheit einer bereits bestehenden Anlage bei Änderungen oder Erweiterungen nicht beeinträchtigt werden. Der wesentliche Ablauf hat sich natürlich auch durch die neue Norm nicht geändert: Eine Erstprüfung folgt immer dem Schema: Besichtigen ‒ Erproben ‒ Messen.

Sichtkontrolle

Zur Besichtigung gehört die Kontrolle auf äußerliche Mängel. Außerdem müssen Schaltpläne, Betriebsanleitungen und Beschriftungen von Stromkreisen und Typenschildern vorhanden sein. Die Einrichtung zur Unfallverhütung und Brandbekämpfung muss vollständig und einwandfrei zur Verfügung stehen.
Höchste Priorität hat die Feststellung, ob der Schutz gegen direktes Berühren aktiver Teile vorhanden ist und die Schutzmaßnahmen bei indirektem Berühren nicht fehlerhaft sind. Zu prüfen sind Querschnitt, Verlegung, Anschluss und die Kennzeichnung von Schutz-, Erdungs- und Potenzialausgleichsleitern.

Es folgt der Funktionstest

Durch Erproben muss unter anderem geklärt werden, ob Not-Aus-Einrichtungen, Isolationsüberwachungen, Schutzeinrichtungen sowie Melde- und Anzeigeeinrichtungen funktionsfähig sind und die Anlage ordnungsgemäß arbeitet.

Messen mit geeigneten Mitteln

Die anschließenden Messungen sollen gewährleisten, dass alle (in den jeweils gültigen Vorschriften angegebenen) Grenzwerte oder Forderungen erfüllt werden. Messungen dürfen nur mit geeigneten Prüfmitteln durchgeführt werden. Konkret: Die Geräte zur Messung und Prüfung müssen wiederum anderen Normen genügen (zum Beispiel diesen: VDE 0411, 0413, 0403, 0404) und sie sind im Messprotokoll aufzuführen.

Wichtig!

Nur kalibrierte Mess- und Prüfgeräte dürfen zur Anwendung gelangen.

Vorsicht bei älteren Prüfgeräten

Um den Anforderungen der technischen Entwicklung gerecht zu werden, genügt es oft nicht, nur die im alten Bestand schon vorhandenen, üblichen Geräte einzusetzen. Zum gründlichen Beurteilen eines Erzeugnisses sind immer wieder neuartige Mess- und Prüfgeräte erforderlich. Sie lassen sich nicht immer aus den unmittelbaren Vorgaben der aktuellen Normen ableiten.

Nur eine befähigte Person darf prüfen

Prüfungen sind von befähigten Personen durchzuführen
Abb. 3: Prüfungen sind von befähigten Personen durchzuführen (Bildquelle: Minerva Studio/iStock/Thinkstock

Damit es keine unliebsamen Überraschungen gibt, muss der Prüfer mit den in den Normen vorgegebenen Aufgaben und Verfahren vertraut sein. Ein breiter Erfahrungshintergrund auf dem Gebiet der Prüftechnik ist Voraussetzung. Nicht umsonst spricht man heute auch von der „befähigten Person“ (laut § 2 Abs. 6 der Betriebssicherheitsverordnung und TRBS 1203).

Fazit

Eine fachgerecht durchgeführte Prüfung schafft Sicherheit und Klarheit in allen Punkten, insbesondere darüber, ob die Elektroinstallation dem jeweils erforderlichen Stand der Sicherheitstechnik entspricht. Dafür müssen die aktuellen Normen eingehalten werden. Für umfassendere Informationen zu diesem Thema ist ein Blick in die VDE 0100-600 und VDE 0105-100 unerlässlich.

Autorin: Christine Lendt, www.recherche-text.de

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Kommentare

Kommentar von Thomas Sachs |

In der VDE steht, wie zu prüfen ist und die empfohlenen Fristen stehen in der DGUV 3. Diese Fristen sind Empfehlungen, von denen man auch abweichen kann. Allerdings sollte man in einer Gefährdungsbeurteilung schriftlich festhalten, warum man Fristen länger setzt als empfohlen.

Kommentar von Schneider |

In allen Veröffentlichungen wird auf die DIN VDE 0100 und 0105 bezüglich der Prüfumfänge und Anlässe verwiesen und auf die DGUV Vorschrift 3 bezüglich der Fristen. Nun müssen (sollen) aber auch ortsfeste elektrische Anlagen in Wohnhäusern oder z.B. Aufzüge in Häusern regelmäßig wiederkehrend geprüft werden. Da es keine Arbeitsstätten sind, fällt die DGUV Vorschrift 3 hier raus. Stehen die Fristen nicht auch in den DIN VDE Normen, und wenn ja, in welcher. Wenn sie drin stehen, weichen die Fristen sicher nicht von der DGUV Vorschrift ab, oder?
Danke für die Unterstützung.

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