Wiederholungsprüfungen nach DIN VDE 0701-0702 – das sind die Grundlagen

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Befinden sich die Geräte immer noch in einem ordnungsgemäßen und sicheren Zustand?
Befinden sich die Geräte immer noch in einem ordnungsgemäßen und sicheren Zustand? (Bildquelle: Seahorse Vector/iStock/Getty Images Plus)

Nachweis des ordnungsgemäßen Zustands

Zum Betreiben elektrischer Betriebsmittel/Geräte gehört die Wiederholungsprüfung, auch wiederkehrende Prüfung genannt. Mit ihr ist nachzuweisen, dass sich die Betriebsmittel/Geräte trotz der bisher beim Betreiben aufgetretenen Beanspruchungen immer noch in einem ordnungsgemäßen und sicheren (!) Zustand befinden.

Unterschiedliche Prüfregelungen

Die Prüfung kann auf der Grundlage verschiedener Normen erfolgen:

  • Ortsveränderliche, d.h. steckbare Betriebsmittel/Geräte können nach DIN VDE 0701-0702:2008-06 geprüft werden.
  • Betriebsmittel/Geräte, die für eine feste Verbindung mit der Anlage vorgesehen und mit ihr verbunden sind, können aber auch
    • gemeinsam mit dem sie versorgenden Anlagenteil nach DIN VDE 0105-100/A1:2017-06 oder nach DIN VDE 0701-0702:2008-06 oder auch
    • getrennt von der Anlage nach DIN VDE 0100-015-100/A1:2017-06 bzw. DIN VDE 0701-0702:2008-06 geprüft werden.

Entscheidung über die Prüfnorm

Nach welcher Norm zweckmäßigerweise geprüft werden soll, hat der Betreiber in Abstimmung mit der verantwortlichen Elektrofachkraft zu entscheiden. Beide Normen können für das Prüfen aller Arten der Betriebsmittel angewandt werden, unabhängig davon, ob diese als Gerät, Einrichtung oder Maschine bezeichnet werden. Im folgenden Text wird für sie alle immer die Bezeichnung „Gerät” verwendet.

DIN VDE 0105-100/A1:2017-06 vs. DIN VDE 0701-0702:2008-06

Wie schon erwähnt, muss die für die Prüfung verantwortliche Elektrofachkraft entscheiden, welche Prüfnorm zum Einsatz kommt. Bis zum Inkrafttreten der DIN VDE 0105-100 im Jahr 2015 und der Änderung A1 im Juni 2017 griffen viele Praktiker gern zur DIN VDE 0701-0702. Mit der Neufassung der DIN VDE 0105-100 hat sich dies geändert, da jetzt auch Schwachstellen wie Alterung u.ä. Beachtung finden. Egal welche Entscheidung über die Prüfnorm getroffen wird, Maßstab muss immer die Sicherheit des Geräts bzw. der Anlage sein.

Achtung

Die Din VDE 0701-0702 soll laut DKE voraussichtlich im Herbst/Winter 2020 komplett neu gefasst werden. Dabei ist auch eine Trennung der Normen 0701 und 0702 vorgesehen.

Ziel und Zweck der Prüfung nach DIN VDE 0701-0702:2008-06

Durch die Wiederholungsprüfung nach den genannten Normen sind

  • der ordnungsgemäße Zustand sowie
  • die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen gegen
    • elektrischen Schlag und
    • weitere durch die Elektroenergie oder
    • durch die Funktion des Geräts entstehende Gefährdungen

nachzuweisen. Auch mechanische Mängel bzw. Gefährdungen, die beim Besichtigen oder Erproben erkannt werden, sind mit dem Prüfergebnis anzugeben und bei der Bewertung zu berücksichtigen.

Umfang der Prüfung

Der Umfang der Prüfung bezüglich der nachzuweisenden elektrischen Sicherheit ergibt sich aus den Vorgaben in der Norm DIN VDE 0701-0702:2008-06. Die vorgegebenen Prüfgänge sind in der folgenden Abbildung aufgeführt.

