Wer ist eine Elektrofachkraft (EFK)?

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Wer ist eine Elektrofachkraft und wer kann Elektrofachkraft werden?
Eine elektrotechnische Ausbildung und praktische Erfahrungen: zwei Anforderungen an die Elektrofachkraft (EFK). Aber es gibt noch mehr. (Bildquelle: BrianAJackson/iStock/Thinkstock)

Frage aus der Praxis

Wer ist eine Elektrofachkraft und wer kann Elektrofachkraft werden?

Antwort des Experten

Stefan Euler

Laut DIN VDE 1000-10 „Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“ ist eine Elektrofachkraft (EFK), wer aufgrund

  • seiner fachlichen Ausbildung,
  • seiner Kenntnisse und Erfahrungen sowie
  • seiner Kenntnis der einschlägigen Normen

die ihm übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann.

In der folgenden Grafik wird deutlich, dass die Qualifikation einer Elektrofachkraft über das Maß einer normalen elektrotechnischen Berufsausbildung hinausgeht.

Qualifikationsstufen bis zur verantwortlichen Elektrofachkraft
Qualifikationsstufen bis zur verantwortlichen Elektrofachkraft

Der „Status“ Elektrofachkraft

Wie in mehreren Fachaufsätzen nachzulesen, handelt es sich bei der Qualifikation „Elektrofachkraft“ (EFK) um einen Status und weniger um einen Berufsabschluss. Neben den in der DIN VDE 1000-10 bzw. DIN VDE 0105-100 dargestellten fachlichen Anforderungen tritt auch immer die persönliche Eignung. Während der Berufsabschluss trotz mangelnder persönlicher Eignung nicht verlustig gehen kann, ist dies bei einem Status sehr wohl der Fall.

So ist zum Beispiel eine Prüftätigkeit nach DIN VDE 0701-0702 keine einfache elektrotechnische Arbeit, die man dem überlässt, der gerade „nichts Besseres“ zu tun hat, sondern erfordert im Gegenteil ein Höchstmaß an Erfahrungen, die sich im Status „Befähigte Person“ nach Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) in Verbindung mit Kapitel 2 der TRBS 1203 äußern, sowie verantwortliches Handeln voraussetzt.

Die Elektrofachkraft als Erfüllungsgehilfe

Aus Sicht unserer Rechtsgelehrten (der DGUV Vorschriften, Unfallverhütungsvorschriften, TRBSen): Der Vorgesetzte benötigt einen im juristischen Sprachgebrauch sogenannten „Erfüllungsgehilfen“, der Verantwortung für die „Elektrizität“ wahrnehmen kann.
Dieser „Erfüllungsgehilfe“ muss gemäß Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) und Arbeitschutzgesetz (ArbSchG) so ausgestattet sein, dass er seinen Job vernünftig wahrnehmen kann (siehe dazu auch BGB §§ 278, 831).

Die Elektrofachkraft in der Praxis

Jeder Mensch weiß, dass ein Berufsneuling nicht alles wissen kann. Denn das ist Stand der Technik! So weiß auch ein frisch ausgelernter Mitarbeiter aus dem Bereich der Elektrotechnik (Geselle, Facharbeiter) selbst, dass er nicht alles von den Aufgaben einer Elektrofachkraft (EFK) weiß.

Damit der Vorgesetzte seinen neuen „Erfüllungsgehilfen“ sicher einsetzen kann, muss er zu einer Elektrofachkraft heranreifen:

  • durch das Sammeln von Erfahrung in der Praxis und
  • dem Kennenlernen der für ihn wichtigen Gesetze, Vorschriften und Normen etc.

Ein besonders sorgfältiger Vorgesetzte organisiert zusätzlich eine Person, die der künftigen Elektrofachkraft ab und zu fachlich über die Schultern sieht (siehe dazu Arbeitsschutzgesetz und §§ 276, 823 BGB). Am Anfang mehr, nachher weniger.

Regelmäßige Weiterbildung ist Pflicht

In der heutigen Zeit, mit dem schnellen Wechsel von Techniken, Erkenntnissen und Gesetzen, ist niemand mehr nur mit einer Berufsausbildung per se als Elektrofachkraft geeignet. Deswegen hat auch die TRBS 1203 „Zur Prüfung befähigte Personen“ explizit die regelmäßige Schulung der befähigten Personen erwähnt. Diese wird übrigens ebenfalls gemäß der Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ (ehemals BGV A1) mindestens jährlich gefordert! Also will auch unsere Berufsgenossenschaft als Versicherer, dass Menschen mit hoher Verantwortung wie die Elektrofachkraft, sich regelmäßig weiterbilden.

Verantwortliche berufen sich immer wieder darauf, dass das mit der Elektrofachkraft angeblich anders geregelt ist. Bei der ordentlichen Lektüre der DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ (ehemals BGV A3) oder der DIN VDE 0105-100 „Betrieb von elektrischen Anlagen“ bzw. der DIN VDE 1000-10 „Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“ kommt man immer wieder zum Schluss, dass Leute die so etwas behaupten, mit dem Lesen zu früh aufgehört haben. Nochmals: eine Weiterbildung und Erfahrung sind immer explizit gefordert!

