4,5/5 Sterne (41 Stimmen)
Was ist richtig: Euro- oder Schukostecker? 4.5 5 41

Was ist richtig: Euro- oder Schukostecker?

(Kommentare: 17)

Stecker mit Steckdose
Euro- oder Schukostecker? (Bildquelle: Photoblaz/iStock/Thinkstock)

Frage aus der Praxis

Ist es statthaft Schukostecker an 2-adrige Leitungen von schutzisolierten Geräten, statt einen Euro-Stecker anzuschließen? In der Praxis werden viele Geräte der Schutzklasse 2 mit Schukostecker vorgefunden. Bei der Wiederholungsprüfung ist dann das Problem, dass die Messgeräte diese als Schutzklasse 1 erkennen.

Antwort des Experten

Stefan Euler

Das Thema Auswechseln von Steckern an 2-adrigen Anschlussleitungen, bei Betriebsmitteln mit doppelter oder verstärkter Isolierung als Betriebsmittel der Schutzklasse II bezeichnet, ist ein oft und heiß diskutiertes Thema.

Die Frage, die immer wieder aufgeworfen wird: Darf ich einen Schutzkontaktstecker an die 2-adrige Anschlussleitung anbringen oder nicht?

Geräte der Schutzklasse II erkennt man an folgendem Zeichen:

Zeichen für Geräte der Schutzklasse II
Zeichen für Geräte der Schutzklasse II

Bei dieser Thematik muss zuerst eine klare Definition von Begrifflichkeiten bei Steckern einhergehen.

Eurostecker

Der Eurostecker darf mit maximal 2,5 Ampere belastet werden. Typische Anwendungsgebiete des Eurosteckers sind Geräte der Schutzklasse II mit geringerer Leistung, wie beispielsweise Radios und Leuchten. Wird eine höhere Stromfestigkeit benötigt, wird der Konturenstecker ohne Schutzleiter verwendet.

Eurostecker mit angespritzer Leitung
links: Eurostecker mit angespritzer Leitung, rechts: Eurostecker zum nachträglichen Anschluss

Konturenstecker

Der Konturenstecker (Typbezeichnung: CEE 7/17) wurde entwickelt, um, ähnlich wie der Eurostecker, universell in Europa verwendet werden zu können. Dieser Stecker kommt häufig bei Geräten der Schutzklasse II wie Staubsaugern, Haartrocknern, Bohrmaschinen usw. zum Einsatz, deren Stromaufnahme höher als 2,5 A ist und somit der Anwendungsbereich des Eurosteckers (max. 2,5 A) nicht mehr zugelassen ist.

Konturenstecker zum nachträglichen Anschluss
links: Konturenstecker zum nachträglichen Anschluss, rechts: zerlegter Konturenstecker
Konturenstecker mit angespritzter Leitung
Konturenstecker mit angespritzter Leitung

Schukostecker

Dieser Schutzkontaktstecker (Typbezeichnung: CEE 7/7) wird im Normalfall zum Anschluss an eine 3-adrige Leitung verwendet: ein Außen- und ein Neutralleiter zuzüglich des geerdeten Schutzleiters.

Schukostecker
links: Schukostecker mit angespritzter Leitung, rechts: Schukostecker zum nachträglichen Anschluss

Nun zu der eigentlichen Frage: Aus meiner Sicht gibt es in den derzeit gültigen Normen diesbezüglich keine eindeutig Regelung. Auch dürfen sich die Elektrofachkräfte (EFK) bzw. befähigten Personen (bP) nicht hinter einem mundgerecht servierten Kochrezept verstecken. Damit meine ich Normen oder sonstige zur Anwendung gelangende Gesetze und Vorschriften. Denn die von vielen gewünschten Kochrezepte gibt es nicht und wird es auch nie geben! Vielmehr kommt es auf die richtige Befähigung der Fachkräfte an, die eine solche Entscheidung zu treffen haben.

Fragen, die sich die EFK bzw. bP stellen sollte

Gibt es auch einen auswechselbaren Stecker für 2-adrige Anschlussleitungen, der die geforderten Eigenschaften für den Einsatz im rauen Betrieb mit sich bringt?

Ja, solche Stecker gibt es unter der Bezeichnung Konturenstecker, siehe vorstehende Erläuterung. Jedoch ist ein solcher Konturenstecker meistens nicht als Ersatzteil in den Unternehmen verfügbar!

Wie sieht es nun mit dem Anbringen eines Schutzkontaktsteckers an eine 2-adrige Anschlussleitung eines Geräts der Schutzklasse II aus?

Es spricht aus meiner Sicht nichts dagegen einen Schukostecker als Ersatz an eine 2-adrige Anschlussleitung von SK-II-Geräten, statt eines Konturensteckers (TYP CEE 7/17), anzuschließen.

