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Qualifizierung und Befähigung der Elektrofachkraft

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Als Elektrofachkraft reicht es nicht allein eine fachliche Ausbildung zu haben.
Als Elektrofachkraft reicht es nicht allein eine fachliche Ausbildung zu haben. (Bildquelle: kadmy/iStock/Thinkstock)

Wenn ein Arbeitgeber einen Mitarbeiter für Elektroarbeiten einsetzt, überträgt er damit seinem Erfüllungsgehilfen – juristisch ausgedrückt nach BGB – eigenverantwortlich elektrotechnische Aufgaben. Dieser Vorgang ist nur dann zulässig, wenn der Aufgabenempfänger die drei grundlegenden Kriterien einer Elektrofachkraft laut § 2(3) der DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ erfüllt:

  • fachliche Ausbildung, z.B. eine abgeschlossene elektrotechnische Berufsausbildung
  • Kenntnisse und Erfahrungen, das bedeutet eine mehrjährige Tätigkeit auf dem betreffenden elektrotechnischen Gebiet
  • Kenntnis der einschlägigen Bestimmungen, dazu gehören z.B. Normen und Unfallverhütungsvorschriften

Diese drei Kriterien sollen sicherstellen, dass nur derjenige als Elektrofachkraft eingesetzt wird, der in der Lage ist, die ihm übertragenen Aufgaben sicher durchzuführen, die damit verbundenen Risiken und Gefährdungen zu erkennen und sich angemessen zu schützen.

Für eine Elektrofachkraft sind theoretische Kenntnisse sowie praktische Erfahrung unverzichtbar
Für eine Elektrofachkraft sind theoretische Kenntnisse sowie praktische Erfahrung unverzichtbar (Bildquelle: lisafx/iStock/Thinkstock)

Achtung: Elektrofachkraft ist nicht gleich Elektrofachkraft

Beim Kriterium fachliche Ausbildung muss der Arbeitgeber genau hinschauen. Ein Elektroinstallateur, der z.B. für die Gebäudetechnik bestens qualifiziert ist, erfüllt damit nicht automatisch die fachlichen Anforderungen für andere Aufgabenbereiche, etwa für elektrotechnische Arbeiten an industriellen Fertigungssystemen.

Auch die weiteren Kriterien Kenntnisse und Erfahrungen sollten genau beachtet werden. Bei einem Mitarbeiter mit elektrotechnischer Ausbildung, der z.B. jahrelang im Vertrieb eingesetzt wurde und dann den Arbeitgeber oder Arbeitsplatz wechselt, kann nicht davon ausgegangen werden, dass seine elektrofachlichen Kenntnisse auf dem neuesten Stand sind. Hier wird eine Auffrischung und Einarbeitung notwendig, bevor dieser Mitarbeiter als Elektrofachkraft eingesetzt werden darf.

In ähnlicher Weise wie die DGUV Vorschrift 3 formuliert die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) die Anforderungen an Fachkunde und Befähigung. Auch hier sind Ausbildung, Erfahrung und Aktualität der Kenntnisse die wesentlichen Kriterien.

Fachkundige Person:

„[...] wer zur Ausübung einer in dieser Verordnung bestimmten Aufgabe über die erforderlichen Fachkenntnisse verfügt. Die Anforderungen an die Fachkunde sind abhängig von der jeweiligen Art der Aufgabe. Zu den Anforderungen zählen eine entsprechende Berufsausbildung, Berufserfahrung oder eine zeitnah ausgeübte entsprechende berufliche Tätigkeit. Die Fachkenntnisse sind durch Teilnahme an Schulungen auf aktuellem Stand zu halten.“ (§ 2 Abs. 5 der BetrSichV)

Befähigte Person:

„Eine Person, die durch ihre Berufsausbildung, ihre Berufserfahrung und ihre zeitnahe berufliche Tätigkeit über die erforderlichen Fachkenntnisse zur Prüfung der Arbeitsmittel verfügt.“ (§ 2 Abs. 6 der BetrSichV)

Zusätzliche Qualifizierungen

Die Erstausbildung einer Elektrofachkraft kann nicht alle Arbeitsgebiete abdecken. Je nach Einsatzgebiet werden ggf. zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen notwendig. Das kann Inhalte und Aufgaben betreffen wie z.B.

  • Arbeiten unter Spannung (AuS) gemäß DIN VDE 0105-100 „Betrieb von elektrischen Anlagen“
  • Schaltbefähigung für das Betreiben und Bedienen elektrischer Anlagen über 1 kV
  • befähigte Person für Erst- und Wiederholungsprüfungen an elektrischen Anlagen
  • Arbeiten an elektrischen Anlagen nach der Niederspannungsanschlussverordnung (nur mit Eintrag in die Handwerksrolle der Handwerkskammer bzw. in das Installateursverzeichnis des Netzbetreibers)

Die Teilnahme an Erste-Hilfe-Schulungen ist für eine Elektrofachkraft zwar nicht zwingend vorgeschrieben, gilt aber angesichts der erhöhten Gefährdung durch den elektrischen Strom als unbedingt empfehlenswert.

Stete Weiterbildung erforderlich

Trotz der vielfältigen Weiterbildungsangebote wird es kaum möglich sein, dass eine Elektrofachkraft umfassend für sämtliche elektrotechnische Arbeitsgebiete qualifiziert und auf dem neuesten Kenntnisstand aller relevanten Vorschriften und Normen ist. Ändern sich innerbetriebliche Aufgabenbereiche sollte die Elektrofachkraft daher gemeinsam mit ihrem Vorgesetzten die erforderlichen Schulungsmaßnahmen prüfen.

Das vielfältige Aufgabengebiet, der technische Fortschritt und die daraus resultierenden Änderungen in den Regel- und Normenwerken erfordern von der Elektrofachkraft grundsätzlich eine ständige Lernbereitschaft. Es ist unverzichtbar, den Wissensstand durch Fachliteratur und Fortbildungen aktuell zu halten. Dazu gehört auch, relevante Veränderungen, Aktualisierungen und Neuerscheinungen in den Vorschriften im Blick zu haben. Dies betrifft insbesondere:

  • Gesetze und Verordnungen
  • das (staatliche) technische Regelwerk, dazu gehören z.B. die ASR; TRBS, TRGS, TROS usw.
  • das berufsgenossenschaftliche Regelwerk, das sind die Vorschriften, Regeln, Grundsätze und Informationen der DGUV und ggf. einzelner Unfallversicherungsträger
  • die Bestimmungen, Normen, Richtlinien usw. von DIN-VDE

Bei allem technologischen Wandel bleibt sowohl vonseiten des Gesetzgebers als auch vonseiten der Unfallversicherungsträger (Berufsgenossenschaften und Unfallkassen) beim Umgang mit elektrischem Strom die Sicherheit aller beteiligten Personen das oberste Gebot. Diese Priorität aus welchen Gründen auch immer zu missachten, kann nicht nur zu Arbeitsunfällen und Gesundheitsschäden führen, sondern für die verantwortlichen Akteure eines Unternehmens schwerwiegende juristische Folgen haben. Dies kann auch die Elektrofachkraft betreffen.

Autor: Dr. Friedhelm Kring

Basierend auf „Sicherheitsunterweisung Elektrotechnik 2018“.

Friedhelm Kring

Dr. Friedhelm Kring - freier Lektor, Redakteur und Fachjournalist mit Schwerpunkt auf Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.

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