Die Elektrofachkraft im amtlichen Regelwerk

DIN VDE 1000-10 „Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“

„Elektrofachkraft ist, wer aufgrund seiner fachlichen Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen sowie Kenntnis der einschlägigen Normen die ihm übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann.“

Hier ist unter dem Begriff der „einschlägigen Normen“ nicht nur der enge Begriff der DIN-Normen oder DIN VDE-Normen zu verstehen, sondern auch Vorschriften und Bestimmungen anderer Regelsetzer, z.B. die Betriebssicherheitsverordnung und die dazugehörigen TRBSen, Verordnung über elektrische Anlagen in explosionsgefährdeten Räumen und die Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften.

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)

§ 7 Übertragung von Aufgaben
Bei der Übertragung von Aufgaben auf Beschäftigte hat der Arbeitgeber je nach Art der Tätigkeiten zu berücksichtigen, ob die Beschäftigten befähigt sind, die für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Aufgabenerfüllung zu beachtenden Bestimmungen und Maßnahmen einzuhalten.

§ 9 Besondere Gefahren
(1) Der Arbeitgeber hat Maßnahmen zu treffen, damit nur Beschäftigte Zugang zu besonders gefährlichen Arbeitsbereichen haben, die zuvor geeignete Anweisungen erhalten haben.

(2) Der Arbeitgeber hat Vorkehrungen zu treffen, dass alle Beschäftigten, die einer unmittelbaren erheblichen Gefahr ausgesetzt sind oder sein können, möglichst frühzeitig über diese Gefahr und die getroffenen oder zu treffenden Schutzmaßnahmen unterrichtet sind. Bei unmittelbarer erheblicher Gefahr für die eigene Sicherheit oder die Sicherheit anderer Personen müssen die Beschäftigten die geeigneten Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und Schadensbegrenzung selbst treffen können, wenn der zuständige Vorgesetzte nicht erreichbar ist; dabei sind die Kenntnisse der Beschäftigten und die vorhandenen technischen Mittel zu berücksichtigen. Den Beschäftigten dürfen aus ihrem Handeln keine Nachteile entstehen, es sei denn, sie haben vorsätzlich oder grob fahrlässig ungeeignete Maßnahmen getroffen.

Beitrag aus dem Jahr 2014, wurde geprüft und aktualisiert am 13.11.2020

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  • Autor:

    Stefan Euler

    Geschäftsführer der MEBEDO Consulting GmbH und MEBEDO Akademie GmbH sowie BDSH e.V. geprüfter Sachverständiger Elektrotechnik

    Euler, Stefan

    Der Schwerpunkt seiner heutigen Tätigkeit liegt in der Beratung von Unternehmen beim Aufbau einer rechtssicheren Organisationsstruktur im Bereich der Elektrotechnik. Teilweise schließt dies auch die Übernahme der Verantwortung als externe verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) / Interim Manager Elektrosicherheit für die Unternehmen ein.

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Kommentare

Kommentar von D.T. |

Hab mich gerade auch mal wieder mit dem Thema beschäftigt.
Wenn ich die DGUV Vorschrift 3 (Alte BGV A3) §2 (3) lese gelange ich zu dem Schluss, das eine Ausbildung alleine nicht reicht.
Lese ich allerdings die Durchführungsanweisung (DA) zu § 2 (3) steht dort, dass die Qualifikation im Regelfall durch den Abschluss einer Ausbildung (Elektroing., Elektrotechniker usw.) nachgewiesen ist.

Die DA´s sind aus meiner Sicht nicht der eigendlichen Vorschrift unterstellt. Demnach beißen sich hier die Aussagen.
Wie ist mit der Aussage in der DA bezüglich der Elektrofachkraft zu verfahren?

Kommentar von E. Krug |

Meine Ansichten zu
Elektrofachkraft, Verantwortliche Elektrofachkraft
Wenn ich sehe wie lange man sich mit diesem Thema schon Beschäftigt auch immer wieder zu Unklarheiten kommt, von Vorgesetzten geblockt wird braucht man sich nicht mehr Wundern wenn einige dies gar nicht machen möchten. In unserem Beruf hört es nie Aufhört das Wettrüsten mit der Technik und ein Dschungel von Vorschriften die jeden Tag mehr werden kaum noch zu bewältigen sind und das Personal wird immer weniger. Ich Bekomme das Gefühl nicht los das wen man ja sagt und diese Verantwortung übernimmt ist man aber nicht bereit einen guten Lohn für die Verantwortungsvolle Arbeit zu zahlen in den Firmen. Man muss eine lange Ausdauer haben um sich hier als Bestellte EFK oder VEFK zu behaupten und viele tun sich dies nicht mehr an. So sehe ich dies nach über 45J in meinem Verantwortungsvollen Beruf in der Industrie und wenn Sie mich fragen, würden Sie diesen Beruf nochmal lernen? Klare Antwort, NEIN. Auch wenn es ein schöner und Abwechslungsreicher Beruf ist aber zum Schluss zählt heute was unterm Strich in der Lohntüte ist und da gibt es Berufe die um vieles besser sind und weniger Stress haben. Ich frage mich auch immer wieder warum tut man sich in so einen Wichtigen Berufszweig so schwer.

Kommentar von Christian Wochner |

Die Frage kann nicht so einfach beantwortet werden da eine EFK sich aus mehreren Komponenten zusammensetzt. Meine Einschätzung lautet NEIN und es unterliegt der VEFK die Maßnahmen zu wählen.
Übrigens toller Artikel mit viel bekannten Inhalten (als VEFK) zum Thema "wer ist eine EFK?" jedoch präzise und doch direkt bzw. greifbar zusammengefasst.

Kommentar von Jürgen Paulini |

Gibt es einen Mindeststundenschulungsumfang für die Ausbildung zur Elektrofachkraft?

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