Kompetenzen für die Elektrofachkraft: analytisches Denken

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Zum analytischen Denken gehört vor allem auch das logische Denken.
Zum analytischen Denken gehört vor allem auch das logische Denken. (Bildquelle: Feodora Chiosea/iStock/Getty Images Plus)

In dem Buch „The Second Machine Age“ zitieren die Autoren den Wirtschaftsexperten Paul Krugman: „Produktivität ist nicht alles, aber auf lange Sicht ist sie fast alles.“ (Brynjolfsson, McAfee, 2016) Krugman führt weiter aus, dass der Wohlstand eines Lands von der Fähigkeit abhängt, seinen Output je Arbeitnehmer zu steigern. So können wir wirtschaftlich nur wachsen, wenn die gleiche Anzahl von Menschen es schafft, mehr Güter und Dienstleistungen in gleicher oder kürzerer Zeit zu produzieren. Der Weg zu diesem Wachstum führt über Innovation. Deshalb steht diesmal Innovationsfähigkeit im Mittelpunkt.

Hierbei geht es nicht um die großen Erfindungen, sondern darum, bestehende Prozesse und Produkte kontinuierlich zu verbessern sowie verfügbare Ressourcen neu zu kombinieren. So schreibt der britische Ökonom Brian Arthur, dass sich neue Technologien in der Regel, wenn nicht sogar fast immer, aus der Kombination anderer bereits vorhandener Technologien ergeben. Diese setzen sich wiederum aus „kleineren“ Technologien zusammen und nutzen alle ein oder mehrere natürliche Phänomene oder Effekte. Nehmen wir z.B. das moderne Automobil. Es besteht aus vielen Technologien – Motor, Getriebe, Kühlung, Elektronik usw. Jede dieser Technologien besteht aus untergeordneten Technologien, die natürliche Phänomene nutzen, von den Verbrennungseigenschaften des Benzins über die optischen Eigenschaften von Glas bis hin zur Reibung der Reifen auf der Straße (Arthur, 2009).

Wie Constanze Kurz verstehen wir in diesem Zusammenhang Innovation „als die Umsetzung einer Idee in neue oder verbesserte käufliche Produkte, in operationelle Verfahren in Industrie oder Handel oder neue Formen von Dienstleistung, als der entscheidende strategische Faktor für die Erringung wettbewerblicher Vorteile und wirtschaftlichen Wachstums“ (Kurz, 2002).

Um Innovationspotenzial zu heben, sind deshalb „analytisches Denken“ und „Prozessoptimierung“ zentrale Kompetenzen. Da Innovationsprozesse oft in Projektgruppen als Arbeitsform gestaltet werden, haben Kommunikations- und Teamfähigkeit einen besonderen Stellenwert. Wir haben die Kompetenzen schon in einer früher einmal behandelt. Heute wollen wir diesen beiden Sozialkompetenzen „Netzwerk- bzw. Kooperationsfähigkeit“ hinzufügen.

Was ist analytisches Denken?

Analytisches Denken bedeutet, dass Sie Ihre Entscheidungen nach vorhergehender intensiver Abwägung der Ausgangssituation treffen. Dazu entwickeln Sie mögliche Alternativen und bewerten diese. Zentral ist hierfür die Fähigkeit, Probleme erkennen, in ihre Einzelteile zerlegen und hierfür eigenständig oder im Team Lösungen entwickeln zu können.

Es geht darum, Sachverhalte zu verstehen, sie in einen Kontext einzuordnen und Ursache-Wirkungs-Beziehungen aufzustellen. Wie können Sie die richtigen und wesentlichen Informationen herausfiltern, welche Informationen sind relevant, welche Kriterien legen Sie an, um sie auszuwählen?

Analytisches Denken basiert auf Logik

Zum analytischen Denken gehört vor allem auch das logische Denken. Logisch bzw. analytisch denkende Menschen sind in der Lage, eine komplexe Situation zu zerlegen, und zwar so, dass ihre Struktur und Ordnung sichtbar werden. Sie können Sachverhalte und Problemsituationen dahingehend analysieren, unter welchen Gegebenheiten welche Folgen eintreten, sie also mit einer passenden Wenn-dann-Formel zu durchleuchten. Dazu gehört auch, Zusammenhänge zu erkennen, zu strukturieren, zu priorisieren und zu interpretieren sowie daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Analytisches Denken ist gefragt im Beruf

Angesichts der wachsenden Flut von Informationen und der Komplexität der Arbeitswelt ist analytisches Denken wichtiger denn je und gehört zu den Schlüsselkompetenzen, die in vielen Berufen gefragt sind.

