So geht der richtige Umgang mit elektrischen Betriebsmitteln

  • (Kommentare: 0)
  • Azubis unter Strom – Fachbeiträge
5/5 Sterne (1 Stimme)
Umgang mit elektrischen Betriebsmitteln
Wie gehe ich mit elektrischen Betriebsmitteln um? (Bildquelle: Twister40/iStock/Getty Images)

Was sind elektrische Betriebsmittel?

Elektrische Betriebsmittel nennt man Gegenstände, die diesen Zwecken dienen:

  • als Ganzes oder in einzelnen Teilen dem Anwenden elektrischer Energie (z.B. Gegenstände zum Erzeugen, Fortleiten, Verteilen, Speichern, Messen, Umsetzen und Verbrauchen)

oder

  • dem Übertragen, Verteilen und Verarbeiten von Informationen (z.B. Gegenstände der Fernmelde- und Informationstechnik)

Den elektrischen Betriebsmitteln werden solche Schutz- und Hilfsmittel gleichgesetzt, die Anforderungen hinsichtlich der elektrischen Sicherheit erfüllen müssen.

Nur die Elektrofachkraft darf elektrische Betriebsmittel errichten, ändern oder instand halten.
Victor_85/Getty Images

 

Elektrische Anlagen und Betriebsmittel dürfen nur von einer Elektrofachkraft (EFK) oder unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft errichtet, geändert und instand gehalten werden.

Dafür hat der Arbeitgeber zu sorgen.

Was sind elektrotechnische Regeln?

Elektrotechnische Regeln sind allgemein anerkannte Regeln der Elektrotechnik, die in den VDE-Bestimmungen enthalten sind. Eine elektrotechnische Regel gilt auch als eingehalten, wenn eine ebenso wirksame andere Maßnahme getroffen wird.

Außerdem sind folgende VDE-Bestimmungen für den Betrieb elektrischer Anlagen und Betriebsmittel einzuhalten (Auswahl):

  • DIN VDE 0105-100 „Betrieb von elektrischen Anlagen“
  • DIN VDE 0104 „Errichten und Betreiben elektrischer Prüfanlagen“
  • DIN VDE 0800-1 „Fernmeldetechnik – Allgemeine Begriffe, Anforderungen und Prüfungen für die Sicherheit der Anlagen und Geräte“

Wie sind elektrische Betriebsmittel auszuwählen?

Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel

Unter ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmitteln versteht man Betriebsmittel, die während des Betriebs bewegt oder leicht von einem Platz zum anderen gebracht werden können. Insbesondere dann, wenn sie bewegt werden, während sie an den Versorgungsstromkreis angeschlossen sind. Das sind z.B. elektrische Handgeräte bzw. Handwerkzeuge, handgeführte Werkzeugmaschinen, Schutzkleinspannungs- und Trenntransformatoren, Handleuchten, Verlängerungsleitungen und Leitungsroller.

Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel sind unentbehrliche Hilfen bei vielen Tätigkeiten. Entsprechend groß ist die Palette der äußeren Bedingungen, unter denen sie eingesetzt werden.

Der Umgang mit elektrischen Betriebsmitteln ist gefährlich.
illusart/Getty Images

Sehr unterschiedlich ist auch die Sachkenntnis derjenigen, die mit elektrischen Betriebsmitteln umgehen. Genau darin liegt jedoch ein großes Gefahrenpotenzial. In der Regel ist es nur der ausgebildeten Fachkraft möglich zu beurteilen, ob z.B. die vorhandene Bohrmaschine oder Handleuchte für die durchzuführende Arbeit geeignet ist.

Auch die Art der Arbeit und die Umgebung, in der sie durchzuführen ist, bestimmen die Auswahl der ortsveränderlichen Betriebsmittel.

Benutze nur gekennzeichnete und geprüfte Betriebsmittel!

