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So prüfen Sie nach VDE 0701-0702

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Erstellen Sie für die Prüfung des Schutzleiters ein Prüfkonzept
Bildquelle: sinemaslow/iStock/Thinkstock

Beitrag aus dem Jahr 2013, aktualisiert am 02.06.2016
Nicht alle ortsveränderlichen elektrischen Arbeitsmittel können für die elektrotechnische Prüfung vom Versorgungsnetz getrennt werden. In so einem Fall bleiben dem Prüfer nur die Sichtprüfung, die Prüfung des Schutzleiterwiderstands und eine Prüfung auf Berührungsstrom.

Prüfung über eine Parallelverbindung

Bei der Messung des Schutzleiterwiderstands muss – wie stets – der Prüfaufbau berücksichtigt werden. Auch kann der Anschluss des Messgeräts an eine in einem anderen Stromkreis befindliche Netzsteckdose zu einem erhöhten Messwert führen. In der rechtssicheren Dokumentation der Prüfung muss vermerkt werden, dass es sich nur um eine Teilprüfung handelte. Grundsätzlich bedarf es dabei eines ganzheitlichen Prüfkonzepts.

Verantwortung und Ermittlung des Prüfumfangs

Abb. 1: Ermitteln Sie anhand der Gefährdungsbeurteilung Prüfart, Prüffrist und Prüfumfang (Checkliste zum Download: elektrofachkraft.de - Das Magazin)

Ausschnitt einer Gefährdungsbeurteilung

Grundsätzlich ist der Arbeitgeber verantwortlich für die sichere Bereitstellung und bestimmungsgemäße Verwendung von Arbeitsmitteln in seinem Unternehmen/Betrieb. Im Bereich der Elektrotechnik wird diese Verantwortung in den meisten Fällen auf die verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) übertragen.
Fällt ein Unternehmen/Betrieb in den Anwendungsbereich der VDE 1000-10 „Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“ und/oder der VDE 0105-100 „Betrieb von elektrischen Anlagen“, ist eine verantwortliche Elektrofachkraft für die ihr übertragenen Aufgaben in einer schriftlichen Bestellung zu beauftragen. In der Verantwortung der verantwortlichen Elektrofachkraft liegt es dann, auch der Forderung nach Gefährdungsbeurteilungen für elektrische Arbeitsmittel nachzukommen. Nach § 3 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) ist durch diese Gefährdungsbeurteilung Prüfart, Prüffrist und Prüfumfang der zu prüfenden Arbeitsmittel zu ermitteln.

Wenn die Trennung vom Versorgungsnetz nicht möglich ist

Abb. 2: Nicht immer können die Geräte für die Prüfung vom Netz getrennt werden (Bildquelle: i3D_VR/iStock/Thinkstock)

Server können nicht vom Versorgungsnetz getrennt werden

Werden ortsveränderliche elektrische Arbeitsmittel geprüft, sind diese, wenn möglich, vom Versorgungsnetz zu trennen. Zur Prüfung wird dann der Netzstecker des Arbeitsmittels in die dafür vorgesehene Prüfsteckdose am Messgerät eingesteckt.
Allerdings gilt es, folgende wichtige Punkte zu beachten: Zum einen kommt es auf das verwendete Messgerät an. Einige auf dem Markt erhältliche Messgeräte können keine Netzspannung, also 230 V, auf den Prüfling geben und in vielen Fällen kann dann am Prüfling keine vollumfängliche Prüfung ausgeführt werden.
Zum anderen kann – aufgrund betrieblicher Gegebenheiten – nicht jedes elektrische Arbeitsmittel zur Prüfung vom Versorgungsnetz getrennt werden (Server, evtl. PC etc.).

Ein ganzheitliches Prüfkonzept ist notwendig

Hierzu muss eine entsprechende Prüforganisation in einem funktionierenden ganzheitlichen Prüfkonzept (Managementsystem) erstellt werden, um auch diese Arbeitsmittel in einem gewissen Umfang sicherheitstechnisch zu überprüfen. Im Anhang D der VDE 0701-0702 „Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte – Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte“ ist hierzu Folgendes erläutert:

Anhang D der VDE 0701-0702

„[…] Es ist Sache der für die Prüfung verantwortlichen Elektrofachkraft zu entscheiden, ob ein fest mit der Anlage verbundenes elektrisches Gerät bei Wiederholungsprüfungen

