Diese speziellen Prüfeinrichtungen gibt es

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Welche speziellen Prüfeinrichtungen begegnen dir bei der Prüfung?
Welche speziellen Prüfeinrichtungen begegnen dir bei der Prüfung? (Bildquelle: Shinyfamily/iStock/Getty Images)

Prüfgeräte mit einer Ja-Nein-Aussage

Bei Prüfgeräten mit einer Ja-Nein-Anzeige erfolgt die Anzeige des Messergebnisses durch eine optische und/oder eine akustische Meldung, wenn bei einer Messung der zulässige Grenzwert über- bzw. unterschritten wird. Im Gegensatz zu den anderen Prüfgeräten wird z.B.

  • nicht präzise angezeigt, welcher Isolations- oder Schutzleiterwiderstand vorhanden ist, sondern
  • „nur” angegeben, ob dessen Wert in dem nach der Norm zulässigen Bereich liegt oder nicht.

Eingeschränkte Messaussage

Das heißt:

Die „Ja-Aussage” bietet dem Prüfer im Gegensatz zu den Anzeigen der anderen Prüfgeräte nicht die Möglichkeit, den Messwert mit den üblicherweise zu erwartenden Werten zu vergleichen.

Zu beachten ist bei dem Anwenden eines solchen Prüfgeräts auch, dass ein Prüfling, der die Grenzwerte der Normen gerade noch einhält (z.B. Riso = 0,251 MΩ, RSL = 0,299 Ω), positiv beurteilt wird. Dem Prüfer bleiben somit die als Folge einer Beschädigung, durch eingedrungene Feuchte oder Stäube entstehenden Auswirkungen auf die Messwerte verborgen.

Schwachstellen werden nicht immer gefunden

Er bemerkt nicht, dass die Ja-Aussage nur als „im Moment der Prüfung ist der Prüfling gerade noch sicher” gewertet werden dürfte. Schwachstellen, d.h. entstehende „Fehler, mit denen gerechnet werden muss”, bleiben bestehen.

Das heißt: Geräte, die einer genaueren Untersuchung durch eine Fachkraft zugeführt werden müssten, erhalten möglicherweise die Freigabe.

Allein die „Ja-Anzeige” eines solchen Prüfgeräts mit z.B. einer derartigen rein „qualitativen” und nicht numerischen Feststellung ist somit keine Grundlage für die Aussage „Prüfung nach Norm bestanden”.

Anwendungsbedingungen

Dieses „Ja” kann daher

  • nur Ergänzung/Bestätigung des positiven Ergebnisses einer vorausgegangenen gründlichen Sichtprüfung sein oder
  • ohne die Mitwirkung einer erfahrenen Elektrofachkraft nur dann als Freigabe für die weitere Anwendung gewertet werden, wenn eine Zwischenkontrolle zum Ermitteln grober Mängel unabhängig bzw. ergänzend zu der turnusmäßigen Wiederholungsprüfung vorgenommen wird, und
  • gewöhnlich nicht als ausreichende Aussage über das Ergebnis einer Prüfung nach der Instandsetzung gewertet werden.

In jedem Fall muss derjenige, der den gesamten Prüfablauf zu verantworten hat, bei seiner Entscheidung über die Anwendung des Geräts die eingeschränkte Aussage des Prüfgeräts und die Qualifikation des jeweiligen Prüfers (befähigte Person) berücksichtigen.

Achtung

Im Grunde kann mit solchen Geräten nur die Funktion geprüft werden!

Anwendungsmöglichkeiten

Die Vorteile eines solchen Ja-Nein-Prüfgeräts wie

  • einfache und sichere Handhabung,
  • kostengünstige Anschaffung,
  • Unempfindlichkeit und
  • schnelle Verfügbarkeit

empfehlen es daher vor allem für ergänzende Zwischenkontrollen durch Elektrofachkräfte oder elektrotechnisch unterwiesene Personen, d.h. vor der Übergabe in der Werkzeugausgabe, bei der Rückgabe, der Übernahme von Dritten, vor der Eröffnung einer neuen Baustelle oder nach grober mechanischer Beanspruchung. Vorteilhaft anzuwenden sind sie auch immer dann, wenn in Ergänzung des Besichtigens, mit dem ja in gewissem Umfang auch der ordnungsgemäße Zustand der Isolierungen beurteilt werden kann, das Vorhandensein der im Fehlerfall wichtigen Schutzleiterverbindung nachzuweisen ist.

Zu überlegen ist auch, ob es nicht überall dort zur Anwendung kommen kann, wo es nicht um die turnusmäßige Wiederholungsprüfung geht und weniger qualifizierte Personen (Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten) die von ihnen angewandten oder in ihrem Arbeitsbereich anzutreffenden ortsveränderlichen Geräte kontrollieren könnten. Auch das wäre ein wesentlicher Vorteil gegenüber dem völligen Unterlassen einer Prüfung. Der Zeitabstand der Wiederholungsprüfungen könnte dann vielleicht sogar entsprechend vergrößert werden.

Strommesszangen

Strommesszangen haben sich beim Messen der Ströme von einigen Hundert Milliampere bis hin in den Kiloampere-Bereich bewährt. Aufgrund ihres Konstruktionsprinzips bieten sich diese Zangen auch zur Ableitstrommessung und vor allem dann an, wenn ein Gerät im Betriebszustand geprüft werden soll. Eine Prüfung mit den normalerweise verwendeten Prüfgeräten erfordert im Gegensatz zu dem Einsatz von Strommesszangen das vorübergehende Trennen des Prüflings von der Versorgungsanlage. Unter der Bezeichnung Leckstromzange werden Messzangen speziell für das nach den Normen geforderte Messen des Ableit-(Schutzleiter-)stroms angeboten.