Entsprechend verschiedenen Regeln sind alle auf dem Markt befindlichen elektrischen Betriebsmittel gekennzeichnet, z.B.:

  • Kennzeichnung CE, VDE oder VDE/GS
  • soweit erforderlich Prüfmarke/-kennzeichnung

Das ist vor der Benutzung elektrischer Betriebsmittel zu beachten

Vor der Benutzung solltest du die Bedienungsanleitung sorgfältig lesen und das Betriebsmittel in Augenschein nehmen.

Elektrische Betriebsmittel werden nicht nur mit einer Betriebsanleitung, sondern auch mitHinweisen zu möglichen Gefahren beim Umgang ausgeliefert. Beschäftigte, die mit diesen Betriebsmitteln arbeiten, sollten mit dem Inhalt der Anleitung bzw. mit den Hinweisen vertraut sein.

Richtiger Umgang mit elektrischen Betriebsmitteln

Vergessen wird dabei oft: Es stellt einen Unterschied dar, ob man eine handelsübliche Bohrmaschine in einer Werkstatt, im Haushalt, in einem feuchten oder explosionsgefährdeten Raum benutzen will.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist, ob es sich bei der Bohrmaschine um ein relativ neues, unbeschädigtes Betriebsmittel handelt oder ob das Gerät nach einiger Zeit „Gebrauchsspuren“ z.B. in Form von beschädigten Kabeln oder Steckern aufweist.

Daher ist es wichtig, vor der Benutzung eines elektrisch betriebenen Betriebsmittels die folgenden Kriterien zu überprüfen:

Beim Umgang mit elektrischen Betriebsmitteln solltest du die Anleitung beachten.
illusart/Getty Images
  • Eignung für den Einsatz hinsichtlich Betriebsart (Netzspannung, Leistungsangabe) und Umgebungsbedingungen (feucht, nass, rau, staubig, Temperaturbereich)
  • mögliche Gefährdungen und anzuwendende Schutzmaßnahmen (Sicherheitshinweise)
  • Hinweise zur Installation und Aufstellung (Gebrauchslage)
  • Hinweise zur Anwendung/Benutzung (bestimmungsgemäßer Gebrauch, gewerblich/Haushalt)
  • Hinweise zur (regelmäßigen) Reinigung und zur Wartung (Wartungsintervalle)

Grundsätze im Umgang mit Elektrogeräten

Es dürfen nur Elektrogeräte an das Stromnetz angeschlossen werden,

  • die äußerlich keine Mängel aufweisen,
  • die gebrauchsfähig sind (hierbei auch die Stichworte wie „Einschränkungen z.B. für Feuchträume und explosionsgefährdete Bereiche“ beachten!) und
  • deren Schalter vor Beginn des Gebrauchs in der Aus-/Null-Stellung sind.

Sicht- und Funktionsprüfung vor der Benutzung

Vor jedem Benutzen eines elektrischen Betriebsmittels (eines Elektrogeräts) hat der Benutzer die Sicht- und, soweit möglich bzw. notwendig, Funktionsprüfung durchzuführen.

Gerade bei der Sichtprüfung sind die vorbeugenden Maßnahmen zum Schutz gegen elektrischen Schlag zu beachten. Das sind z.B.:

  • (Sicht-)Prüfung auf Schäden an den Anschlussleitungen
  • (Sicht-)Prüfung auf Schäden an (Gehäuse-)Isolierungen
  • bestimmungsgemäße Auswahl und Anwendung von Leitungen und Steckern
  • Zustand des Netzsteckers, der Anschlussklemmen und -adern
  • Mängel am Biegeschutz und an der Zugentlastung der Anschlussleitung
  • Zustand der Befestigungen, Leitungshalterungen, der dem Benutzer zugänglichen Sicherungshalter usw.
  • Schäden am Gehäuse und an den Schutzabdeckungen
  • Anzeichen einer Überlastung oder einer unsachgemäßen Anwendung
  • Anzeichen unzulässiger Eingriffe oder Veränderungen
  • Bedienbarkeit von Schaltern, Steuereinrichtungen, Einstellvorrichtungen usw.
  • Lesbarkeit aller der Sicherheit dienenden Aufschriften oder Symbole, der Bemessungsdaten und Stellungsanzeigen

