Elektromeister als zur Prüfung befähigte Person – geht das?

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Darf ich als Industriemeister Elektrotechnik im Ruhestand als Elektrofachkraft elektrische Geräte prüfen?
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Frage aus der Praxis

Ich habe vor 20 Jahren den Abschluss Industriemeister Elektrotechnik erlangt. Gearbeitet habe ich als Messbauführer bei einem deutschen Telekommunikationsunternehmen. Dazu gehörten auch Aufgaben als Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten. Hierfür hatte ich eine einwöchige Schulung bei der IHK Nürnberg, die ich alle zwei Jahre wiederholte. Die letzte Schulung liegt jetzt allerdings vier Jahre zurück. Mittlerweile befinde ich mich im Ruhestand und hätte die Möglich als Elektrofachkraft elektrische Geräte zu prüfen.

Meine Frage: Das Wissen dazu habe ich, brauche ich dafür aber noch eine bestimmte Bestätigung?

Antwort des Experten

Der Abschluss als Industriemeister Elektrotechnik ist eine in der DIN VDE 1000-10 genannte Berufsausbildung, die die Basis für den Qualifikationsstatus „Elektrofachkraft“ darstellt. Nun setzt sich dieser Qualifikationsstatus gemäß DGUV-Vorschrift 3 bzw. DIN VDE 0105-100 daneben noch aus Kenntnissen und Erfahrungen sowie Kenntnissen der einschlägigen elektrotechnischen Bestimmungen zusammen. Zum rechtssicheren Prüfen elektrischer Geräte ist zumindest im Geltungsbereich der Betriebssicherheitsverordnung als zur Prüfung befähigte Person ebenfalls Berufserfahrung und eine zeitnahe berufliche Tätigkeit (beim Prüfen) erforderlich. Inwieweit während der Tätigkeit als Messbauführer bei einem Telekommunikationsunternehmen Kenntnisse und Erfahrungen im Sinne einer mit Fokus auf das Prüfgeschäft zeitnahen beruflichen Tätigkeit gesammelt wurden, kann von hier aus nicht beurteilt werden. Die regelmäßigen Fortbildungen im Rahmen der Ausbildung zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten können jedoch durchaus auf die Kenntnisse der einschlägigen Bestimmungen angerechnet werden. Es sei jedoch erwähnt, dass die Zielrichtung einer Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten eine völlig andere ist und auf den Fragesteller überhaupt nicht passt. Eine Voraussetzung für die EFKffT ist der Berufsabschluss in einem elektrofremden Gewerk – die Ausbildung soll diesen Berufsabschluss für die Ausführung von mit diesem Gewerk zusammenhängenden elektrotechnischen Arbeiten ergänzen. Vorliegend besteht bereits ein zur Elektrofachkraft ohne die Beschränkung auf festgelegte Tätigkeiten führender Berufsabschluss, sodass die Fortbildung eher als Auffrischung zu betrachten ist. Eine EFKffT kann über den für sie festgelegten und in Arbeitsanweisungen beschriebenen Tätigkeitsbereich hinaus auch nicht als zur Prüfung befähigte Person tätig werden.

Auch wenn bislang kaum Berührungspunkte mit Prüfungen elektrischer Geräte bestanden haben sollten, so dürfte es einer Elektrofachkraft, die wie hier einen Meisterabschluss besitzt, leicht fallen, sich in das Prüfgeschäft einzuarbeiten und so darin Berufserfahrung zu sammeln. Hier sei zunächst auf eine Fortbildung zu Prüfungen elektrischer Geräte verwiesen, bei der die elektrotechnischen Zusammenhänge der Prüfungen anschaulich dargestellt werden.

Es darf nicht vergessen werden, dass die Prüfungen keine lästige Pflicht darstellen, sondern vielmehr dafür sorgen sollen, dass Mängel an elektrischen Geräten frühzeitig erkannt werden, bevor es zu einem Unfall oder Brand kommt. Demgemäß übernimmt die zur Prüfung befähigte Person eine große Verantwortung, die gerade bei freiberuflicher Tätigkeit haftungsrechtlich abgesichert werden sollte. Um nicht in ein Übernahmeverschulden zu laufen, sollten die Voraussetzungen der Qualifikationsstatus „Elektrofachkraft“ (für Prüfungen nach DGUV Vorschrift 3) bzw. „zur Prüfung befähigte Person“ (für Prüfungen nach Betriebssicherheitsverordnung) genauestens eingehalten werden. Weitere Hinweise dazu findet man in der DGUV Information 203-050 sowie in der TRBS 1203. Mit dem Abschluss als Industriemeister Elektrotechnik liegt auch eine Berufsausübungsberechtigung vor, sodass irgendwelche anderweitigen Bestätigungen nicht erforderlich sein dürften.

  • Autor:

    Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH) Markus Klar, LL.M.

    EABCon-Ingenieurbüro Klar - Consulting Elektrotechnik - Arbeitsschutz - Betriebsorganisation

    Markus Klar

    Markus Klar ist langjähriger, ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht Gera, seit 2011 am Landesarbeitsgericht Thüringen und als Autor und freiberuflicher Ingenieur mit dem Schwerpunkt rechtssichere Betriebsorganisation, Arbeitsschutz und Elektrosicherheit beratend tätig.

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