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Anforderungen der neuen DIN EN 62446 3.9 5 8

Anforderungen der neuen DIN EN 62446

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Rechtssicherer Betrieb einer PV-Anlage - Bild
Rechtssicherer Betrieb einer PV-Anlage (Bildquelle: Thinkstock)

Für den Errichter und Anlagenbetreiber von Photovoltaikanlagen gibt es mit der DIN EN 62446 eine neue normative Grundlage, die detailliert, die Mindestanforderungen an Systemdokumentation, Inbetriebnahmeprüfung und wiederkehrende Prüfungen beschreibt.

Die neue DIN EN 62446 (VDE 0126-23):2010-07 beschreibt

  • Inhalte der Systemdokumentation
  • durchzuführende Prüfungen und Messungen zur Inbetriebnahme
  • wiederkehrende Prüfungen und Messungen für den rechtssicheren Betrieb.

In Verbindung mit der DIN VDE 0100-712:2006-06 „Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 7-712: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Solar-Photovoltaik-(PV)-Stromversorgungssysteme“ ergibt das eine sehr gute Grundlage für das rechtssichere Errichten und Betreiben von PV-Anlagen.

Die Norm fordert eine standardisierte Dokumentation, um die wichtigsten Systemdaten dem Kunden und Betreiber, Prüfer oder Wartungsingenieur zur Verfügung zu stellen. Eine ganze Reihe an Dokumentationen ist gefordert, die auch in einer sinnvollen Struktur aufgelistet werden sollen.

Angefangen wird mit den Forderungen zu Typenschildangaben in Abschnitt 4.2 „Grundlegende Systemangaben“. Hier sind folgende Punkte gefordert:

  • Projektidentifikation,
  • Bemessungsleistung,
  • Installationsdatum,
  • Datum der Inbetriebnahme,
  • Name des Kunden
  • Anschrift des Aufstellungsorts.

Im Folgenden müssen sich alle beteiligten Unternehmen der Entwicklung und Installation mit ihren Kontaktdaten und Aufgabengebieten detailliert ausweisen.

Abschnitt 4.3 fordert einen Stromlaufplan der gesamten Anlage mit detailreichen Angaben zu den Bauteilen, wie etwa Typenangaben, Stückzahlen von Modulen, Kabeln, Leitungen, Steckern, Anschlussdosen.

Der Stromlaufplan erstreckt sich vom PV-Generator über die DC-Verkabelung mit eventuell eingebauten Überstromschutzeinrichtungen und Sperrdioden über die Erdung und den Überspannungsschutz bzw. Blitzschutz bis hin zum Wechselstromnetz.

Abb. 1: Übersichtsplan in einpoliger Ausführung für eine Anlage mit zwei Wechselrichtern

Übersichtsplan

Weiterführend stellt die VDE 0126-23 Forderungen nach Datenblättern von den verbauten Modultypen (nach IEC 61730-1) und Wechselrichtertypen.

Ebenso werden in einer Anmerkung weitere Datenblätter von wichtigen Anlagenkomponenten in Betracht gezogen. Anmerkungen sind zwar nicht bindend, im Streitfall vor Gericht fällt es jedoch schwer zu begründen, warum man dieser Anmerkung keine Beachtung geschenkt hat.

Erstaunlich, aber sehr sinnvoll in einer Elektronorm ist die Forderung in Abschnitt 4.5 „Angaben über die mechanische Konstruktion“ nach einem Datenblatt des Montagesystems bzw. Gestells.

In Abschnitt 4.6 „Betriebs- und Wartungsangaben“ werden folgende Punkte gefordert:

  • Verfahren zum Nachweis des korrekten Anlagenbetriebs
  • Checkliste, was im Anlagenausfall zu tun ist
  • Notabschaltungen/Trennverfahren
  • Empfehlungen für die Wartung und Reinigung
  • Überlegungen hinsichtlich zukünftiger Arbeiten am Gebäude, die sich auf den PV-Generator auswirken können (z.B. Dacharbeiten)
  • Gewährleistungsangaben für PV-Module und Wechselrichter, Datum des Gewährleistungsbeginns und Gewährleistungsdauer
  • Angaben über die zutreffende Ausführungsqualität oder über die Garantie der Wasserdichtheit

Prüfungen

Alle Prüfungen sollten während der Montage und bei Fertigstellung in Bezug auf die IEC 60364-6 (DIN VDE 0100-600:2008-06) durchgeführt werden.