Prüfablauf, Arbeits- und Prüfschritte der Wiederholungsprüfung für elektrische Geräte
Prüfablauf, Arbeits- und Prüfschritte der Wiederholungsprüfung für elektrische Geräte

Erläuterungen zur Abbildung: Prüfablauf, Arbeits- und Prüfschritte der Wiederholungsprüfung für elektrische Geräte mit

  • einer Schutzleiterschutzmaßnahme (mit Schutzkontaktstecker) oder
  • der Schutzmaßnahme „doppelte oder verstärkte Isolierung” (mit Euro- und Eurokonturenstecker) oder
  • der Schutzmaßnahme „Kleinspannung” (SELV, PELV; mit Sonderstecker)

1) In Abhängigkeit von der Art des zu prüfenden Geräts wird in einigen Fällen gestattet, auf diese Messung zu verzichten.
2) Zur Messung angewandt werden können die Differenzstrommessmethode bzw. die direkte Messmethode und unter Beachtung bestimmter Bedingungen auch die direkte oder die Ersatz-Ableitstrommessmethode.
3) Zur Messung angewandt werden können die direkte Messmethode oder unter Beachtung bestimmter Bedingungen auch die Differenzstrom- oder die Ersatz-Ableitstrommessmethode.
4) Sind keine berührbaren leitfähigen Teile vorhanden, so entfällt diese Messung.

Besonders zu beachten ist, dass – im Gegensatz zur bisherigen Verfahrensweise – in der neuen Ausgabe 06/2008 der Norm DIN VDE 0701-0702:2008-06 der Prüfablauf

  • nicht mehr durch die Schutzklasse des Geräts,
  • sondern durch die am Körper des Geräts wirksame Schutzmaßnahme bestimmt wird. Für den Praktiker noch konkreter gesagt, es ist damit an der Art des Anschlusssteckers zu erkennen, welcher Prüfablauf (siehe Abb.) durchzuführen ist.

Das bisher oft nötige Rätselraten hinsichtlich der Schutzklasse oder das lästige Suchen nach der entsprechenden Angabe auf dem Gerät können somit entfallen.

Abweichungen von den Vorgaben sind möglich

Abweichungen sind möglich

Abweichungen von den in den Erläuterungen aufgeführten Vorgaben zum Feststellen des Isolationswiderstands oder des Ableitstroms

  • sind in den Normen für einige Sonderfälle, z.B. für Geräte mit elektrisch zu betätigenden Schalteinrichtungen, zugelassen oder
  • können vom verantwortlichen Prüfer entschieden werden, wenn die erforderliche Sicherheit dennoch oder auf andere Weise gewährleistet wird.

Zusätzliche Prüfungen können nötig sein

Vom Prüfer ist auch zu entscheiden, ob über die Vorgaben in DIN VDE 0701-0702:2008-06 zum Nachweis der elektrischen Sicherheit hinaus weitere Prüfungen vorzunehmen sind, deren Notwendigkeit sich aus den Besonderheiten des zu prüfenden Geräts ergibt oder die zum Nachweis der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen gegenüber nicht elektrischen Gefährdungen erforderlich sind.

Zur Prüfung gehört auch, dass der ordnungsgemäße und sichere Ablauf der Grundfunktionen des Geräts nachgewiesen wird.

Besonderheiten des Einsatzorts und der Einsatzbedingungen beachten

Der Umfang der Prüfung wird auch durch den Einsatzort des Prüflings bestimmt. Die besonderen Beanspruchungen – z.B. auf Baustellen – können besondere Prüfgänge und ein häufigeres, mitunter sogar tägliches Kontrollieren/Prüfen erforderlich machen. Die erschwerte Zugänglichkeit oder die Anforderungen des Betriebsablaufs können hingegen zu Einschränkungen der Prüfmöglichkeiten und der Prüfverfahren führen.

Wenn sich dadurch Einschränkungen bezüglich der Beurteilung der Sicherheit des zu prüfenden Geräts ergeben, sind diese in der Dokumentation der Prüfung anzugeben.

Prüfeinrichtungen

Alle Messungen sind mit Prüfeinrichtungen gemäß der DIN EN 61557-Reihe (VDE 0413-xx) vorzunehmen.

Autoren: Klaus Bödeker, Stefan Euler
aktualisiert: Ernst Schneider
  • Autor:

    Lic. jur./Wiss. Dok. Ernst Schneider

    Inhaber eines Fachredaktionsbüros

    Ernst Schneider

    Ernst Schneider ist Mitglied in der Sektorgruppe Elektrotechnik (ANP-SGE) und in der Themengruppe Produktkonformität (ANP-TGP) des Ausschusses Normenpraxis im DIN e.V.

    Er veröffentlichte bereits eine Vielzahl von Büchern, Fachzeitschriften und elektronischen Informationsdiensten. Seit 2004 ist er außerdem Unternehmensberater für technologieorientierte Unternehmen.

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