Folgende Punkte müssen Beachtung finden:

  • Ist der Stecker mechanisch kompatibel zur Anschlussleitung?
  • Kann eine richtige Zugentlastung hergestellt werden?
  • Ist die erforderliche Schutzart zu gewährleisten?

Können diese Fragen eindeutig mit "Ja" beantwortet werden, besteht kein Risiko des Anschlusses eines Schukosteckers statt eines Konturensteckers an eine 2-adrige Anschlussleitung von SK-II-Geräten.

Wie eingangs schon erwähnt, gibt es durch solche Reparaturen natürlich Folgeprobleme!

Bei den erforderlichen Prüfungen der Betriebsmittel nach VDE 0701-0702 gibt es Messgeräte (z.B. Secutest- Geräte der Firma GMCI), die automatisch anhand des vorhandenen Steckers die Klassifizierung des Prüflings vornehmen. Das wiederum bringt Probleme bei der nachfolgenden Prüfung mit sich. Wenn der zum Einsatz gelangte Prüfer nicht die notwendige Befähigung besitzt, diesen Umstand richtig zu deuten, wird das Prüfergebnis natürlich wegen nicht bestandener Schutzleiterprüfung (RSL) negativ ausfallen.

Kurze Erläuterung

Nach § 3 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) hat der Arbeitgeber "Art und Umfang erforderlicher Prüfungen von Arbeitsmitteln sowie die Fristen von wiederkehrenden Prüfungen gemäß den §§ 14 und 16 zu ermitteln und festzulegen,... Ferner hat der Arbeitgeber zu ermitteln und festzulegen, welche Voraussetzungen die zur Prüfung befähigten Personen erfüllen müssen, die von ihm mit den Prüfungen von Arbeitsmitteln gemäß den §§ 14, 15 und 16 zu beauftragen sind."

Näher möchte ich an dieser Stelle auf diese doch recht brisante Thematik, der befähigten Person, nicht eingehen.

Eine weitere häufig gestellte Frage ist:

An einem schutzisoliertem Gerät ist der Anschlussstecker (Konturenstecker CEE 7/17) bzw. die 2-adrige Anschlussleitung defekt. Darf eine 3-adrige Anschlussleitung mit Schutzkontaktstecker hier zur Anwendung gelangen?

Antwort:

Frühere Normen enthielten Aussagen zur Anschlussleitung einschließlich Stecker.
Aus meiner Sicht gibt es in den derzeit gültigen Normen diesbezüglich keine eindeutige Aussage mehr.
In früheren Ausgaben der Normen der Reihe VDE 0100, z.B. in VDE 0100-410:1983-11, gab es zumindest den direkten Hinweis, dass Schutzkontaktstecker und eine Anschlussleitung mit Schutzleiter an schutzisolierten Betriebsmitteln nicht grundsätzlich verboten war.

Dies galt für den Fall, wo der Schutzleiter am Betriebsmittel nicht angeschlossen wird. Im Abschnitt 6.2.8 dieser Ausgabe hieß es hierzu:

Enthält die Anschlussleitung eines Betriebsmittels einen Schutzleiter, so muss dieser im Stecker angeschlossen werden, während im Betriebsmittel kein Anschluss erfolgen darf.
Somit war klar ausgesagt, dass ein Betriebsmittel sofern in der Betriebsmittel-Norm nichts anders festgelegt war, sowohl im Neuzustand als auch bei Instandsetzung mit einer 3-adrigen Anschlussleitung versehen werden durfte, die einen Schutzleiter enthält. Es durfte auch ein Schutzkontaktstecker verwendet werden.

Heute gibt es sowohl in der VDE 0701-0702 vom Juni 2008 "Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte und Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte" als auch in den Normen der Reihe VDE 0700 für die Herstellung handgeführter elektrischer Betriebsmittel diesbezüglich keine Festlegungen bzw. negative Aussagen.

Daher bestehen gegen das Auswechseln der 2-adrigen Anschlussleitung gegen eine 3-adrige Anschlussleitung mit Schutzleiter und Schutzkontaktstecker keine Einwände.
Dies setzt voraus, dass der in der Anschlussleitung enthaltene Schutzleiter nicht an berührbar leitfähige Teile des Betriebsmittels der Schutzklasse II, jedoch an den Schutzkontakten des Steckers angeschlossen wird. Im Betriebsmittel sollte nach meiner Meinung der Schutzleiter nicht abgeschnitten werden, sondern entweder an eine entsprechend isoliert ausgeführte und gekennzeichnete Anschlussstelle geführt oder das Ende sicher isoliert und dieser Leiter selbst sicher befestigt werden, sodass eine ungewollte Berührung mit leitfähigen Teilen ausgeschlossen werden kann.

