Elektroinstallation und Hochwasser: Überprüfung, Reparatur, Wiederinbetriebnahme

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Elektrische Anlagen nach einer Überschwemmung: Hinweise für Hausbesitzer und Elektrofachkräfte
Nach einem Hochwasser muss die Elektroinstallation sorgfältig geprüft werden (Bildquelle: Animaflora/iStock/Getty Images Plus)

Von der Flutkatastrophe im Sommer 2021 haben uns schlimme Bilder erreicht. Man mag sich kaum vorstellen, welche Ängste und Sorgen die Menschen in den überschwemmten Gebieten plagen. Die Regierung hat umfangreiche Hilfen zugesagt und diese erreichen die Betroffenen hoffentlich schnell und unbürokratisch. Die Aufräumarbeiten sind in vollem Gange. Dabei ist besonders erfreulich, dass Organisationen wie das Technische Hilfswerk, aber auch viele Einzelne tatkräftige Hilfe leisten. Dabei muss besonders sensibel mit elektrischen Anlagen umgegangen werden, weil von ihnen eine große Gefahr ausgehen kann. Dieser Beitrag will Hausbesitzern und Elektrofachkräften in Erinnerung rufen, worauf sie achten müssen.

Hinweise für Hausbesitzer

Bei einem Hochwasser entscheidet der Energieversorger bzw. Netzbetreiber, wann die Stromversorgung im betroffenen Gebiet unterbrochen und wann sie wieder aufgenommen wird. Bei dieser Entscheidung ist der Sicherheitsaspekt wichtig: Lebensgefährliche Kurzschlüsse oder elektrische Schläge sollen vermieden werden.

Wenn die Stromversorgung bestehen bleibt, z.B. bei starkem Regen oder Gewitter, aber elektrische Anlagen oder Betriebsmittel unter Wasser stehen, müssen Hausbesitzer bzw. Betreiber besonders vorsichtig sein. Hausanschlusskästen, Hauptverteiler und Zähleranlagen, die unter Wasser stehen, sind sehr gefährlich. Meist sind deren Schutzeinrichtungen auch ausgefallen. Schalten Sie daher elektrische Anlagen in überfluteten Räumen ab, bevor Sie sie betreten! Lassen Sie sich von einem Elektrofachbetrieb oder dem Netzbetreiber im Vorfeld beraten, was Sie jetzt tun sollten.

Wichtige Hinweise zum Vorgehen, wenn die Anlage oder das Betriebsmittel nicht mehr unter Wasser steht:

  • Beauftragen Sie für die Überprüfung, Reparatur und Wiederinbetriebnahme einen eingetragenen Elektrofachbetrieb oder den örtlichen Energieversorger bzw. Netzbetreiber.
  • Haushaltsgeräte und Installationsgeräte, die nass geworden sind, müssen instandgesetzt, getrocknet und gereinigt werden. Sie müssen fachgerecht geprüft werden. Es besteht die Gefahr eines elektrischen Schlags!

Weitere Hinweise finden Sie in den Empfehlungen vom Initiativkreis ELEKTRO+: zur Planung der Elektroinstallation in Bezug auf den Hochwasserschutz und zum Umgang mit einer Photovoltaikanlage bei Überflutungen. Dazu gibt es ein PDF, das Sie hier kostenlos herunterladen können: Elektrosicherheit bei Überflutungen: Hinweise für Betreiber elektrischer Anlagen.

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Hinweise für Elektrofachkräfte

Wenn Sie als Elektrofachkraft nach einer Überschwemmung die Elektroinstallation wieder in Betrieb nehmen, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Beantragen Sie die Überprüfung des Hausanschlusskastens beim zuständigen Energieversorger.
  • Öffnen Sie Steckdosen, Installationsschalter, Abzweigkästen und andere Installationsgeräte und entfernen Sie Schmutz und Feuchtigkeit fachgerecht. Prüfen Sie deren einwandfreie Funktion.
  • Ebenso befreien Sie Hauptverteiler und Stromkreisverteiler von Schmutz und Feuchtigkeit und überprüfen die Klemmverbindungen.
  • Bei Verteilern und Installationsgeräten der Schutzklasse II müssen Sie über die Reinigung hinaus prüfen, ob die Anforderungen an die Schutzklasse noch eingehalten werden.
  • Tauschen Sie nass gewordene Schutzeinrichtungen und Sicherungen aus.
  • Messen Sie den Isolationswiderstand bei Installationsleitungen.
  • Vor einer Wiederinbetriebnahme müssen Sie die elektrische Anlage nach DIN VDE 0100-600 bzw. DIN VDE 0105-100 vollständig prüfen. Dokumentieren Sie dies mit einem Prüfprotokoll.
  • Elektrische Geräte müssen Sie reinigen und entfeuchten, anschließend nach DIN EN 50678 VDE 0701 messen und erproben.
  • Nehmen Sie eine elektrische Anlage nur abschnittsweise wieder in Betrieb.
  • Elektrisches Installationsmaterial, das mit Wasser in Berührung gekommen ist und weiter betrieben oder verwendet wird, ist nicht mehr bestimmungsgemäß im Einsatz. Daher entfällt die Gewährleistung durch den Hersteller.

Berücksichtigen Sie bei der Planung von Elektroinstallation bereits den Hochwasserschutz. Hierzu und für den Umgang mit einer Photovoltaikanlage gibt es ebenfalls Hinweise vom Initiativkreis ELEKTRO+. Zum kostenlosen Download des PDFs geht es hier: Elektrosicherheit bei Überflutungen: Hinweise für Elektrofachkräfte.

Quelle: https://www.elektro-plus.com (verantwortlich für den Internetauftritt: GED Gesellschaft für Energiedienstleistung GmbH & Co. KG, Berlin)

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