Was außerdem zu beachten ist

Vor allem bei Arbeiten in den Außenbereichen und bei Arbeiten unter Zeitdruck werden elektrische Betriebsmittel oft über ihre Leistungsgrenzen hinaus belastet und mechanisch in Anspruch genommen. Beachtet deshalb:

  • Zuleitung/Anschlusskabel sicher verlegen (kein Hindernis, nicht über scharfe Kanten führen).
  • Starke mechanische Beanspruchung vermeiden (Einklemmen, Stöße, Schläge, Überfahrenwerden).
  • Keinen übermäßigen Zug an beweglichen Leitungen ausführen.
  • Mit elektrischen Betriebsmitteln und deren Anschlussleitung sorgfältig umgehen!
  • Stecker von Elektrogeräten immer am Griff anfassen, nie an der Zuleitung ziehen!
  • Elektrische Leitungen haben an den Enden grundsätzlich eine Zugentlastung, die als Schutzeinrichtung ein Lösen der Leitung vom Stecker bzw. Betriebsmittel verhindern soll.
  • Das Ziehen an der Leitung führt zu Schäden der Isolation, da ein Stecker mit relativ großer Kraft in der Steckdose gehalten wird.

Grundsätze beim Betreiben von Elektrogeräten

Folgende Grundsätze sollten beim Betreiben von Elektrogeräten beachtet werden:

  • Beachte Herstellerangaben: Geräte nur entsprechend den Herstellerangaben betreiben und benutzen.
  • Nur beaufsichtigt: Im Allgemeinen sind Elektrogeräte nur beaufsichtigt zu betreiben (Ausnahme: Bereitschaftsschaltung/Stand-by). Bei längerer Nichtbenutzung sollte das Elektrogerät abgeschaltet werden.
  • Halte Sicherheitsabstände ein: Die Sicherheitsabstände sind zu beachten. Elektrogeräte sind in ausreichendem Abstand von Feuchte- und Wärmequellen standsicher aufzustellen bzw. zu benutzen.
  • Freie Belüftungsöffnungen: Belüftungsöffnungen müssen frei gehalten werden, um einen Wärmestau zu vermeiden. Damit die vom Hersteller vorgesehene Luftkühlung nicht behindert wird, dürfen Belüftungsöffnungen (z.B. im Boden) sowie Entlüftungsschlitze im Gehäuse nicht durch Gegenstände abgedeckt werden.
  • Keine Gegenstände auf Gerät: Keine Gegenstände auf das Gerät stellen.
  • Benutze Geräteschalter: Gerät nur über Geräteschalter ein-/ausschalten bzw. bedienen.
  • Kaputte Geräte außer Betrieb nehmen: Beschädigte Geräte, auch wenn sie noch funktionieren, nicht weiterverwenden; sie sollten umgehend durch eine Elektrofachkraft fachgerecht instand gesetzt werden. Beschädigungen am Elektrogerät oder an dessen Zuleitung können den Schutz gegen elektrischen Schlag unwirksam machen. Aus diesem Grund sind beschädigte Elektrogeräte außer Betrieb nehmen.
  • So funktioniert Außerbetriebnahme: Eine Außerbetriebnahme hat durch Ausschalten des Elektrogeräts und, soweit möglich, Trennen von der Stromversorgung zu erfolgen. Achte dabei darauf, dass sichtbar gewordene aktive Teile (Kupferlitze der Zuleitung) nicht berührt werden (Gefahr des elektrischen Schlags).
  • Sicher ausschalten: Nach dem Benutzen Gerät durch den Geräteschalter ausschalten und ortsbewegliche Geräte durch Ziehen am Griff des Anschlusssteckers vom Stromnetz trennen. Nur durch das Ziehen des Steckers wird das Elektrogerät sicher vom Netz getrennt, sodass das Gerät einschließlich Zuleitung spannungsfrei ist. Außerdem ist dann das Gerät z.B. gegen Überspannungen aus dem Stromnetz geschützt, z.B. bei Gewittern.
  • Auskühlen lassen: Elektrogeräte nach dem Gebrauch auskühlen lassen, bevor diese in die Nähe brennbarer Materialien abgestellt oder in solche eingepackt werden. Durch heiße Geräteteile könnten brennbare Materialien entzündet werden.

