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Sicher arbeiten durch geeignete Schutzmaßnahmen

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Für ein sicheres Arbeiten sind Gefährdungsbeurteilungen sowie Arbeits- und Betriebsanweisungen einzusetzen.
Für ein sicheres Arbeiten sind Gefährdungsbeurteilungen sowie Arbeits- und Betriebsanweisungen einzusetzen. (Bildquelle: Shinyfamily/iStock/Thinkstock)

Bei Arbeiten an und in elektrischen Anlagen darf die Elektrofachkraft niemals unvorbereitet drauflos arbeiten. Die Vorschriften und Regelwerke fordern Schutzvorkehrungen, die vor dem Beginn einer Arbeit festgelegt und umgesetzt werden müssen. Dazu gehören organisatorische Maßnahmen wie die Gefährdungsbeurteilung, Arbeitsanweisung und Unterweisung, das Festlegen von sicheren Arbeitsverfahren sowie das Bereitstellen sicherer Arbeitsmittel.

Für die Auswahl und Priorisierung von Schutzmaßnahmen gelten folgende Grundsätze:

  • Eine Gefahr muss grundsätzlich an ihrer Quelle bekämpft werden. (§ 4 Arbeitsschutzgesetz, ArbSchG)
  • Individuelle Schutzmaßnahmen sind nachrangig gegenüber anderen Schutzmaßnahmen. (§ 4 Arbeitsschutzgesetz, ArbSchG)
  • Es gilt die Rangfolge: Technische Schutzmaßnahmen vor organisatorischen Maßnahmen vor personenbezogenem Schutz. (§ 4 Betriebssicherheitsverordnung, BetrSichV)

Diese Grundsätze gelten auch für Elektroarbeiten. Das heißt, dass ein Arbeitgeber sich nicht geeignete technische oder organisatorische Schritte zum Beseitigen oder Vermindern einer Elektrogefährdung ersparen kann, indem er sich darauf beruft, dass er einen Elektroarbeiter mit isolierender Schutzkleidung oder Störlichtbogen-Visier losschickt.

Unverzichtbar: Die Gefährdungsbeurteilung

Vor einer elektrotechnischen Tätigkeit und für jeden Arbeitsplatz in der Elektrotechnik müssen die elektrischen Risiken ermittelt und bewertet werden. Dies gilt selbstverständlich auch dann, wenn es sich um nicht im engeren Sinne elektrotechnische Arbeiten handelt, sofern dabei elektrische Gefährdungen nicht ausgeschlossen werden können. Aus dieser Gefährdungsbeurteilung werden sichere Arbeitsabläufe und Schutzmaßnahmen abgeleitet. Das Ergebnis sollte mit den Maßnahmen sowie Zuständigkeiten und Terminen für deren Umsetzung schriftlich dokumentiert werden.

Eine solche Gefährdungsbeurteilung ist keine einmalige Angelegenheit, sondern ist gemäß § 3 (7) der Betriebssicherheitsverordnung „regelmäßig zu überprüfen“. Dazu gehört auch, die Wirksamkeit der festgelegten Schutzmaßnahmen zu prüfen.

Betriebsanweisungen – Sicherheitsvorgaben in kompakter Form vor Ort

Arbeits- oder Betriebsanweisungen sind schriftliche Übersichten zu Tätigkeiten, Maschinen, Gefahrstoffen oder anderen sicherheitsrelevanten Aspekten. Sie fassen die Risiken, Sicherheitsregeln und Schutzmaßnahmen in kompakter Form zusammen und enthalten auch Hinweise zur Ersten Hilfe, zum Verhalten im Notfall und – sofern zutreffend – zu Entsorgungs- und andern Umweltaspekten. Betriebsanweisungen sollten den Mitarbeitern jederzeit zugänglich sein.

Betriebsanweisungen müssen laut § 12 (2) der Betriebssicherheitsverordnung in einer „für die Beschäftigten verständlichen Form und Sprache“ sowie „an geeigneter Stelle“ zur Verfügung stehen. Typischerweise werden sie im A4-Format am Arbeitsplatz ausgehängt. Für bestimmte Fälle, etwa für Mitarbeiter im Außendienst oder auf Montage, können Betriebsanweisungen auch im Intranet zur Verfügung gestellt werden, wenn die Mitarbeiter so ausgestattet werden, dass sie jederzeit schnellen Zugang erhalten.

Sicherheitsunterweisungen sind Pflicht

Der Arbeitgeber ist dafür verantwortlich, dass seine Mitarbeiter einmal jährlich unterwiesen werden. Für Mitarbeiter unter 18 Jahren ist diese Frist auf ein halbes Jahr verkürzt. Die Unterweisung dient dazu, die Beschäftigten über die Gefährdungen und Sicherheitsanforderungen an ihrem Arbeitsplatz zu informieren, betriebliche Anweisungen vorzustellen und ggf. Sicherheitsvorgaben wie das Benutzen von persönlicher Schutzausrüstung einzuüben. Die Unterweisungen sind mit Namen und Unterschriften aller Teilnehmer zu dokumentieren. Bei sicherheitsrelevanten betrieblichen Änderungen wie neue Arbeitsverfahren, neue Maschinen, aber auch bei neuen Mitarbeitern werden zusätzliche Unterweisungen unabhängig von den Jahresfristen notwendig.

Nach einem Elektrounfall dürfen die Sicherheitsverantwortlichen im Betrieb nicht zur Tagesordnung übergehen. Spätestens jetzt wird es notwendig,

  • Unfallhergang und Unfallursachen zu analysieren,
  • die Gefährdungsbeurteilung zu wiederholen und den Aktualisierungsbedarf zu klären,
  • die vorhandene Betriebsanweisungen auf Vollständigkeit, Korrektheit und Überarbeitungsbedarf zu checken,
  • die Mitarbeiter zum betreffenden Arbeitsvorgang erneut zu unterweisen.

Dieses Vorgehen ist unbedingt auch bei einem sogenannten Beinahe-Unfall zu empfehlen, d.h., in Situationen, in denen es gerade noch mal gut gegangen ist. Denn beim nächsten Wischer oder elektrischen Schlag, dessen Ursache nicht ermittelt und abgestellt wurde, könnten die Folgen für den Betroffenen schwerwiegender sein.

Für jede Elektrofachkraft von zentraler Bedeutung ist das Wissen um Erste Hilfe. Gerade bei Elektrounfällen kann das angemessene Reagieren bei steter Beachtung der Eigensicherung lebensrettend sein. In den Mitarbeiter-Unterweisungen sollte auch deutlich werden, warum vermeintlich harmlose Wischer bei Elektroarbeiten ernst genommen werden müssen und der Betroffene ärztlich betreut werden sollte.

Autor: Dr. Friedhelm Kring

Basierend auf „Sicherheitsunterweisung Elektrotechnik 2018“.

Friedhelm Kring

Dr. Friedhelm Kring - freier Lektor, Redakteur und Fachjournalist mit Schwerpunkt auf Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.

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