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Instandhaltung: Normen kennen und richtig anwenden

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Zahlreiche Normen stellen Anforderungen an die sichere Ausführung elektrotechnischer Tätigkeiten.
Zahlreiche Normen stellen Anforderungen an die sichere Ausführung elektrotechnischer Tätigkeiten. (Bildquelle: Hongqi Zhang/iStock/Getty Images)

Kenntnisse der Normen sind unerlässlich

Die Elektrofachkraft muss über ausreichende Kenntnisse des aktuell geltenden Regelwerks der Elektrotechnik verfügen. Denn nur durch das Wissen über die Normen, die Auswahl der richtigen Normen und die Umsetzung der Anforderungen kann die Elektrofachkraft die Sicherheit der Mitarbeiter und der elektrischen Anlagen gewährleisten.

Die Installation einer oder mehrerer Maschinen innerhalb eines Produktionsabschnitts besteht aus der Errichtung einer Niederspannungsanlage und aus dem Aufstellen und fachgerechten Anschließen der Maschine sowie der elektrischen Ausrüstung der Maschine selbst. Die Gewährleistung der Sicherheit der gesamten Anlage kann nicht mit einer einzigen Norm abgedeckt werden. Um die Instandhaltung innerhalb eines Produktionsbetriebs verantwortlich leiten bzw. durchführen zu können, muss die Elektrofachkraft die wesentlichen Normen zur Ausübung der damit verbundenen elektrotechnischen Arbeiten an Maschinen kennen und die zutreffenden auswählen.

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Übersicht der VDE-Normen

  • VDE-Gruppe 00 und 01: Grundsätze und Energieanlagen
  • VDE-Gruppe 02: Energieleiter
  • VDE-Gruppe 03: Isolierstoffe
  • VDE-Gruppe 04: Messen, Steuern, Prüfen
  • VDE-Gruppe 05: Maschinen, Umformer
  • VDE-Gruppe 06: Installationsmaterial, Schaltgeräte
  • VDE-Gruppe 07: Gebrauchsgeräte, Arbeitsgeräte
  • VDE-Gruppe 08: Informationstechnik

VDE 0100 – Planung, Errichtung und Instandhaltung elektrischer Anlagen

Dieser Teil der Gruppe 01 ist der unter Handwerkern wohl bekannteste.

Zur Beurteilung und Gewährleistung der elektrotechnischen Sicherheit einer Gesamtanlage (inklusive der Maschinen) hat die Elektrofachkraft auch die Anforderungen an die versorgende Anlage zu beachten. Um also die Sicherheit der Mitarbeiter im Umgang mit der jeweiligen Maschine zu gewährleisten und um zu jedem Zeitpunkt eine gefährliche Körperdurchströmung ausschließen zu können, sind die Schutzmaßnahmen aus der VDE 0100-410 „Errichten von Niederspannungsanlagen - Teil 4-41: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag“ und die darin beschriebenen Anforderungen einzuhalten. Gleichzeitig sind die unter der VDE 0100-600 „Errichten von Niederspannungsanlagen - Teil 6: Prüfungen“ beschriebenen Maßnahmen zu überprüfen. Die angewendeten Schutzmaßnahmen verhindern eine direkte Berührung mit gefährlichen aktiven Teilen der Anlage (Schutz bei direktem Berühren) und gewährleisten eine rechtzeitige Abschaltung der Spannungsversorgung im Fehlerfall (Schutz bei indirektem Berühren), sodass berührbare Teile niemals zu aktiven Teilen werden können.

Die angewendeten Maßnahmen müssen im Rahmen der vorbeugenden Instandhaltung regelmäßig geprüft und dokumentiert werden.

