Messen der Ableitströme

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Erläuterung zur Abbildung "Messen der Ableitströme mit Prüfgeräten nach DIN VDE 0701-0702"

a) Schutzleiterstrom: a1) Differenzstrommessmethode, a2) und a3) direkte Messmethode
b) Berührungsstrom, direkte Messmethode

Die dargestellten Messungen dienen alle

  • dem Nachweis der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag, d.h. dem Schutz gegen direktes Berühren (Basisisolierung, Messungen a und b) und bei indirektem Berühren (Schutzisolierung, Messung b), sowie
  • dem Bestimmen der möglicherweise vorhandenen Ableitströme bzw. der durch sie möglichen Gefährdung (Schutzleiterstrom: Messungen a; Berührungsstrom: Messung b). Sie sind nacheinander mit einem Prüfgerät nach DIN VDE 0701-0702 durchzuführen.

Die Ableitströme sind ein Merkmal für den Zustand einer Isolierung und den Zustand bzw. das Vorhandensein oder den richtigen Einsatz von Beschaltungen und die Höhe einer durch sie möglichen Gefährdung.

Erfahrungsgemäß rufen auch defekte Isolierungen (Bruch, Quetschung, Risse, verschmutzte Oberflächen usw.) zumeist noch keine oder nur geringe Ableitströme (< 0,1 mA) hervor. Sie werden außerdem bei Geräten mit Beschaltungen durch deren relativ hohen Ableitströme (1 mA, 3,5 mA und mehr) überdeckt. Die Aussagekraft der Messung b des Berührungsstroms ist in Abhängigkeit von der Anzahl und der Lage der vorhandenen berührbaren leitenden Teilen unterschiedlich und gegenüber dem Besichtigen meist sehr gering. Bei den vielfach vorhandenen Geräten mit einem durchgängigen Isolierkörper ist sie gar nicht durchführbar. Aus den beiden genannten Gründen müssen die Messwerte in Abhängigkeit von der Art und von dem Zustand des Prüflings vom Prüfer kritisch bewertet werden.

Bei Geräten mit Schaltern o.Ä., die mehrere Schalterstellungen aufweisen, sollten die Messungen a und b in jeder Schalterstellung (vollständiger Funktionsablauf) vorgenommen werden. Der höchste Messwert ist maßgebend.

Alle in DIN VDE 0701-0702 genannten "Sicherheitsgrenzwerte" (0,5 mA, 3,5 mA) beschreiben lediglich den Zustand "Es ist noch keine unzulässige/gefährdende Durchströmung möglich". Bei einer ordnungsgemäßen und zuverlässigen Isolierung dürfen nur sehr geringe (< 0,1 mA), mit den Prüfgeräten praktisch nicht messbare Ableitströme auftreten. Höhere Messwerte haben als Ursache fast immer einen Isolationsfehler (Defekt mit Nässe und/oder Schmutz, leitender Staub). Ausnahmen sind z.B.:

  • Beschaltungen zwischen L/N und PE (normgerechte Ableitkondensatoren mit einem Ableitstrom von mehr als 3,5 mA, Entladewiderstände 40 kΩ)
  • Nässe an hygroskopischen Isoliermaterialien (Heizgeräte)1)
  • funktionsbedingte Ursachen (Elektroden im Wasser)1)

1) Achtung! In diesen Fällen ist die Schutzleiterstrommessung mit Netzspannung, d.h. mit der Differenzstrom- oder der direkten Messmethode, durchzuführen (Messungen a).

Auch aus diesen Gründen müssen die Messwerte vom Prüfer kritisch bewertet werden. Um sie beurteilen zu können, sind genaue Kenntnisse über den Prüfling erforderlich. Die Messunsicherheit (bisher: Messfehler, Betriebsmessabweichung, Gebrauchsfehler) der Prüfgeräte muss beim Bewerten des Messwerts nicht berücksichtigt werden, da es beim Beurteilen nur auf die Größenordnung und nicht auf den genauen Betrag des gemessenen Ableitstroms ankommt.

Die früher übliche und bei vielen Prüfgeräten auch heute noch vorgesehene sogenannte "Messung des Ersatz-Ableitstroms" ist immer eine Messung des Schutzleiterstroms oder des Ableitstroms mit einer Ersatzschaltung. Sie ist wegen ihrer Nachteile nicht allgemein zugelassen. In bestimmten Fällen hat sie aber auch einige Vorteile (siehe DIN VDE 0701-0702 und Fachliteratur).

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Autoren: Dipl.-Ing. Klaus Bödeker, Stefan Euler

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