4,2/5 Sterne (12 Stimmen)
Sind Elektrofahrzeuge ortsveränderliche Arbeitsmittel? 4.2 5 12

Sind Elektrofahrzeuge ortsveränderliche Arbeitsmittel?

Ladekabel mit Schukostecker sind nach VDE 0701-0702 zu prüfen
Ladekabel mit Schukostecker sind nach VDE 0701-0702 zu prüfen (Bildquelle: Nerthuz/iStock/Thinkstock)

Frage aus der Praxis

Wir betreiben Ladesäulen zum Aufladen von E-Fahrzeugen (PKW) ohne Anschlusskabel. Die Ladekabel werden auf den verschiedenen PKWs mit Anschlussstecker Typ 1 oder Typ 2 oder mit Schukostecker mit Ladestrombegrenzung lose mitgeführt. Sind diese Ladekabel der drei Typen als ortveränderliche Geräte nach z.B. VDE 0701-702 zu prüfen oder nach welcher Prüfnorm ist die Wiederholungsprüfung mit welchen Messgeräten durchzuführen? Sind Elektrofahrzeuge (PKW) ortsveränderliche Arbeitsmittel mit einer notwendigen Wiederholungsprüfung? Und nach welcher Norm oder Vorschrift ist zu prüfen?

Antwort des Experten

Dr.-Ing. Florian Krug

Die Ladekabel, im Rahmen der Elektromobilität, der Bauform EN 62196 Typ 1 oder Typ 2 oder Ladekabel mit Schukostecker und Ladestrombegrenzung sind als ortsveränderliche Geräte einzuordnen. Diese Komponenten sollten daher nach VDE 0701-702 regelmäßig geprüft werden. Dazu können entsprechende Prüfgeräte von bekannten Herstellern herangezogen werden.

Allgemein gehören zu den Arbeitsmitteln, die unter die Betriebssicherheitsverordnung fallen, auch betrieblich genutzte Fahrzeuge. Die Betreiber von Elektrofahrzeugen sollten daher entsprechend der DGUV regelmäßige Prüfungen durchführen.

In regelmäßigen Abständen ist der sichere Zustand der beweglichen Arbeitsmittel sorgfältig zu prüfen. Es sind im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung die Art der Prüfung, der anzuwendende Prüfungsumfang und die mit der Prüfung zu beauftragende befähigte Person verbindlich festzulegen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass gewerblich genutzte Fahrzeuge auch nach DGUV Vorschrift 70 entsprechend jährlich zu überprüfen sind.

Für die fachgerechte Prüfung des betriebssicheren Zustands der betreffenden Fahrzeuge sollte der DGUV Grundsatz 314-003 „Prüfung von Fahrzeugen durch befähigte Personen/Sachkundige“ als Grundlage verwendet werden. In diesem Zusammenhang ist die Betriebssicherheit als die Kombination der Verkehrssicherheit und der Arbeitssicherheit definiert. Der Grundsatz erläutert mit umfangreichen Hinweisen, wie die fachliche Beurteilung des betriebssicheren Zustands von konventionellen Fahrzeugen durchzuführen ist.

Spezialisierte Normen bzw. Empfehlungen, die den Prüfumfang für eine Wiederholungsprüfung des Hochvolt-Systems im Rahmen der Elektromobilität festlegen, sind derzeit nicht existent. Von der befähigten Person kann aber die Richtlinie „ECE R 100“ als Prüfungsgrundlage verwendet werden.

Zusätzlich kann die Diagnosefähigkeit der vorhandenen Hochvolt-Komponenten eine Prüfung des Hochvolt-Systems wesentlich unterstützen. Aus diesem Grund sind die Betriebsanleitungen sowie Wartungs- und Prüfvorgaben des Fahrzeugherstellers von wesentlicher Bedeutung und sollten unbedingt Beachtung finden.

Weiterführende Literatur:

  • Gustav Hensel GmbH & Co. KG, Technische Dokumentation für die Elektrofachkraft zur Installation und Wartung, 2015.
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), FAQ-Liste der AG „Handlungsrahmen Elektromobilität”, Stand Januar 2016

◁ Zurück