  • mit der Anlage (freigeschaltet oder unter Spannung stehend) nach VDE 0105-100 oder
  • für sich nach dieser Norm elektrisch getrennt von der Anlage oder gemeinsam mit einem Teil der Anlage (spannungsfreier oder unter Spannung stehender Stromkreis)

geprüft wird. […]“

Schon in der zurückgezogenen VDE 0701-240 „Instandsetzung, Änderung und Prüfung elektrischer Geräte“ vom April 1986 wurde auf diese Thematik genauer eingegangen. Seit Juni 2008 ist nun für die Prüfung von ortsveränderlichen elektrischen Arbeitsmitteln die vereinigte Norm VDE 0701-0702 „Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte – Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte“ maßgeblich. Hier wird in Abschnitt 5.3 „Schutzleiterwiderstand“ ebenfalls die Thematik der Messung über eine Parallelverbindung genauer aufgegriffen und stellt somit eine Möglichkeit dar, ohne Trennen der Netzverbindung den Prüfling in einem gewissen Umfang zu überprüfen.

Durchführung möglicher Prüfschritte

Erster Schritt: Sichtprüfung

Wie bei allen Prüfungen, beginnt auch die Überprüfung des vermeintlich ortsfesten Prüflings (nicht vom Versorgungsnetz zu trennender Prüfling) mit einer Sichtprüfung. Beispielhafte Sichtprüfungspunkte werden in der VDE 0701-0702 in Abschnitt 5.2 aufgeführt.

Zweiter Schritt: Schutzleiterwiderstand

Je nach Messgerät kann sich der Aufbau bezüglich der Messung des Schutzleiterwiderstands (RSL) unterscheiden. In den meisten Fällen muss das Messgerät über die zum Prüfling benachbarte Steckdose mit dem Versorgungsnetz verbunden werden.

Abb. 3: Möglicher Anschluss des Messgeräts bei einem fest angeschlossenen oder momentan, über eine Steckdose des Versorgungsnetzes, fest angeschlossenen Prüflings (Klicken Sie auf die Abbildung, um sie zu vergrößern)

Möglicher Anschluss des Messgeräts bei einem fest angeschlossenen oder momentan, über eine Steckdose des Versorgungsnetzes, fest angeschlossenen Prüflings

Wird nun die Prüfsonde mit dem Schutzleiter des Prüflings verbunden, fließt der vom Messgerät erzeugte Mindestprüfstrom von 200 mA (AC oder DC) über die Anschlussleitung des Messgeräts, die beiden Netzsteckdosen, die Anschlussleitung des Prüflings, über die Kontaktstelle zur Prüfsonde. Durch die Prüfsonde wird der Stromkreis zum Messgerät wieder geschlossen und der Widerstand kann vom Messgerät ermittelt werden.

Allerdings obliegt es dem Prüfer als „befähigte Person“ (bP) nach § 2 (6) der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und nach Abschnitt 3.3 der konkretisierenden Technischen Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 1203 „Befähigte Personen – Allgemeine Anforderungen“, den gemessenen Wert mit dem physikalischen Üblichkeitswert, der durch Leitungslänge, Leitungsquerschnitt, dem spezifischen Widerstand und den Übergangswiderständen zu erwarten ist, zu beurteilen (siehe VDE 0701-0702 Abschn. 5.3).

Die Beurteilung des Messwerts ist besonders wichtig beim Anschluss des Messgeräts an eine zwar benachbarte, aber keinesfalls im gleichen Stromkreis befindliche Netzsteckdose. Bei dieser Messung des RSL würde der Prüfstrom den Weg über die Verteilung, über den Prüfling hin zur Prüfsonde wählen. Dieser Umstand hätte einen erhöhten Messwert zur Folge, den es zu bewerten gilt. Bei dieser Messmethode ist außerdem zu beachten, dass parallele Erdverbindungen (z.B. Wasserleitungen oder Datenleitungen) das Messergebnis beeinflussen oder das Vorhandensein des Schutzleiters vortäuschen können.

Gegebenenfalls ist der Prüfling während der Messung von Erde isoliert aufzustellen und von geerdeten Systemen wie Datenleitungen etc. zu trennen, um den exakten Zustand des Schutzleiters zu ermitteln. Während der Messung ist die Anschlussleitung zu bewegen, um evtl. Leitungsbrüche aufzudecken. Die Messung über die benachbarte Steckdose mit einem Prüfstrom von mehr als 200 mA durchzuführen, ist nicht zu empfehlen.

