Kompetenzen für die Elektrofachkraft: Qualitätsmanagement

  • (Kommentare: 0)
  • Qualifikation
0/5 Sterne (0 Stimmen)
Qualitätsmanagement ist eine Methodenkompetenz.
Qualitätsmanagement ist eine Methodenkompetenz. (Bildquelle: Feodora Chiosea/iStock/Getty Images Plus)

Matthias Nienhaus, Professor für Antriebstechnik an der Universität Saarland, prognostiziert, dass zukünftig kein Maschinenbauer nur noch an der Werkbank arbeiten wird. Jeder muss sich mit Computersystemen auskennen und Daten interpretieren können (Gamillscheg 2017). Doch es ist nicht nur der fachkundige Umgang mit Informatik gefordert. Die Digitalisierung unserer Arbeitswelt hat auch weitreichende Auswirkungen auf Arbeitsabläufe und die Organisations- und Kommunikationsstrukturen im Unternehmen.

Auch für Sie als Techniker, Meister oder Ingenieur der Elektrotechnik verändern sich das Arbeitsumfeld, die Arbeitsprozesse und -aufgaben massiv. Unabhängig davon, ob Sie in der Instandhaltung oder in der Entwicklung, Konstruktion oder dem Betriebsmittelbau arbeiten, sind heute neben neuem Fachwissen auch sogenannte „weiche Kompetenzen“ wichtig. Hierzu gehören insbesondere Methoden- und Sozialkompetenzen.

Was ist Qualitätsmanagement?

Qualitätsmanagement (QM) bedeutet, die Qualität von Produkten, Dienstleistungen, Prozessen und Arbeitsbedingungen gemäß vorhandenen Richtlinien und Standards sicherzustellen und weiterzuentwickeln. Qualität ist für die Kundenbindung wesentlich. Die Produkteigenschaften, der Preis und die Qualität bestimmen unsere Wettbewerbsfähigkeit.

QM ist eine Methodenkompetenz, wenn wir an die vielen Methoden und Systeme zur qualitativen Verbesserung von Prozessen und Strukturen denken, benötigt aber wie die Kundenorientierung auch eine positive Einstellung und ein Bewusstsein der Bedeutung von Qualität.

Im allgemeinen Sprachgebrauch steht Qualität für die Beschaffenheit oder Güte von Produkten oder Dienstleistungen. Dabei ist es sehr subjektiv, ob wir etwas als gute oder schlechte Qualität bezeichnen. So bezeichnete der amerikanische Qualitätsexperte Joseph M. Juran Qualität als „Fitness for Use“. Nach dieser Definition wird Qualität als Gebrauchstauglichkeit eines Erzeugnisses aus der Sicht des Kunden verstanden. Auch die international verbreitete DIN-Norm ISO 9001 stellt die Anforderungen der Kunden an Produkte und Dienstleistungen in den Mittelpunkt.

Der Amerikaner William E. Deming, der zu den wichtigsten Pionieren des Qualitätswesens zählt, versteht ebenfalls die Bedürfnisse des Kunden als oberstes Qualitätsziel. Er verzichtet auf eine übergreifende Definition des Begriffs Qualität und vertritt die zwei folgenden Ansätze:

  • Da Qualität nicht ergebnisbezogen geprüft werden kann, liegt der Hebel zur Qualitätsverbesserung in den Prozessen und damit statistischen Verfahren der Prozesssteuerung und -regelung (statistische Qualitätskontrolle). Es gilt, die Prozesse kontinuierlich zu verbessern, um schließlich qualitativ hochwertige Produkte zu erzeugen. In diesem Zusammenhang ist der PDCA-Zyklus oder Deming-Kreis wichtig, auf den wir weiter unten eingehen.
  • Zudem misst Deming dem Verhalten der Mitarbeiter bezüglich Zusammenarbeit und Kommunikation sowie einer offenen Unternehmenskultur eine hohe Bedeutung zu.

TQM

Mit diesem ganzheitlichen Ansatz hat Deming den Grundstein für das Total Quality Management (TQM) gelegt. TQM zielt nicht nur auf das Produkt, sondern ist ein ganzheitliches Unternehmenskonzept, das auf die ständige Verbesserung der Qualität der Arbeit aller Geschäftsbereiche ausgerichtet ist. Ziel ist es, durch Prozessoptimierung und Mitarbeiterentwicklung die höchstmögliche Kundenzufriedenheit zu erreichen und sich somit die Marktführung zu sichern. Das TQM geht daher weit über den herkömmlichen Ansatz der Qualitätskontrolle hinaus und bindet alle Menschen einer Organisation in das Qualitätsmanagement ein. Die Erfüllung der Kundenanforderungen wird als das primäre Ziel eines Unternehmens angesehen.

Wie wird Qualitätsmanagement erfasst?

Die Kompetenz „Qualitätsmanagement“ ist auf vier Ebenen beschrieben. Verhaltensanker für jede Ebene ermöglichen es, die jeweilige Ausprägung zu erfassen.

Vom Einsteiger zum Experten

Die Skalierung der Kompetenz „Qualitätsmanagement“
Die Skalierung der Kompetenz „Qualitätsmanagement“ (Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.)

Wie wird Qualitätsmanagement entwickelt?

Wie bei vielen anderen Methodenkompetenzen stehen uns zahlreiche Hilfsmittel und Techniken zur Verfügung, um das Qualitätsmanagement zu stärken.

Der PDCA-Zyklus

Der PDCA-Zyklus ist hierbei ein zentrales Werkzeug. Er beschreibt einen sich wiederholenden vierstufigen Problemlösungsprozess. PDCA steht dabei für die englischen Begriffe Plan – Do – Check – Act und wird mit Planen – Tun – Überprüfen – Umsetzen ins Deutsche übersetzt.

„Der PDCA-Zyklus stellt vor allem die Mitarbeiter vor Ort mit ihrer exakten Kenntnis der Situation am Arbeitsplatz in den Mittelpunkt der Planung. So wird der PDCA-Zyklus einerseits für die Qualitätssicherung angewandt. Andererseits ist er aber auch ein wichtiges Werkzeug zur Systematisierung des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (Kaizen).“ (Salazar, Zimmermann, Regber 2014) Für die einzelnen Bearbeitungsschritte der jeweiligen Stufen im PDCA-Zyklus gibt es wirksame Methoden und Hilfsmittel wie z.B. das Pareto-Diagramm, das Fischgrätendiagramm (Ishikawa), die 5W-Fragetechnik und andere.

Um das Thema Qualitätsmanagement ist eine regelrechte Dienstleistungsindustrie mit Büchern, Seminaren und Beratern entstanden. So bietet u.a. das Six Sigma-System eine Vielzahl an effektiven Werkzeugen und Methoden.

„Wenn es einen Weg gibt, etwas besser zu machen: finde ihn.“

Thomas A. Edison

Literatur

  • Salazar, Y.; Zimmermann, K.; Regber, H.: Bereit für das Unerwartete. Zürich 2014
  • Gamillscheg, M. (2017): Industrie 4.0 Wo ist der Haken? ZEIT Campus Magazin 6/17
  • Autorin:

    Yvonne Salazar, M.A.

    Educational Consultant

    Yvonne Salazar ist international als Beraterin im Bereich Berufsbildung tätig. Ihre Arbeitsschwer­punkte sind die Einführung von Kompetenzmanagement, die Entwicklung und Anpassung von Berufs­profilen, die Qualifizierung von Lehrkräften in lernerzentrierten, interaktiven Lernmethoden sowie die Weiterentwicklung und Zertifizierung von Berufsbildungszentren.

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 9 und 5?