Zusätzlich zum Teil 410 der Norm geben folgende Teile aus der Reihe der VDE 0100 wesentliche Informationen für den Instandhalter:

  • In der DIN VDE 0100-420 „Schutzmaßnahmen – Schutz gegen thermische Auswirkungen“ werden die Maßnahmen zum Schutz vor den thermischen Auswirkungen einer elektrischen Anlage beschrieben. Wesentlicher Bestandteil dieser Norm ist auch die ehemalige VDE 0100-482 mit den Anforderungen an Betriebsstätten besonderer Art (feuergefährdete Betriebsstätte).
  • DIN VDE 0100-430 „Schutzmaßnahmen – Schutz bei Überstrom“ beschreibt die Anforderungen an den Leitungsschutz. Durch die Einhaltung dieser Norm wird sichergestellt, dass Leitungen gegen Überlastung in ausreichendem Maße und in der vorgesehenen Zeit geschützt sind. Dies hat insbesondere im Falle eines Kurzschlusses oder Körperschlusses eine wesentliche Bedeutung.
  • DIN VDE 0100-510 bis 0100-530 „Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel“ beschreibt die fachgerechte Auswahl aller notwendigen elektrischen Betriebsmittel in Bezug auf die Einhaltung der notwendigen Schutzmaßnahmen.
  • DIN VDE 0100-600 „Prüfungen“ stellt die Mindestanforderungen an die Erst- und Wiederholungsprüfung elektrischer Anlagen fest. Dies dient der Sicherstellung der unter VDE 0100 aufgeführten Sicherheitsnormen. Es finden sich darüber hinaus auch Anforderungen an einen zu erstellenden Prüfbericht.

DIN VDE 0105-100 – Betrieb elektrischer Anlagen und Betriebsmittel

Die Norm 0105-100 der Gruppe 01 behandelt den sicheren Betrieb von elektrischen Anlagen und umfasst alle mit der elektrischen Anlage verbundenen üblichen Tätigkeiten der Elektrofachkraft. Der Aufrechterhaltung des ordnungsgemäßen Zustands der elektrischen Anlage wird besondere Bedeutung zugewiesen. Eine elektrische Anlage ist regelmäßig zu warten und instand zu halten, um die elektrotechnische Sicherheit gewährleisten zu können.

Die Aufrechterhaltung beinhaltet das Messen, Erproben und Prüfen einer elektrischen Anlage. Die beschriebenen Maßnahmen müssen in regelmäßigen Abständen durchgeführt und dokumentiert werden. Die Abstände der Überprüfung sind festzulegen und dürfen mit Ausnahme von Anlagen mit besonderem Risiko einige Jahre betragen.

Als Richtwert für die Abstände der Prüfungen werden in der Praxis oftmals die Werte aus der DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ übernommen. Die Werte haben sich in der Vergangenheit als richtig erwiesen und können zurate gezogen werden; allerdings obliegt die Festlegung der Prüfintervalle stets der Beurteilung der Elektrofachkraft.

Übersicht der empfohlenen Prüffristen elektrischer Anlagen und Betriebsmittel.
Übersicht der empfohlenen Prüffristen elektrischer Anlagen und Betriebsmittel.

DIN VDE 0113-1 „Sicherheit von Maschinen“

Eine weitere Norm für den Instandhalter von elektrischen Anlagen und Maschinen ist die DIN VDE 0113-1 „Sicherheit von Maschinen – Elektrische Ausrüstung von Maschinen“, welche durch ihren internationalen Stellenwert als DIN EN 60204-1 über eine Sonderposition verfügt. In der Norm sind alle erforderlichen Maßnahmen aufgeführt, die zur Sicherheit und Eignung der elektrischen Ausrüstung einer Maschine unter Betriebsbedingungen ihrer bestimmungsgemäßen Verwendung notwendig sind. Die jeweiligen Sicherheitsanforderungen an die elektrische Ausrüstung der Maschine sind mit der Risikobeurteilung zu bestimmen.

Für die Elektrofachkraft als Instandhalter ist dies von großer Bedeutung, da sie bei einer wesentlichen Änderung an sicherheitsrelevanten Bauteilen einer Maschine leicht zum Hersteller gemäß Maschinenrichtlinie 2006/42/EG werden kann.

Autor: Jörg Belzer, B. Eng., MBA

Jörg Belzer

Jörg Belzer

Leiter der technischen Abteilung des Logistikzentrums einer Handelskette

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