Besichtigen des Gleichstromsystems

  • Es ist ein Nachweis zu erbringen, dass das Gleichstromsystem im Allgemeinen nach den Anforderungen in der IEC 60364-6 und im Besonderen nach den Anforderungen der DIN VDE 0100-712 ausgelegt, ausgewählt und errichtet worden ist.
  • Ebenso nachzuweisen ist: Gleichstromkomponenten sind für den Betrieb bei Gleichstrom und der höchstmöglichen Spannung des Gleichstromsystems sowie für den höchstmöglichen Bemessungsstrom ausgelegt.
  • Ein Schutz durch Anwendung der Schutzklasse II oder einer gleichwertigen Isolation auf der Gleichstromseite ist realisiert.
  • PV-Strangkabel, PV-Generator-Kabel und PV-Gleichstromhauptkabel sind so ausgewählt und errichtet, dass das Risiko von Erdschlüssen und Kurzschlüssen auf ein Minimum verringert ist; dies wird üblicherweise mit der Anwendung von Kabeln mit Schutzisolierung und verstärkter Isolierung (häufig als „doppelte Isolierung“ bezeichnet) erreicht.
  • Das Verkabelungssystem ist so ausgewählt und errichtet worden, dass es den erwarteten äußeren Einflüssen, wie Wind, Eisbildung, Temperatur und Sonneneinstrahlung, standhält.
  • Für Systeme ohne Strang-Überstrom-Schutzeinrichtung ist die Bemessung des Modulrückstroms (Ir) größer als der mögliche Rückstrom auszulegen. Die Strangkabel müssen so ausgelegt sein, dass sie den höchsten zusammengefassten Fehlerstrom von Parallelsträngen aufnehmen können.
  • Bei Systemen mit Strang-Überstrom-Schutzeinrichtung muss diese eingebaut und korrekt nach den örtlichen technischen Anschlussbedingungen oder nach den Herstelleranweisungen zum Schutz von PV-Modulen ausgelegt sein.
  • Ein Gleichstrom-Lasttrennschalter auf der Gleichstromseite des Wechselrichters ist einzubauen.
  • Sind Sperrdioden eingebaut, muss ihre Rückspannung mindestens 2 · UOC STC des PV-Strangs betragen.
  • Ist ein Gleichstromleiter geerdet, muss mindestens eine einfache Trennung zwischen Wechselstrom- und Gleichstromseite bestehen. Die Erdanschlüsse müssen korrosionsgeschützt sein.
  • Sind Schutzpotenzialausgleichsleiter errichtet, müssen diese parallel und in möglichst engem Kontakt mit den DC- und AC-Kabeln/Leitungen und dem Zubehör errichtet werden.

Schutz gegen Überspannung

  • Ist eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) im Wechselstromkreis installiert und können Gleichfehlerströme nicht ausgeschlossen werden, muss diese vom Typ B sein.
  • Die Fläche aller Verdrahtungsschleifen muss so klein wie möglich gehalten sein, um durch Blitzeinschlag induzierte Spannungen zu verringern.
  • Der Schutz- und/oder Potenzialausgleichsleiter des PV-Generator- und/oder Modulrahmens muss richtig installiert und geerdet sein. Diese Leiter müssen parallel und in möglichst engem Kontakt zu den Gleichstromkabeln liegen.

