Das sind die Grundlagen der Prüfung und die Prüfaufgaben

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Was gehört zu den Prüfaufgaben?
Was gehört zu den Prüfaufgaben? (Bildquelle: AndreyPopov/iStock/Getty Images Plus)

Maschinenausrüstung und elektrische Anlage

Elektrische Steuerungen bzw. Ausrüstungen von Maschinen der verschiedensten Arten und Funktionen kommen immer mehr zum Einsatz. Sie sind nicht nur in industriellen Anlagen, sondern zunehmend auch in allen anderen Einsatzbereichen zu finden. Ihre ordnungsgemäße und normgerechte Bedienung, Wartung und Prüfung stellt ein wichtiges Aufgabengebiet der Elektrotechnik dar.

Vielfalt der Aufgaben und Vielfalt der Normen

Diese Steuerungen bzw. Ausrüstungen sind häufig mehreren Normen der Errichtung und Prüfung zuzuordnen.

Sie werden

  • mit einer der Normengruppe DIN VDE 0100 unterliegenden elektrischen Anlage gemeinsam errichtet und geprüft oder
  • gemäß eines der drei Nachweisverfahren nach DIN EN 61439-1:2012-06 (VDE 0660-600-1:2012-06) geprüft, bevor sie in einer der Normengruppe DIN VDE 0100 entsprechenden Anlage zum Einsatz kommen und gemeinsam mit dieser der Prüfung unterzogen werden oder
  • als eine solche Schaltgerätekombination an ihrem Einsatzort gemeinsam mit der Anlage errichtet und geprüft.

Anlage und Maschinenausrüstung bilden – elektrotechnisch – eine Einheit

Die fest angeschlossene elektrische Ausrüstung bzw. Steuerung einer Maschine ist somit immer ein Teil der elektrischen Anlage, von der sie am Einsatzort versorgt wird. Demzufolge muss sie auch nach den für die elektrischen Anlagen geltenden Normen errichtet, gewartet und geprüft werden.

Anlage und Maschinenausrüstung haben – technologisch – unterschiedliche Funktionen

Die elektrische Ausrüstung bzw. Steuerung einer Maschine hat jedoch – im Vergleich zu einer elektrischen Anlage – die Besonderheit, gemeinsam mit der ihr zugeordneten mechanischen Ausrüstung eine von anderen Teilen der Anlage abgegrenzte und selbstständige technologische Funktion zu gewährleisten. Dies ist beim Prüfen, besonders hinsichtlich der Sicherheitseinrichtungen der Maschine und der Sicherheitsmaßnahmen, zu berücksichtigen.

Die über Steckvorrichtungen mit der Anlage zu verbindenden elektrischen Maschinen können auch als elektrische Geräte angesehen und dementsprechend nach DIN VDE 0701-0702 (wird 2020 überarbeitet) geprüft werden.

Rechtliche Grundlagen

Grundsätzliche Vorgaben, EU-Richtlinien

Für das Errichten bzw. Herstellen einer elektrischen Steuerung bzw. Ausrüstung gelten somit neben der allgemeingültigen

  • Niederspannungs- und der EMV-Richtlinie der EU

auch die

  • Maschinenrichtlinie der EU

sowie deren nationale Umsetzung, d.h.

  • das Gesetz über die Bereitstellung von Produkten auf dem Markt (ProdSG)

und

  • die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV).

Grundlegende Normen für die elektrische Maschinenausrüstung

Das heißt, die im Bereich der EU harmonisierten Normen der

  • Normengruppe der DIN VDE 0100 „Errichten von Niederspannungsanlagen”

und

  • die Norm DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1:2019-06) „Sicherheit von Maschinen – Elektrische Ausrüstungen von Maschinen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen”

sind zu beachten.

