Richtiges Verhalten bei einem Brand – das musst du tun

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So verhältst du dich richtig bei einem Brandfall.
Als Elektro-Azubi solltest du die richtigen Maßnahmen im Brandfall kennen. (Bildquelle: O. Farian/stock.adobe.com)

Als Elektro-Azubi arbeitest du in Bereichen, in denen es zu einem Brandfall kommen kann. Auch ein defektes Kabel kann einen Brand auslösen. Deshalb ist es wichtig für dich, gut vorbereitet zu sein. Was musst du tun, wenn es brennt? Hier erfährst du alles über das richtige Verhalten im Brandfall.

Wichtig ist, dass man im Betrieb für einen Brandfall gut vorgesorgt hat. Zur guten Vorsorge gehören drei Dinge:

  1. Die Beschäftigten müssen regelmäßig über das Verhalten im Brandfall unterrichtet werden.
  2. Flucht- und Rettungswege müssen ausgewiesen sein. Sie dürfen nicht zugestellt oder versperrt sein.
  3. Feuerlöscher müssen jederzeit schnell und leicht erreichbar sowie einsatzbereit sein. Sie müssen regelmäßig gewartet werden.

Im Ernstfall kommt es entscheidend darauf an, dass die Standorte von Feuerlöschgeräten bekannt sind, die Geräte funktionieren und die Beschäftigten sich im Umgang damit auskennen, also darin unterwiesen sind.

Im Ernstfall bzw. beim Entdecken eines Brands gelten die folgenden Regeln. Wenn du diese als Elektro-Azubi befolgst, verhältst du dich genau richtig.

Ruhe bewahren

Verschaffe dir zuerst einen Überblick und versuche, aufkommende Panik zu unterdrücken. Wer überlegt und systematisch vorgeht, handelt zielsicherer und wirkungsvoller als dies bei hektischem Aktionismus möglich ist! Achte zunächst auf deine eigene Sicherheit und überzeuge dich davon, dass dein Fluchtweg frei ist.

Brand melden

Jeder Brand ist sofort zu melden. Entweder über den nächsten Handmelder/Druckknopfmelder oder eine telefonische Meldung an die Rettungsleitzentrale mit dem Notruf 112 bzw. die örtliche Feuerwehr. Du musst genaue Angaben machen:

  • WAS ist passiert? (Offenes Feuer oder Schwelbrand? Was brennt? Schäden an Menschen und Sachen, sonstige Gefahrensituationen)
  • WO ist es passiert? (genaue Beschreibung des Ortes)
  • Rückfragen abwarten und überlegt antworten!
  • Anweisungen der Notrufstelle befolgen, ggf. notieren!

In dieser Situation ist eine überlegte und wirkungsvolle Vorgehensweise wichtig. Hänge also nicht in falscher Eile und Hektik nach erfolgter Meldung sofort den Hörer auf. Gib der Meldestelle Gelegenheit, bei dir nachzufragen. So hast du auch die Chance, dass dir die Rettungsleitzentrale bzw. Feuerwehr wertvolle Tipps gibt, wie du dich bis zu ihrem Eintreffen verhalten kannst.

Handmelder oder Druckknopfmelder sind in den meisten Fällen direkt an eine Brandmeldeanlage angeschlossen. Diese meldet den Alarm dann automatisch an die Rettungsleitzentrale oder Feuerwehr. Sind solche Brandmeldeanlagen im Einsatz, kann eventuell die telefonische Meldung über den Notruf entfallen.

Wenn du alleine bist und einen Brand meldest, dann musst du:

  1. Zuerst die Rettungsleitzentrale bzw. die Feuerwehr informieren.
  2. Dann die Personen oder Stellen informieren, die auf dem Alarmplan bzw. Notfallplan vom Anlagentreiber benannt sind.

Auf dem Alarmplan oder auch Notfallplan sollte auf jeden Fall festgehalten sein:

  • Standorte der Handmelder/Druckknopfmelder bzw. Brandmeldeanlagen
  • Hinweise zum Vorgehen im Brandfall einschließlich der Telefonnummern von Ansprechpartnern
  • Angaben, wer zuständig ist – einschließlich der Vertretung im Fall der Abwesenheit und Sicherstellung der Erreichbarkeit

An den festgelegten Stellen sollten sich zusätzlich zu den Notrufnummern gut sichtbar Schilder mit diesen Hinweisen befinden:

Betreiber der Anlage verständigen
Telefon

 

Prüfen, ob die elektrische Anlage abgeschaltet werden muss

Ein Brand kann dadurch ausgelöst werden, dass ein elektrisches Betriebsmittel defekt ist oder es einen Defekt in einer elektrischen Anlage gibt. Brände können aber auch durch spannungsführende Anlagenteile bzw. elektrische Betriebsmittel beschleunigt oder vergrößert werden. Wesentlicher noch: Rettungskräfte der Feuerwehr könnten durch das Ausbringen des Löschwassers auf spannungsführende Teile gefährdet werden.

Deshalb gilt:

Prüfe umgehend, welche spannungsführenden Teile einer Anlage abzuschalten bzw. spannungsfrei zu machen sind. Aber achte darauf, dass du in der Hektik nicht Anlagenteile spannungsfrei schaltest, die zur Rettungsarbeit noch gebraucht werden. Insoweit gilt der Grundsatz: so wenig wie möglich ausschalten!