Messfehler

So machst du es besser

Leider muss in diesen Anwendungsfällen mit einem nicht exakt bestimmbaren Messfehler (plus oder minus) gerechnet werden, der ein Mehrfaches des Messwerts betragen kann. Ursachen dafür sind, dass

  • Streufelder zu erfassen sind, deren Stärke bei lediglich 1/1.000 bis 1/10.000 der Felder liegt, die durch Ströme im Ampere-Bereich hervorgerufen werden,
  • bei Differenzstrommessungen Streufelder erfasst werden müssen, deren Einfluss je nach Lage der beiden Leiter im Zangenmaul unterschiedlich ist und deren Größe sich mit dem Betriebsstrom (0–100 mA bis 16 A) ändert,
  • die am Messort vorhandenen magnetischen Streufelder (Drosseln, Schütze, Transformatoren, Hauptstrom- und Steuerstromleitungen) unterschiedlicher Phasenlage und Stärke das zu messende Streufeld beeinflussen.
  • Hinzu kommt die Empfindlichkeit der Zangen gegenüber einer Verschmutzung der Auflageflächen des Magnetkreises.

Bei der Anwendung der Zangen in dem bei der Prüfung elektrischer Geräte interessierenden Bereich des Ableitstroms von 0 bis 3,5 (10) mA ist dies zu beachten. Es ist nicht immer möglich, daraus auf etwaige Fehler der Isolation oder den Zustand der Beschaltungskondensatoren bzw. auf das Einhalten des in den Normen vorgegebenen Grenzwerts zu schließen.

Eine Aussage, deren Fehler lediglich im Bereich der vom Hersteller angegebenen Betriebsmessabweichung liegt, kann sich nur unter folgenden, in der Praxis kaum erfüllbaren Idealbedingungen ergeben:

  • eng parallel geführte, möglichst verdrillte Leiter, die das Maul der Stromzange ausfüllen,
  • Zange und Leiter stehen im rechten Winkel zueinander,
  • keine merkbaren Einwirkungen von Fremdfeldern,
  • einwandfreier Magnetkreis mit sauberer Auflagefläche.

Prüftafeln

Prüftafeln erfüllen im Wesentlichen drei Aufgaben. Sie

  • ermöglichen eine einfache Anpassung der Prüflinge an das Prüfgerät, sie haben somit die Funktion eines Adapters,
  • stellen weitere Prüfmöglichkeiten bereit (Spannungen, Ströme, Messgeräte, Belastungen),
  • sichern die nach DIN EN 50191:2011-10 (VDE 0104) geforderten Maßnahmen des Arbeitsschutzes an Prüfanlagen

Adapter

Prüfhilfsmittel sind insbesondere die sogenannten Adapter (vgl. Abb. 1 und 2). Sie müssen den gleichen Qualitäts- und Sicherheitsansprüchen genügen wie die Prüfgeräte und somit in vollem Umfang den Vorgaben der jeweils zugeordneten Norm entsprechen.

Beispiele für Prüfadapter: Drehstromadapter der Fa. GMC für die aktive Prüfung
Abb. 1: Beispiele für Prüfadapter: Drehstromadapter der Fa. GMC für die aktive Prüfung (Schutzleiterstrom wird nach dem Differenzstromverfahren gemessen) ortsveränderlicher Drehstromgeräte in Verbindung mit einem Secutest-Prüfgerät
Beispiele für Prüfadapter: Drehstromadapter der Fa. BEHA für die passive Prüfung
Abb. 2: Beispiele für Prüfadapter: Drehstromadapter der Fa. BEHA für die passive Prüfung (Schutzleiterstrom wird nach dem Ersatzableitstrommessverfahren gemessen) ortsveränderlicher Drehstromgeräte in Verbindung mit z.B. einem BEHA-Unitest-Prüfgerät

Dies gilt auch für selbst hergestellte Prüfhilfsmittel, die von der verantwortlichen Elektrofachkraft des jeweiligen Unternehmens zu kontrollieren und freizugeben sind. Unkontrollierte und ungeprüfte „Eigenbauten” dürfen nicht verwendet werden, sie sind erfahrungsgemäß oft Fehlerquellen bezüglich der Prüfqualität und genügen den Anforderungen der Arbeitssicherheit nicht. Als Beispiel sei auf Adapter verwiesen, die den Einsatz von Strommesszangen ermöglichen. Bei diesen werden Messleitungen verwendet, die nur mit der Basisisolierung und nicht – wie erforderlich – mit der doppelten oder verstärkten Isolierung ausgestattet sind.

Besonders häufig sind Prüfadapter zu finden, die entgegen den Vorgaben der genannten Normen das Unterbrechen des Schutzleiters zulassen. Damit wird die Maßnahme zum Schutz bei indirektem Berühren für den Prüfaufbau wirkungslos und der Prüfer gefährdet.

Autoren: Klaus Bödeker, Stefan Euler
aktualisiert: Ernst Schneider
  • Autor:

    Lic. jur./Wiss. Dok. Ernst Schneider

    Inhaber eines Fachredaktionsbüros

    Ernst Schneider

    Ernst Schneider ist Mitglied in der Sektorgruppe Elektrotechnik (ANP-SGE) und in der Themengruppe Produktkonformität (ANP-TGP) des Ausschusses Normenpraxis im DIN e.V.

    Er veröffentlichte bereits eine Vielzahl von Büchern, Fachzeitschriften und elektronischen Informationsdiensten. Seit 2004 ist er außerdem Unternehmensberater für technologieorientierte Unternehmen.

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