Das Wechselstromsystem ist im Allgemeinen nach den Anforderungen gemäß IEC 60364 und im Besonderen nach den Anforderungen gemäß DIN VDE 0100-712 ausgelegt, ausgewählt und errichtet worden:

  • Auf der Wechselstromseite muss eine Vorrichtung zur Trennung des Wechselrichters vorgesehen sein.
  • Alle Trenn- und Schalteinrichtungen müssen so angeschlossen sein, dass sich die PV-Installation an der „Lastseite“ und die öffentliche Versorgung auf der „Einspeisseite“ befindet.
  • Betriebsparameter des Wechselrichters müssen entsprechend den örtlichen technischen Anschlussbedingungen oder nach den Herstellerangaben programmiert sein.

Alle Stromkreise, Schutzeinrichtungen, Schalter und Anschlussklemmen besitzen geeignete Aufschriften:

  • Warnhinweise auf Spannung auch nach Abschalten der Netzspannung müssen angebracht sein.
  • Der Wechselstromhauptschalter muss eindeutig beschriftet sein.
  • Am Punkt der Zusammenschaltung müssen Warnhinweise für die Doppelversorgung vorhanden sein.
  • Vor Ort muss ein Prinzipschaltplan angebracht sein.
  • Vor Ort müssen die Schutzeinstellungen des Wechselrichters und Einzelheiten der Installation angegeben sein.
  • Verfahren zur Notabschaltung müssen vor Ort angegeben sein.
  • Alle Aufschriften und Kennzeichnungen müssen dauerhaft und geeignet befestigt sein.

Prüfschritte

Im folgenden Teil wird auf die in der Norm VDE 0126-23 geforderten Messungen eingegangen, um dem Praktiker die notwendigen Prüfschritte und ihre technische Umsetzung in der täglichen Arbeit zu erläutern:

  1. Prüfung aller Wechselstromkreise nach DIN VDE 0100-60
  2. Besichtigen des Gleichstromsystems
  3. Durchgängigkeit der Schutz- und Potenzialausgleichsleiter
  4. Polaritätsprüfung jedes Strangs
  5. Prüfung der Leerlaufspannung jedes Strangs
  6. Prüfung des Kurzschlussstroms jedes Strangs
  7. Funktionsprüfung
  8. Isolationswiderstand der Gleichstromkreise

Diese Reihenfolge der Messungen in der Norm ist für den Praktiker zwar nicht immer der schnellste Weg, die folgenden Prüfpunkte sollten jedoch sinnvollerweise in der genannten Abfolge durchgeführt werden.
Die Messungen am geöffneten Strang sollten zusammengefasst werden, d.h., erst nach der Isolationsmessung sollte die Funktionsprüfung mit der Inbetriebnahme des Wechselrichters erfolgen.

1. Prüfung aller Wechselstromkreise nach DIN VDE 0100-600

Alle Messungen der Wechselstromkreise einer PV-Anlage fallen unter die Norm DIN VDE 0100-600 mit folgenden Prüfschritten:

  • Sichtprüfung auf der AC-Seite
  • Messung der niederohmigen Verbindung von Schutz- und Potenzialausgleichsleitern
  • Isolationswiderstandsmessung
  • Nachweis der Abschaltbedingung
  • Funktionsprüfung (Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen, Schutz- und Sicherheitseinrichtungen)

2. Besichtigen des Gleichstromsystems

Hier macht die Norm keine weiteren Angaben. Dieser Punkt ist bereits im Abschnitt „Besichtigen des Gleichstromsystems“ (s.o. „Prüfungen“) ausgiebig beschrieben worden, daher hier nur der Verweis nach oben.

3. Durchgängigkeit der Schutz- und Potenzialausgleichsleiter auf der DC-Seite

Diese Messung ist zum Beweis der sicheren und zuverlässigen Funktion der Schutz- und Potenzialausgleichsleiter gefordert. Das PV-Montagegestell ist z.B. mit dem Potenzialausgleich des Gebäudes verbunden.

Da in den Normen VDE 0126-23 und der DIN VDE 0100-600 kein Grenzwert angegeben ist, soll sich der befähigte Prüfer daher an den üblichen Werten orientieren, die sich anhand der Leiterlänge, des Leiterquerschnitts, des Leitermaterials und der Verbindungen herleiten lassen.

