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Elektrische Anlagen in feuergefährdeten Betriebsstätten

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Feuergefährdete Betriebsstätte
Grundsätzlich gilt: Feuergefährdete Betriebsstätten sind Bereiche, in denen ein besonderes Brandrisiko besteht. (Bildquelle: abadonian/iStock/Thinkstock)

Frage aus der Praxis

Eine oft gestellte Frage: Was ist eine feuergefährdete Betriebsstätte? Die GDV Richtlinie „Elektrische Anlagen in feuergefährdeten Betriebsstätten und diesen gleichzustellende Risiken“ (VdS 2033) gibt Antworten. Sie wurde neu herausgegeben.

Antwort des Experten

Dip.-Ing. (FH) Karsten Callondann

Anlass zur Überarbeitung der Richtlinien waren neue gesetzliche Regelungen (BetrSichV) und der Wunsch, sie möglichst anwendungsfreundlich zu gestalten. Unverändert geblieben sind die drei Schwerpunkte, die die VdS 2033 im Wesentlichen ausmachen:
Einstufung feuergefährdeter Betriebsstätten und diesen gleichzustellende Risiken, Planung elektrischer Anlagen, Betrieb elektrischer Anlagen innerhalb feuergefährdeter Betriebsstätten.

Fragen zur Einstufung

Grundsätzlich sind feuergefährdete Betriebsstätten Bereiche, in denen ein besonderes Brandrisiko besteht. Zur Einstufung dient Tabelle 1 der VdS 2033. Allerdings betont ihr Abschnitt 2 unter „Allgemeines“, dass eine Einschätzung nach Tabelle 1 nicht ausreicht.
Entscheidend ist vielmehr, ob eine Brandgefahr entsprechend der Definition der VdS 2033 für feuergefährdete Betriebsstätten wirklich gegeben ist. Eine Hilfestellung für diesen Verfahrensweg findet sich im Anhang B der VdS 2033.

Entsprechend diesem Anhang dienen die Beispiele in Tabelle 1 nur zur Grobeinstufung. Zudem sollte abgefragt werden, ob leicht entzündliche Stoffe vorhanden sind und ob deren Menge ausreichend für ein sich schnell ausbreitendes Feuer ist. Eine letzte Abfrage betrifft die Entzündungsgefahr:
Wie kann das elektrische Betriebsmittel mit dem leicht entzündlichen Stoff in Kontakt kommen?
Dazu ein Beispiel: In Tabelle 1 ist Holz und Papier zu finden. Auf den ersten Blick sind also Betriebsstätten feuerfeuergefährdet, in denen Holz und Papier verarbeitet, bearbeitet oder gelagert werden. Handelt es sich dabei um Holzbalken oder fest gewickelte Papierrollen so sind diese zwar brennbar aber höchstwahrscheinlich nicht leicht entzündlich. Lose Papierhaufen oder kleine Holzleisten können dagegen sehr wohl leicht entzündlich sein.
Papier in einem Abfallkorb ist selbstverständlich leicht entzündlich, ist aber die Menge ausreichend?

Nehmen wir an, es ist leicht entzündliches Material in ausreichender Menge vorhanden. Bei Staub oder Fasern ist ein Kontakt mit elektrischen Betriebsmitteln schnell gegeben, wenn diese nicht z.B. durch Kanäle oder Gehäuse abgekapselt sind. Liegt keine Staub- oder Faserbelastung vor, sollte überlegt werden, ob das Material durch unsachgemäße Lagerung verrutschen und sich dem Betriebsmittel nähern kann oder ob sich das Betriebsmittel z.B. durch Herunterfallen dem brennbaren Material nähern kann.

Kann man alle Fragen des Leitfadens mit ja beantworten, handelt es sich um einen feuergefährdeten Bereich.

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