Wie wird analytisches Denken erfasst?

Die Kompetenz „Analytisches Denken“ ist auf vier Ebenen beschrieben. Verhaltensanker für jede Ebene ermöglichen es, die jeweilige Ausprägung zu erfassen.

Vom Einsteiger zum Experten

Die Skalierung der Kompetenz „Analytisches Denken"
Die Skalierung der Kompetenz „Analytisches Denken"

Wie wird analytisches Denken entwickelt?

Analytisches Denken kann gezielt trainiert und mit regelmäßigen Übungen verbessert werden. Wenn Sie eher chaotisch und impulsiv sind, sollten Sie sich um organisiertes und strukturiertes Vorgehen bemühen. Nutzen Sie hierfür Organisationshilfen und halten Sie öfters inne, um Sachverhalte gründlich zu durchdenken.

Analytisches Denken beruht auch auf persönlicher Erfahrung

Das Gute ist, dass wir aus dem persönlichen Fundus von Erinnerungen und Kenntnissen, die wir in unserem Leben gesammelt haben, schöpfen können. Mit Erfahrungswissen können ältere Mitarbeiter den möglichen Verlust an Schnelligkeit kompensieren.

Selbsttests und Übungen zur Weiterentwicklung

Um das analytische Denken zu entwickeln, sind Aufgaben hilfreich, die darauf abzielen, Probleme logisch und kreativ zu lösen. Sie zu üben kann helfen, Schemata und wiederkehrende Muster schneller zu erkennen. Sie trainieren zudem die Konzentrationsfähigkeit. Sinnvoll sind auch Spiele, in denen strategisches Vorgehen gefordert ist. Dazu gehören Brettspiele wie Schach oder Kartenspiele wie Poker.

Mit einem Selbsttest können Sie schnell herausfinden, wie gut Ihr analytisches Denken schon ist und wie viel Übung Sie eventuell noch benötigen. Nachfolgend erhalten Sie einige Links zu Websites mit Selbsttests und Übungen. Wir wünschen viel Erfolg bei der Bearbeitung, doch Achtung: Die Selbsttests kann man nicht in fünf Minuten erledigen. Sie benötigen Zeit und Konzentration:

„Lebenslang lernen ist ein Stück Selbstverständlichkeit, und doch wird ein aufmerksamer Beobachter feststellen, dass sich die Menschen seiner Umwelt in zwei Lager aufzuteilen scheinen: die einen schon mit 40 vergreist, lustlos am Leben vorbei lebend, phlegmatisch, nicht nur körperlich feist und dick, auf dem Weg zur Senilität. Andere im Alter von 70 machen einen wendigen, optimistischen, agilen und positiven Eindruck, sind unabhängig von der Berufslaufbahn aktiv geblieben und beobachten ihre Umwelt aufmerksam und positiv. Analysiert man beide Gruppen, dann zeigt es sich, dass erstere verlernt haben, zu lernen, während letztere sich analytisches Denken und den Drang zum Leben bewahrt haben.“

Reinhold Würth, dt. Unternehmer

Literatur

Arthur, W.B. (2009): The Nature of Technology: What It Is and How It Evolves. Free Press, New York

Brynjolfsson, E.; McAfee, A. (2016): The Second Machine Age. Plassen Buchverlage Kulmbach

Kurz, C. (04/2002): Innovation und Kompetenzen im Wandel industrieller Organisationsstrukturen. Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg

  • Autorin:

    Yvonne Salazar, M.A.

    Educational Consultant

    Yvonne Salazar ist international als Beraterin im Bereich Berufsbildung tätig. Ihre Arbeitsschwer­punkte sind die Einführung von Kompetenzmanagement, die Entwicklung und Anpassung von Berufs­profilen, die Qualifizierung von Lehrkräften in lernerzentrierten, interaktiven Lernmethoden sowie die Weiterentwicklung und Zertifizierung von Berufsbildungszentren.

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