Abb. 2: Leiterwiderstand R' für Kupferleitungen bei 30 °C in Abhängigkeit vom Leiterquerschnitt S zur überschlägigen Berechnung von Leiterwiderständen

Leiterwiderstand R

Da in den Prüfungen des Wechselstromkreises die Niederohmigkeit des Schutzleiters mit einem Mindestmessstrom von 200 mA gefordert ist, empfiehlt es sich hier, dies ebenfalls anzuwenden.

4. Polaritätsprüfung der einzelnen Stränge

Die Polarität aller Gleichstromkabel ist entsprechend ihrer Beschriftung mit einem entsprechenden Gerät (z.B. Multimeter) zu prüfen. Sinnvollerweise wird der folgende Prüfschritt von Punkt 5 „Prüfen der Leerlaufspannung“ gleich mit erledigt.

Hinweis: Der PV-Generator steht selbst bei geringem Lichteinfall unter Spannung, deswegen sind die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen für Messungen in elektrischen Anlagen einzuhalten. Durch die hohen DC-Spannungen, die in PV-Generatoren üblicherweise anstehen, ist mit einer erhöhten Gefahr durch Lichtbogenunfälle und Körperdurchströmungen zu rechnen, die auch nicht durch eine Sicherung in ihrer Laufzeit bzw. Stärke begrenzt werden.

5. Prüfung der Leerlaufspannung jedes Strangs

Mit einem geeigneten Messgerät (Multimeter oder PV-Prüfgerät) wird die Leerlaufspannung der Stränge gemessen und mit den projektierten Werten verglichen. Eine zu geringe Leerlaufspannung deutet auf fehlende, vertauschte oder defekte Pole von Modulen hin, eine zu hohe Leerlaufspannung bedeutet, dass sich zu viele Module im Strang befinden. Diese Messverfahren bieten die einfache Möglichkeit der Kontrolle der Verdrahtung.

6. Prüfung des Kurzschlussstroms jedes Strangs

Das Prüfen des Kurzschlussstroms jedes Strangs diagnostiziert ebenso Verdrahtungsfehler, wobei die Höhe des Kurzschlussstroms abhängig von der Bestrahlungsstärke ist. Sinnvollerweise sollte hier ein spezielles PV-Messgerät eingesetzt werden, welches diese Messung beinhaltet, es kann aber auch mit einer entsprechenden Schalteinrichtung ein Kurzschluss hergestellt und mit einer Strommesszange oder einem eingeschleiften Strommessgerät gemessen werden.

Da üblicherweise ein PV-Generator aus einer Vielzahl von identischen Strängen besteht, können die Kurschlussströme verglichen werden (auf stabile Bestrahlungsstärken achten!). Wurden die vorangegangenen Messungen erfolgreich durchgeführt, kann laut Norm zur Funktionsprüfung übergegangen werden. Sinnvoll erscheint davor noch die Messung des Isolationswiderstands aus u.s. Punkt 8, da es sich auch anbietet, den Messadapter zum Kurzschließen zu benutzen.

7. Funktionsprüfung

Folgende Funktionsprüfungen werden von der Norm VDE 0126-23 gefordert:

  • Schalt- und Steuergeräte sind auf ihren korrekten Betrieb sowie auf ihren ordnungsgemäßen Anschluss und ihre ordnungsgemäße Montage prüfen.
  • Alle Wechselrichter sind nach vorgegebenen Prüfverfahren der Hersteller zu prüfen, um den korrekten Betrieb sicherzustellen.
  • Schutzeinrichtungen bei Netzausfall sind mit einem Netzausfall zu prüfen, auch auf korrekte Wiederaufnahme ihrer Funktion nach Beseitigung des Netzausfalls.