Ebenso ist es mit den Vorgaben für das Prüfen. Einzuhalten sind dabei die Festlegungen der Normen

  • DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600:2017-06) „Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 6: Prüfungen”,
  • DIN VDE 0105-100/A1 (VDE 0105-100/A1:2017-06) Wiederkehrende Prüfungen und
  • DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1:2019-06) „Sicherheit von Maschinen – Elektrische Ausrüstungen von Maschinen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen” (Abschnitt 18 „Prüfungen”).

Bestimmte Maschinen unterliegen nicht der DIN EN 60204-1 (VDE 0133-1:2019-06) Maschinen

Für bestimmte Maschinen, die nicht in den Anwendungsbereich der DIN EN 60204-1:2019-06 fallen, gelten andere Normen. Ausgenommen sind u. a. die elektrische Ausrüstung von Maschinen, die

  • für die Benutzung im Freien bestimmt sind (d.h. außerhalb von Gebäuden oder anderen schützenden Einrichtungen,
  • explosionsfähige Stoffe verwenden, be- oder verarbeiten oder herstellen (z.B. Farbe oder Sägemehl),
  • für die Benutzung in explosionsgefährdeten und/oder feuergefährdeten Atmosphären bestimmt sind,
  • besondere Risiken haben, wenn bestimmte Stoffe hergestellt oder verwendet werden,
  • für die Benutzung im Bergbau bestimmt sind,
  • Nähmaschinen, Näheinheiten oder Nähanlagen sind (DIN EN 60204-31),
  • Hebezeuge sind (DIN EN 60204-32) oder
  • Fertigungsausrüstungen für Halbleiter sind (DIN EN 60204-33).

Verantwortung des Herstellers für die Sicherheit und CE-Kennzeichnung

Für elektrische Ausrüstungen von Maschinen, die als Schaltgerätekombinationen „in den Verkehr gebracht” und in einer elektrischen Anlage eingesetzt werden, haben deren Hersteller – ebenso wie bei anderen elektrischen Betriebsmitteln bzw. Geräten – den Nachweis der Übereinstimmung mit den EU-Richtlinien (Übereinstimmungserklärung bzw. Konformitätserklärung) zu erbringen. Hierdurch wird die Berechtigung zum Anbringen der CE-Kennzeichnung erlangt, d.h. es muss der Nachweis nach DIN EN 61439-1:2012-06 vorliegen.

Ebenso muss die Übereinstimmung der gesamten Maschine (elektrische und mechanische Ausrüstung) mit der Maschinenrichtlinie der EU nachgewiesen werden. Auch für sie gilt die Pflicht der Erstellung einer Konformitätserklärung und der damit verbundenen CE-Kennzeichnung.

Stand der Technik ist immer zu berücksichtigen

Grundlage aller Prüfungen an den Maschinenausrüstungen ist auch der „Stand der Technik”, d.h. solche Erkenntnisse zu den Prüfaufgaben und Prüfverfahren, die zum Zeitpunkt des Erarbeitens der Norm noch nicht vorhanden waren, aber inzwischen allgemein bekannt und auch schon erprobt sind.

Begriffsdefinitionen

Definition einer Maschine

Definiert wird eine Maschine gemäß DIN EN 61439 (VDE 01113-1:2019-06) Abschn. 3.1.40 auf der Grundlage der EU-Maschinenrichtlinie wie folgt:

Gesamtheit von miteinander verbundenen Teilen oder Baugruppen, von denen mindestens eine(s) beweglich ist, sowie mit den entsprechenden Maschinen-Antriebselementen, Steuer- und Energiekreisen, die für eine bestimmte Anwendung zusammengefügt sind, insbesondere für die Verarbeitung, Behandlung, Fortbewegung oder Verpackung eines Materials. „Maschine“ deckt in diesem Zusammenhang auch eine Zusammenstellung von Maschinen ab, die so angeordnet und gesteuert werden, dass sie, um das gleiche Ziel zu erreichen, als einheitliches Ganzes funktionieren. „Baugruppe“ bezieht sich hier nicht nur auf elektrische Baugruppen.