In Sicherheit bringen

Das sind die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen bei einem Brand:

  • Personen warnen.
  • Türen und Fenster schließen.
  • Gekennzeichnetem Fluchtweg folgen.
  • Stark verqualmte Räume gebückt oder kriechend verlassen.
  • Keinen Aufzug benutzen.
  • Hilflose Personen mitnehmen.
  • Bei Räumungsmaßnahmen stets prüfen, ob keine Personen zurückgeblieben sind (z.B. in Nebenräumen und WCs).
  • Die Sammelplätze aufsuchen, die in den Flucht-/Alarmplänen festgelegt und gekennzeichnet sind.
  • Weisungen beachten.

Auf die Anwesenheit aller Mitarbeiter und Besucher auf dem Sammelplatz ist zu achten. Auf dem Sammelplatz wird die Vollzähligkeit durch die Vorgesetzten/Beauftragten festgestellt und der Feuerwehr gemeldet.

 

Im Brandfall Löschversuch unternehmen?

Grundsätzlich gilt: Der Löscherfolg ist umso größer, je eher er erfolgt. Ist der Brand jedoch schon in einem Zustand, dass er durch eine Person mit einem Feuerlöscher nicht mehr wirkungsvoll zu bekämpfen ist, gilt die Regel: zuerst alarmieren!

Menschenrettung geht vor Löschen eines Brands und Rettung von Sachgütern.

Löschversuche nur ohne Gefährdung der eigenen Sicherheit

Brände sollten möglichst mit den nächstgelegenen geeigneten Löschgeräten bekämpft werden. Die Löschversuche sind nur ohne Gefährdung der eigenen Person durchzuführen. Wenn du dir nicht sicher bist, ob die betroffenen Anlagenteile spannungsfrei sind oder ob Wasser das richtige Löschmittel ist, unterlasse jeden Versuch des Löschens auf dem „gewohnten“ Weg (mit Wasser). Benutze die bereitgestellten Feuerlöschmittel.

Gehe beim Löschen wie folgt vor:

  • Geeigneten Feuerlöscher auswählen und benutzen.
  • Handfeuerlöscher erst am Brandherd in Betrieb setzen.
  • Mindestabstand zu unter Spannung stehenden Teilen der Anlage einhalten.

Bei der Benutzung des Handfeuerlöschers ist Folgendes zu beachten:

  • Feuer in Windrichtung angreifen (nicht gegen die Windrichtung).
  • Flächenbrände (Flüssigkeiten, Benzin) vorne beginnend ablöschen.
  • Tropf- und Fließbrände von oben nach unten löschen.
  • Angemessene Anzahl von Löschern auf einmal einsetzen, nicht nacheinander.
  • Brandherd weiter beobachten, um ein Wiederentzünden oder eine Rückzündung zu verhindern.

Die Mindestabstände zwischen Löschmittelaustrittsöffnung und unter Spannung stehenden Teilen der elektrischen Anlage sind erforderlich, um eine Stromeinwirkung auf das den Löscheinsatz durchführende Personal zu verhindern.

Maßnahmen nach dem Brand

Das Betreten der Brandstelle ist erst nach der Freigabe durch die Feuerwehr bzw. durch die Person möglich, die vor Ort verantwortlich ist. Unbefugte Personen dürfen die Brandstelle nicht betreten.

Beim Betreten der Brandstelle besondere Vorsicht erforderlich

Anlagenteile könnten unter Spannung stehen. Es besteht die Gefahr, dass alle vorhandenen Metallteile (nicht nur elektrische Leitungen und Geräte) durch Löschmittel und durch beschädigte Isolierungen unter Spannung stehen können. Unter Umständen stehen nach der Löschung Rahmenteile beschädigter Anlagen, Rohrleitungen, Heizkörper, Dachrinnen oder Drahtzäune unter Spannung.

Brandraum lüften

Zunächst müssen die Feuerwehr bzw. sachkundige Personen die Räume oder Bereiche, in denen es gebrannt hat, freigegeben haben. Dann sind diese ausreichend zu lüften, ehe sie von Personen ohne Atemschutz betreten werden. Bei der Belüftung des Raums ist zu kontrollieren, ob sich mit der Frischluftzufuhr giftige und korrosive Zersetzungsprodukte im Gebäude ausbreiten.

Sollten Personen mit giftigen Zersetzungsprodukten in Kontakt gekommen sein, so müssen sie sofort zu einem Facharzt. Auch dann, wenn nur der Verdacht darauf besteht.

Waren beim Brand PCB-haltige Betriebsmittel beteiligt, dann gilt:

  • Brandstelle sperren und sichern.
  • Maßnahmen entsprechend der Kontamination treffen.

Die durchzuführenden Maßnahmen sind abhängig davon, wie das Ergebnis der Kontaminationsprüfung lautet.

Weitere Maßnahmen nach einem Brand

  • Unter Spannung stehende Anlagenteile gegen direktes Berühren sichern bzw. abschalten.
  • Pulverbeläge auf Isolatoren beseitigen.

Pulverbeläge auf Isolatoren können zu Schäden führen und sollten möglichst bald nach Beendigung der Löscharbeiten beseitigt werden.

Die Freigabe oder Wiederinbetriebnahme elektrischer Anlagen darf in Hochspannungsanlagen nur durch den Anlagenverantwortlichen erfolgen.

  • Autor:

    Lic. jur./Wiss. Dok. Ernst Schneider

    Inhaber eines Fachredaktionsbüros

    Ernst Schneider

    Ernst Schneider ist Mitglied in der Sektorgruppe Elektrotechnik (ANP-SGE) und in der Themengruppe Produktkonformität (ANP-TGP) des Ausschusses Normenpraxis im DIN e.V.

    Er veröffentlichte bereits eine Vielzahl von Büchern, Fachzeitschriften und elektronischen Informationsdiensten. Seit 2004 ist er außerdem Unternehmensberater für technologieorientierte Unternehmen.

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