8. Isolationswiderstand eines PV-Generators

Diese Messung kann bedingt auch „Isolationswiderstand der Gleichstromkreise“ heißen, was aber die Wechselrichter mit einbezieht. Diese – wie auch die Überspannungsableiter – sollten unbedingt abklemmt werden, da sonst eine Zerstörung der empfindlichen Elektronik droht. Ziel der Messung ist es, das Isoliervermögen der Bauteile der Gleichstromkreise festzustellen. Die Werte der Systemspannung ergeben sich aus einer Multiplikation der Leerlaufspannung mit dem Faktor 1,25.

Abb. 3: Grenzwerte und Prüfspannungen der Isolation im DC-Kreis

Grenzwerte und Prüfspannungen

Häufig auftretende Fehler sind ein Versagen der Schutzmaßnahme „Schutz durch doppelte oder verstärkte Isolierung“ und ein damit auftretender Isolationsfehler, der zu erheblichen Gefährdungen wie Brand oder elektrischer Schlag führt. Um diese Gefahr auszuschließen, ist das Messen des Isolationswiderstands ein wichtiges Messverfahren

Abb. 4: Messung des Isolationswiderstands

Messung des Isolationswiderstands

Zur Prüfung des Isolationswiderstands sind zwei Prüfverfahren zur Auswahl gestellt:

  • Prüfverfahren 1: Prüfen zwischen der negativen Elektrode des PV-Generators und Erde, gefolgt von einer Prüfung zwischen der positiven Elektrode des PV-Generators und Erde
  • Prüfverfahren 2: Prüfung zwischen Erde und den miteinander kurzgeschlossenen negativen und positiven Elektroden des PV-Generators

Sinnvollerweise ist das Prüfverfahren 2 direkt nach dem Punkt 6 „Prüfung des Kurzschlussstroms jedes Strangs“ mit der Kurzschlussvorrichtung zu erledigen. Dies verhindert ein zu häufiges Auftrennen bzw. Umstecken der Elektroden des PV-Generators.

Des Weiteren sollte – falls das Modulgestell der PV-Anlage nicht mit dem Potenzialausgleich des Gebäudes verbunden ist – auch der Isolationswiderstand der Elektroden des PV-Generators gegen das Modulgestell gemessen werden, da sich häufig Isolationsfehler gegen das Modulgestell feststellen lassen. Die Ursache hierfür liegt meist in beschädigten DC-Kabeln, die im, am oder auf dem Modulgestell verlegt sind.

Zu beachten bei der Isolationsmessung ist die Schädigung der Wechselrichter und Überspannungsableiter; diese sind vor der Messung aus dem Messkreis herauszutrennen.

Üblicherweise werden Isolationsmessungen im spannungsfreien Zustand durchgeführt, was am PV-Generator selbst bei verdeckten PV-Modulen nur bedingt möglich ist, denn Spannung steht sogar bei geringem Lichteinfall am PV-Generator an. Wird jetzt mit einen schadhaften PV-Generator gemessen, addiert sich die Spannung des PV-Generators im schlechtesten Fall auf die Messspannung des Isolationstesters auf, was zu einer unzulässigen Überhöhung der Systemspannung für Generator und Isolationstester führt – somit droht Zerstörung. Hier gilt es abzuwarten, wie die Fachgremien das weiterverfolgen und welche Lösungsansätze sie erarbeiten.

Eignungsprüfung eines PV-Strangs

Haben alle vorangegangenen Messungen die Richtigkeit und Funktion des PV-Generators bestätigt, wird der Wechselrichter in Betrieb genommen und die Betriebsstromstärke gemessen. Auch hier ist wieder eine konstante Bestrahlungsstärke gefordert, damit die Ströme mit identischen Strängen verglichen werden, oder es kommt ein spezielles PV-Prüfgerät zum Einsatz, das eine Referenzmessung mit einem Bestrahlungsstärkensensor bereitstellt.