Dritter Schritt: Prüfen auf Berührungsstrom

Neben der Messung des RSL kann, ohne Trennung vom Netz, nur noch der Berührungsstrom IB an allen berührbaren leitfähigen Teilen des Prüflings ermittelt werden. Sollte auf einem berührbaren leitfähigen Teil des Prüflings ein Berührungsstrom IB vorhanden sein, wird beim Abtasten mit der Prüfsonde (Erdpotenzial) der Stromkreis zur Erde geschlossen. Der nun fließende Strom wird durch ein Milliamperemeter im Messgerät ermittelt und als Berührungsstrom IB angezeigt.
Allerdings kann eine sicherheitstechnische Aussage nur für die jeweils vorhandene Steckerposition getätigt werden.

Dokumentation der Prüfung

Abb. 4: Ausschnitt eines Protokolls für die Wiederholungsprüfung (Prüfprotokoll zum Download: elektrofachkraft.de - Das Magazin)

Prüfprotokoll für die Wiederholungsprüfung

In der erforderlichen Dokumentation, die dem Prüfling wegen der Gerichtsverwertbarkeit eindeutig zugeordnet ist, muss neben den Einzelmessungen und Messwerten auch folgender Hinweis für den Betreiber enthalten sein:

„Die erfolgte Prüfung (nach der oben beschriebenen Messmethode) war nur eine Teilprüfung. Bei der nächsten Abschaltmöglichkeit oder bei dem Tausch der Steckerposition ist am Prüfling eine komplette Prüfung nach VDE 0701-0702 vorzunehmen.“

VDE 0701-0702 Abschnitt 5.1:

„[…] Kann eine der Einzelmessungen nicht durchgeführt werden, so ist vom Prüfer zu entscheiden, ob die Sicherheit des Gerätes trotzdem bestätigt werden kann. Diese Entscheidung ist zu begründen und zu dokumentieren. […]“

VDE 0701-0702 Anhang D zu Abschnitt 5.1:

„[…] Zu beachten ist dabei, dass Geräte die über einen Stecker angeschlossen werden, nach dem Trennen von der Anlage vor dem nächsten Benutzen einer vollständigen Wiederholungsprüfung nach dieser Norm unterzogen werden sollten. […]“

Diese erforderliche Dokumentation im Prüfbericht macht deutlich, dass das reine Anbringen einer Prüfplakette zur Dokumentation von Prüfungen, wie es teilweise namhafte Institutionen propagieren, nicht ausreicht. Auch die TRBS 1201 „Prüfung von Arbeitsmitteln und überwachungsbedürftiger Anlagen“ vom August 2012 fordert neben dem Anbringen einer Prüfplakette am Prüfling eine zusätzliche Dokumentation, z.B. der Einzelprüfungen, und Aussagen zum Weiterbetrieb.

Weiter heißt es in Abschnitt 4.2.2 Abs. 2:

„Prüfungen können auch in elektronischen Systemen und zusätzlich in Form einer Prüfplakette dokumentiert werden.“

Fazit

In einem ganzheitlichen Prüfkonzept (Managementsystem) kann diese Art von Messmethode als zusätzliche Maßnahme zur Sicherstellung des sicheren Betriebs von Arbeitsmitteln (z.B. Server) eingesetzt werden. Hierbei wird schon die Beschaffung eines elektrischen Arbeitsmittels in das ganzheitliche Prüfkonzept (Managementsystem) mit einbezogen. So kann mit einem Herstellernachweis über die elektrische Sicherheit und einer dokumentierten Sichtprüfung im Unternehmen/Betrieb (Transportschaden) ebenfalls der Forderung einer Prüfung vor der ersten Inbetriebnahme (§ 15 BetrSichV) nachgekommen und der Nachweis der sicheren Bereitstellung von elektrischen Arbeitsmitteln geführt werden. Weiter können über eine Gefährdungsbeurteilung zusätzliche Maßnahmen wie regelmäßige Sichtprüfung, eine „Parallelmessung“ und eine Unterweisung der Benutzer im Umgang mit den elektrischen Arbeitsmitteln festgelegt werden.
Durch diese „vorbeugenden Maßnahmen“ lässt sich ein Prüfintervall für eine vollständige messtechnische Wiederholungsprüfung sinnvoll und nachvollziehbar anpassen.

Autoren: Stefan Euler, Richard Lauer

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Kommentare

Kommentar von Manfred Schmid |

Sehr gut und "Praxisnah "beschriebene Handlungsweisen

Kommentar von Ulrich Scholz |

Praxisnahe Beschreibung des Sachverhalts. Gute Formulierungen und verständliches Vokabular.
Sehr gut

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