Anlage – Maschine – Gerät

Diese Definition gilt im Gegensatz zu früheren Festlegungen für einen wesentlich größeren Anwendungsbereich und umfasst u.a. auch

  • relativ kleine ortsveränderliche Geräte, z.B. eine automatisierte Waschmaschine;
  • fest installierte Einzelmaschinen, z.B. Werkzeugmaschinen, die als Einzelprodukte oder in Kleinserien hergestellt und meist erst beim Anwender aus Einzelkomponenten zusammengestellt werden;
  • umfangreiche Produktionsanlagen, z.B. eine Walzstraße.

Pflichten des Prüfers und Verantwortung des Betreibers

Pflicht und Aufgabe des Prüfers: elektrische Sicherheit bei bestimmungsgemäßem Gebrauch

Prüfungen der dazu befähigten Elektrofachkraft an elektrischen Anlagen nach DIN VDE 0100-600 oder DIN VDE 0105-100 zur Sicherheit betreffen alle in der zu prüfenden Anlage vorhandenen elektrischen Maschinenausrüstungen. Es sei denn, diese werden in dem erteilten Auftrag und der Dokumentation der Prüfung (Prüfprotokoll) ausdrücklich ausgenommen. Aber selbst wenn eine Maschine nicht in die Prüfung einbezogen oder für sich allein geprüft wird, muss der Prüfer sicherstellen, dass

  • die Anlage alle Voraussetzungen für den sicheren Betrieb der Maschinenausrüstung bietet und
  • auch die Maschinenausrüstung selbst keine die Sicherheit der Anlage einschränkenden Rückwirkungen hat.

Verantwortung des Errichters und des Betreibers

Eindeutig ist, dass bei der Erstprüfung der Errichter der Maschinenausrüstung die Prüfung nach DIN EN 60204-1 ab dem Netzanschlusspunkt der Maschine durchführen muss. Der Betreiber ist allerdings dafür verantwortlich, die Prüfungen nach DIN EN 0100-600:2017-06 durchzuführen. Klar geregelt ist auch, dass Nachprüfungen gemäß DIN EN 60204-1 – soweit durchführbar – nach Abschnitt 18.7 der Norm durchgeführt werden müssen, wenn ein Teil der Maschine und ihrer zugehörigen Ausrüstung ausgewechselt oder verändert wurden – und zwar von demjenigen, der diese Tätigkeiten durchgeführt hat.

Über Wiederholungsprüfungen schweigt sich die DIN EN 60204-1 allerdings aus. Diese resultieren nämlich aus der zentralen Wiederholungsprüfungsvorschrift VDE 0105-100/A1:2017-06 Unterabschnitt 4.1.101. Danach sind elektrische Anlagen den Errichtungsnormen entsprechend in ordnungsgemäßem Zustand zu erhalten. Da es unzweifelhaft ist, dass es sich bei der DIN EN 60204-1 auch um eine Errichternorm handelt, sind bei der Wiederholungsprüfung eben auch die Anforderungen der DIN EN 60204-1 maßgeblich. Die Pflicht zur Wiederholungsprüfung bezüglich der Anforderungen der DIN EN 60204-1 lässt sich allerdings auf eine noch gewichtigere, gesetzliche Grundlage stellen, nämlich die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) 2015.

Autoren: Klaus Bödeker, Stefan Euler
aktualisiert: Ernst Schneider
  • Autor:

    Lic. jur./Wiss. Dok. Ernst Schneider

    Inhaber eines Fachredaktionsbüros

    Ernst Schneider

    Ernst Schneider ist Mitglied in der Sektorgruppe Elektrotechnik (ANP-SGE) und in der Themengruppe Produktkonformität (ANP-TGP) des Ausschusses Normenpraxis im DIN e.V.

    Er veröffentlichte bereits eine Vielzahl von Büchern, Fachzeitschriften und elektronischen Informationsdiensten. Seit 2004 ist er außerdem Unternehmensberater für technologieorientierte Unternehmen.

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