Es sind folgende Funktionsprüfungen durchzuführen:

  • Schaltgeräte und andere Steuereinrichtungen wie DC-Freischalter müssen geprüft werden, um ihren korrekten Betrieb sicherzustellen und dass sie ordnungsgemäß montiert und angeschlossen sind.
  • Alle Wechselrichter sind nach den Herstellerangaben auf ihren korrekten Betrieb hin zu überprüfen.
  • Ebenso ist eine Netzausfallprüfung durchzuführen: Bei arbeitendem System ist die Wechselstrom-Trenneinrichtung zu öffnen. Mit einem Messgerät soll bewiesen werden, dass das PV-System unmittelbar die Erzeugung bzw. Einspeisung einstellt, um einen Inselbetrieb zu verhindern. Anschließend wird die Wechselstrom-Trenneinrichtung geschlossen und es wird beobachtet, ob das System in den ungestörten Betrieb wechselt.

Dokumentieren der Mess- und Prüfergebnisse

Die Norm VDE 0126-23 macht detaillierte Angaben, welche Informationen im Prüfbericht zu dokumentieren sind:

  • zusammenfassende Beschreibung des Systems (Name, Adresse usw.)
  • Verzeichnis aller besichtigten und erprobten Stromkreise
  • Bericht der Besichtigung
  • Bericht der Prüfergebnisse für jeden erprobten Stromkreis
  • empfohlenes Intervall bis zur nächsten Prüfung
  • Unterschriften der Person(en), welche die Prüfung durchgeführt hat/haben

Wird eine Erstprüfung einer neuen Anlage durchgeführt, so muss der Prüfbericht zusätzliche Angaben hinsichtlich der Person(en), die für Konstruktion, Bau und Prüfung des Systems verantwortlich ist/sind, sowie den Umfang ihrer entsprechenden Verantwortlichkeiten enthalten. Auch muss eine Empfehlung für den Zeitraum zwischen den wiederkehrenden Prüfungen enthalten sein. Beim Festlegen der Intervalle ist den örtlichen, äußeren und technischen Gegebenheiten Rechnung zu tragen.

Die wiederkehrenden Prüfungen sind dann den Intervallen nach durchzuführen. Die Empfehlungen und Ergebnisse der vorangegangenen Prüfungen sind dabei zu berücksichtigen. Zudem muss ein Prüfbericht der wiederkehrenden Prüfung vorgelegt werden, der auch eine Angabe aller Fehler und Empfehlungen für Reparaturen oder Verbesserungen enthält. Im Anhang A-C der VDE 0126-23 sind entsprechende Prüfbescheinigungen und Prüfberichte aufgeführt, welche die Dokumentation der Prüfungen erheblich erleichtern.

Abb. 5: Prüfprotokoll

Prüfprotokoll

Ein weiterer Anhang mit informativem Charakter beschäftigt sich mit einer Prüfung des PV-Generators durch den Einsatz von Wärmebildkameras. Die Norm VDE 0126-23 fokussiert die sichere Anlagenerrichtung, sie definiert keine Spezifikationen zur Leistungsfähigkeit der Anlage, weder Minderertrag oder Leistungseinbußen.

Prüfung der Leistungsfähigkeit

Leider liegt die Prüfung der Leistungsfähigkeit der Anlage, auch „performance ratio“ genannt, außerhalb des Anwendungsbereichs dieser Norm. Da aber gerade PV-Anlagen bzw. die Module einer Alterung unterliegen und diese durch die Modulhersteller mit Leistungsgarantien versehen werden, ist es eminent wichtig, einen Leistungsnachweis zur Inbetriebnahme vorliegen zu haben, um eben diese Garantien durchsetzen zu können.

Hier bietet sich als Nachweis der Funktionstüchtigkeit (Leistungsfähigkeit) der PV-Anlage eine Referenzmessung an: die Messung der Globalstrahlung mit dazugehörigem Vergleich der AC- und DC-Ströme der Anlage über mehrere Stunden in einer Hochleistungsphase der PV-Anlage (Mittagszeit, blauer Himmel) und dazugehöriger Aufzeichnung. Diese Werte sollten dann mit dem Ertragsgutachten verglichen werden.

Autor: Friedemann Birkholz

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Kommentare

Kommentar von Folz Peter |

Guter Bericht, sehr detaliert geschrieben.

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