Ein Hinweis sei jedoch noch erlaubt:

Die VDE 0701-0702 trägt der zunehmenden Verwendung falscher Leitungen und Stecker an ortsveränderlichen Betriebsmitteln mit folgender Aussage Rechnung.

Bei der Sichtprüfung ist die Bestimmungsgemäße Auswahl und Anwendung von Leitungen und Stecker zu bewerten! Als Orientierungshilfe kann hier die DGUV Information 203-005 (BGI 600) (alt ZH1/ 249) "Regeln für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Auswahl und Betrieb ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel nach Einsatzbereichen" oder die DGUV Information 203-070 (BGI 5090) "Wiederholungsprüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel" zur Anwendung gelangen.

Stefan Euler

Stefan Euler - Geschäftsführer der MEBEDO Consulting GmbH und MEBEDO Akademie GmbH sowie BDSH e.V. geprüfter Sachverständiger Elektrotechnik

Der Schwerpunkt seiner heutigen Tätigkeit liegt in der Beratung von Unternehmen beim Aufbau einer rechtssicheren Organisationsstruktur im Bereich der Elektrotechnik. Teilweise schließt dies auch die Übernahme der Verantwortung als externe verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) / Interim Manager Elektrosicherheit für die Unternehmen ein.

◁ Zurück

Kommentare

Von A.Z. |

Beim Ersetzen eines defekten Konturensteckers bei Geräten der SK2 nehme ich Schukostecker aus denen ich den Schutzleiteranschluss ausbaue. Somit ist der technisch genau wie ein Konturenstecker einsetzbar und bei der Prüfung sind keine Verwechslungen der SK möglich.

Von Thomas Stein |

Es gibt eine Normenlage, aber eine Entscheidung soll nur eine entsprechend befähigte Fachkraft treffen? Was für ein Müll. Die Norm sagt, was erlaubt ist. Das ist durchaus ein Kochrezept.
Ein SKI-Stecker kann natürlich an einem Gerät sein, dass ihn nicht benötigt. Dann muss man halt aufs Typenschild schauen - und wenn das fehlt, ist das Gerät defekt, weil der PE fehlt. Denn der springende Punkt ist: Es darf keine Gefährdung eintreten. Das ist gewährleistet.

Von Larsi |

Da habe ich auch eine Frage - viele Bohrmaschinen SK II haben weniger als 2.5 A - besitzen aber immer Konturenstecker, dürften Sie ersetzt werden, durch einen Eurostecker?

Von wfheiko |

Aus meiner Sicht gehört zu einem SK II Gerät auch ein "SK II"-Stecker. Wenn ich z.B. einem Bohrmaschine (SK II) prüfe, woran ein Schukostecker (also SK I) montiert wurde, dann hat das Gerät die Sichtprüfung nicht bestanden. Denn für mein Verständnis gehören alle Bestandteile zusammen. Genausogut könnte man dann ja an eine Schreibtischleuchte einen 63A CEE Stecker montieren. Wo wäre da der prinzipielle Unterschied?
Bei einem Schukostecker dürfte man nämlich mit Recht davon ausgehen, daß es ein SK I - Gerät ist, was dann aber dem tatsächlichen Tatverhalt widerspräche. Besonders wenn dann auch noch das Typenschild fehlen sollte.
Übrigens fand ich mal eine Verlängerung vor, die beidseitig mit SK I versehen war. Allerdings hatte das Kabel nur 2 Adern. Tödlich!!!

Von Joachim Lagies |

Hat ein Konturenstecker die Schutzart IP 44

Von Flayte |

Ihr könnt ja nicht richtig lesen! Der Ing. hat gesagt: PHASENprüfer am Metallgehäuse halten. Wenns richtig dampft, dann Finger weg! Wenn nicht, dann SPANNUNG prüfen. Ich kenne keinen richtigen Elektriker, der das nicht so macht.

Von Hartmuth Zittlau |

Eine solche Messung(Phasenprüfer) kann m.E. mitnichten eine "zweipolige Spannungsmessung" ersetzen! Die richtige Handhabung eines "Duspols" beinhaltet die Messung unter Last(eingebauter Lastwiderstand) zwischen L1/N und L1/PE, wobei gleichzeitig die Auslösung eines RCDs überprüft werden kann....jedoch ersetzt diese NICHT die Wirksamkeit des RCDs, siehe 0100/T600!

Von Werner Alset |

Ich stimme Herrn Kahlert volkommen zu. Die Überprüfung mit einem Phasenprüfer halte ich für eine schnelle und in ihrer Aussagekraft sichere Alternative.

* Pflichtfeld