Benutzen von Elektrogeräten im Freien

Im Freien nur Elektrogeräte mit Eignung für das Betreiben im Freien benutzen (Herstellerangaben beachten!).

Bei besonderen Umgebungsbedingungen müssen geeignete zusätzliche Maßnahmen getroffen werden oder die Arbeiten sind einzustellen. Besondere Umgebungsbedingungen im Freien sind z.B. Nässe oder leitfähiger Staub. Zusätzliche Maßnahmen sind z.B. Wetterschutz, Abdeckungen und Schutzhauben.

Bei besonderen Betriebsbedingungen sind vor Arbeitsbeginn ergänzende Schutzmaßnahmen zu treffen. Dies kann z.B. die Verwendung von Schutzkleinspannung oder Schutztrennung sein.

Schließe elektrische Geräte im Außenbereich nur über eine Verlängerungsleitung an, die für den Außenbereich geeignet ist.

Die Anwendung einer für den Außenbereich geeigneten Verlängerungsleitung, wie z.B. mit der Kennzeichnung H07RN-F, verringert das Risiko eines elektrischen Schlags:

  • geschützt mit Schutzeinrichtung RCD (IΔN ≤ 30 mA): Der Einsatz einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) oder einer Personenschutzeinrichtung (PRCD-S) vermindert das Risiko eines elektrischen Schlags aufgrund von Feuchtigkeit/Nässe.
  • Schutzleiter muss mitgeführt sein: Eine Unterbrechung des Schutzleiters erhöht die Gefahr des elektrischen Schlags für den Benutzer. Daher sollte eine Verlängerungsleitung nicht durch eine weitere Verlängerungsleitung verlängert werden.
Im Freien nur Elektrogeräte mit Eignung für das Betreiben im Freien benutzen.
Im Freien nur Elektrogeräte mit Eignung für das Betreiben im Freien benutzen. (Bildquelle: JK1991/iStock/Getty Images)
Wenn du elektrische Betriebsmittel im Freien verwendest, musst du besonders vorsichtig sein - zum bei Nässe.
illusart/Getty Images
  1. Verlängerungsleitungen und elektrische Betriebsmittel sollen (auch im ausgeschalteten Zustand) erst an das Netz angeschlossen werden, wenn sie gebrauchsfertig aufgestellt bzw. verlegt sind.
  2. Am Ende einer Tätigkeit im Freien sind Verlängerungsleitungen zuerst vom Netz zu trennen, bevor sie aufgenommen bzw. zusammengerollt werden.
  3. Im Falle von Nässe oder Beschädigungen an den Betriebsmitteln vermeidest du so Gefährdungen.
  • Autor:

    Dipl.-Ing. Sven Ritterbusch

    Geschäftsführender Gesellschafter der GAB Ingenieure GmbH

    Ritterbusch Sven

    Im Jahr 2013 gründete Dipl.-Ing. Sven Ritterbusch die GAB Ingenieure GmbH, die Unternehmen in den Bereichen Arbeitsschutz und Brandschutz berät. Dort ist er als geschäftsführender Gesellschafter und VdS-anerkannter Sachverständiger zum Prüfen elektrischer Anlagen tätig.

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 7 und 6?