DIN EN IEC 62368-1: Neue Norm für Audio, Video, IT und Telekommunikation

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Produktsicherheitsnorm DIN EN IEC 62368-1 gibt neues Sicherheitskonzept vor.
DIN EN IEC 62368-1: Neue Anforderungen an Audio-, Video-, IT- und Telekommunikationstechnik (Bildquelle: Zeffss1/iStock/Getty Images Plus)

Neue Normvorgaben: Mit dem Ausgabedatum Mai 2021 ist die DIN EN IEC 62368-1 VDE 0868-1 erschienen. Teil 1 der Norm gilt verbindlich für Einrichtungen der Audio-, Video-, IT- und Telekommunikationstechnik. Wichtigste Änderung zu den Vorläufernormen ist ein neues Sicherheitskonzept. In diesem Beitrag erfahren Sie, was Elektrofachkräfte jetzt wissen müssen.

Die neue DIN EN IEC 62368-1 trägt den Titel „Einrichtungen für Audio/Video-, Informations- und Kommunikationstechnik – Teil 1: Sicherheitsanforderungen“. Als Produktsicherheitsnorm ersetzt sie weite Teile der zurückgezogenen Norm DIN EN 60950-1:2014-08 VDE 0805-1:2014-08.

Zum Geltungsbereich der neuen DIN EN IEC 62368-1: Sie betrifft im Bereich der Audio-, Video-, Informations- und Telekommunikationstechnik alle

  • elektrischen und elektronischen Einrichtungen – inklusive elektrischer Büromaschinen – bis zu einer Nennspannung von 600 V sowie
  • Bauteile und Baugruppen, die für den Einbau in solche Einrichtungen vorgesehen sind,
  • die nach dem 20. Dezember 2020 produziert wurden.

Neugeräte müssen Vorgaben der DIN EN IEC 62368-1 erfüllen

Wichtig zu wissen aus Sicht von allen, die im Elektrobereich mit Einkauf und Beschaffung zu tun haben: Bislang haben nicht alle für den Handel mit elektrischen Geräten und Bauteilen relevanten Staaten den neuen normativen Standard in ihre nationalen Normenwerke übernommen.

Für den EU-Raum gilt jedoch: Die frühere DIN EN 60950-1 ist nach einer Übergangsfrist seit dem 20. Dezember 2020 ungültig. Geräte, die vor dem 20.12.2020 bereits eingekauft wurden, sind also von der neuen DIN EN IEC 62368-1 nicht betroffen.

Fachleute raten dazu, bei der Beschaffung künftig genau hinzuschauen. Denn alle Geräte, die nach dem 20.12.2020 hergestellt wurden, müssen zwingend nach der neuen DIN EN IEC 62368-1 zertifiziert sein. Ist dies nicht der Fall, weil z. B. ein Händler alte Lagerbestände abverkauft, würde ein solches Gerät nicht den Vorgaben der europäischen Niederspannungsrichtlinie genügen. Dieses Risiko kann keineswegs auf den Hersteller abgeschoben werden; auch der Importeur ist betroffen. Entspricht z. B. die Stromversorgung eines elektrischen Geräts nicht den Anforderungen, können auf den Inverkehrbringer – z. B. ein Unternehmen, das elektrische Geräte und Einrichtungen in Asien vermeintlich günstig eingekauft hat – Haftungsrisiken zukommen.

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Im Fokus der DIN EN IEC 62368-1: Gefährdungen durch Energiequellen

Gegenüber der Vorgängerversion von 2015 wurde der Aufbau der Norm komplett überarbeitet. Deutlich interessanter ist jedoch eine inhaltliche Neuerung, die Einführung eines neuen sicherheitstechnischen Konzepts.

Gemäß diesem neuen Ansatz können Schäden erst dann auftreten, wenn eine Energie in ausreichender Stärke und Zeitdauer in irgendeiner Weise auf einen Körper oder ein Material einwirkt. Dieses Sicherheitskonzept ist auch als Hazard-Based-Standard (HBS) oder Hazard-Based Safety Engineering (HBSE) bekannt und gilt als zukunftsweisender Ansatz für Produktsicherheit. Damit ist die DIN EN IEC 62368 eine der ersten internationalen Normen überhaupt, die auf diesem neuen sicherheitstechnischen Ansatz beruhen.

Sicherheitskonzept definiert sechs Gefahrenquellen

Im besonderen Fokus von Entwicklern und Konstrukteuren, aber auch bei der Prüfung von Elektrogeräten sollen die von Energiequellen ausgehenden Gefährdungen stehen. Die EN 62368-1 unterscheidet dabei sechs mögliche Gefahrenquellen:

  • elektrische Energie
  • thermische Energie
  • mechanische Energie
  • Temperatur
  • Strahlung
  • chemische Gefahren

Die ersten fünf dieser Gefahrenquellen werden jeweils in drei Klassen mit zunehmendem Gefahrengrad eingeteilt. Je nach Art und Stärke der Energie und den davon ausgehenden Risiken für Schmerz, Sachschaden, Brandauslösung usw. soll laut den Normvorgaben ein „Safeguard“, d. h. eine geeignete Schutzeinrichtung zwischen der Energiequelle und ihrer Umgebung die Gefahr abwenden. Der Konstrukteur kann somit ohne strikt vorgegebene technische Detailvorgaben gewisse Freiheitsgrade nutzen, solange er die Wahrscheinlichkeit für Verletzungen und Schäden gemäß dem HBS-Modell auf das gewünschte Maß reduziert.

Andere mögliche Gefährdungen

Einige andere mögliche Gefährdungen, etwa durch Gase, brennbare Flüssigkeiten oder Teilchenstrahlung werden durch die EN 62368 nicht erfasst, ebenso wenig – bis auf in der Norm genannten Ausnahmen – die Auswirkungen von Lagerung, Transport und Entsorgung elektrischer Einrichtungen oder Bauteile.

  • Autor:

    Dr. Friedhelm Kring

    freier Lektor und Redakteur

    Kring, Friedhelm

    Dr. Friedhelm Kring ist freier Lektor, Redakteur und Fachjournalist mit den Schwerpunkten Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.

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