Unfallbericht: Wischer durch blanken Schraubendreher

  • (Kommentare: 0)
  • Sicher Arbeiten
4,7/5 Sterne (8 Stimmen)
Als der Monteur mit einem unisolierten Schraubendreher in den Anschlussbereich des benachbarten Leistungsschalters geriet kam es zu einer Körperdurchströmung.
Als der Monteur mit einem unisolierten Schraubendreher in den Anschlussbereich des benachbarten Leistungsschalters geriet kam es zu einer Körperdurchströmung. (Bildquelle: antos777/iStock/Getty Images)

Arbeitsauftrag

Zwei erfahrene Elektromonteure sollten eine Anlagenrevision einer NS-Schaltstation durchführen. Für die Arbeiten war die Außerbetriebnahme der gesamten Station eingeplant worden.

Unfallhergang

Die Monteure begannen mit der Freischaltung der Anlage und führten die weiteren vier Sicherheitsregeln durch. Sie stellten fest, dass durch die Freischaltung auch die Beleuchtung außer Betrieb gesetzt wurde. Die Monteure verlegten eine provisorische Kabelverbindung zu dem Schaltfeld für die Beleuchtung. Das Kabel klemmten sie auf der Rückseite des Leistungsschalters an. Nach Zuschalten des Leistungsschalters war die Beleuchtung wieder in Betrieb. Anschließend sollten weitere Kabelverbindungen an den Schalter angeschlossen werden. Dabei geriet einer der Monteure mit einem unisolierten Schraubendreher in den Anschlussbereich des benachbarten Leistungsschalters. Es kam zu einer Körperdurchströmung. Zum Glück konnte sich der Monteur befreien. Sein Kollege fuhr ihn sofort zum nächsten Unfallkrankenhaus.

Unfallanalyse

Die Monteure unterschätzten – wie leider viel zu oft – den Abstand zu benachbarten unter Spannung stehenden Teilen. In diesem Fall betrug der Abstand der Leistungsschalter knapp 15 cm. Zudem benutzte der Monteur ungeeignetes Werkzeug.

§ 7 DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ (ehemals BGV A3) besagt:

„In der Nähe aktiver Teile elektrischer Anlagen und Betriebsmittel, die nicht gegen direktes Berühren geschützt sind, darf … nur gearbeitet werden, wenn

  • deren spannungsfreier Zustand hergestellt und für die Dauer der Arbeiten sichergestellt ist oder
  • die aktiven Teile für die Dauer der Arbeiten, insbesondere unter Berücksichtigung von Spannung, Betriebsort, Art der Arbeit und der verwendeten Arbeitsmittel, durch Abdecken oder Abschranken geschützt worden sind oder
  • bei Verzicht auf vorstehende Maßnahmen die zulässigen Annäherungen nicht unterschritten werden.“

Die Forderung zur Einhaltung eines „ausreichenden Abstands“ wurde im obigen Fall eindeutig nicht erfüllt.

  • Autor:

    Dr.-Ing. Jens Jühling

    Leiter der Abteilung Prävention der BG ETEM

    Jens Juehling

    Jens Jühling ist Technischer Sekretär der Internationalen Sektion Elektrizität der IVSS (Internationale Vereinigung für soziale Sicherheit) und seit 2006 Leiter der Abteilung Prävention.

    Seit vielen Jahren arbeitet er im Normungsbereich „Arbeiten unter Spannung“ mit. Derzeit ist er Obmann des Normungskomitees K214 und deutscher Vertreter in der Live Working Association.

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 7 plus 5.