Das ist die befähigte Person (bP)

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Wer ist eine befähigte Person?
Wer ist eine befähigte Person? (Bildquelle: francescomonfotografie/iStock/Getty Images)

Wer ist eine befähigte Person?

„Befähigte Personen“ im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) sind Personen, die geeignet sind, die übertragenen Arbeiten sicher ausführen zu können, in der Regel Fachkräfte.

„Befähigte Personen“ im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) sind Personen, die über die erforderlichen Fachkenntnisse zur Prüfung der Arbeitsmittel verfügen.

Dazu ist nötig:

  • eine Berufsausbildung
  • Berufserfahrung und
  • eine zeitnahe berufliche Tätigkeit als Prüfer

Anforderungen an die befähigte Person

Der befähigten Person wird ein „zuverlässiges Verständnis sicherheitstechnischer Belange“ abverlangt.

In der Technischen Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 1203 „Zur Prüfung befähigte Personen“ werden in Nr. 2 die allgemeinen Anforderungen an eine „befähigte Person“ genauer beschrieben. Dabei wird einer befähigten Person ein „zuverlässiges Verständnis sicherheitstechnischer Belange“ abverlangt, das unter Nr. 3 speziell im Bereich der elektrischen Gefährdungen genauer erläutert wird. Für die Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen muss die befähigte Person mindestens folgende Kriterien erfüllen:

1. Elektrotechnische Berufsausbildung

Um die beruflichen Kenntnisse konkret zu ermitteln, muss die befähigte Person mindestens eine berufliche Ausbildung in folgenden Bereichen nachweisen können.

Zum Beispiel Elektroniker folgender Fachrichtungen:

  • Energie- und Gebäudetechnik
  • Automatisierungstechnik
  • Informations- und Telekommunikationstechnik
  • Systemelektroniker
  • Informationselektroniker mit Schwerpunkt Bürosystemtechnik
  • Geräte- und Systemtechnik
  • Elektroniker für Maschinen und Antriebstechnik
  • vergleichbare industrielle Ausbildungen

Hinweis

Auch abgeschlossene Studiengänge der Fachrichtung Elektrotechnik gelten hierbei als abgeschlossene Berufsausbildung. Der Nachweis beruht auf Berufsabschlüssen oder vergleichbaren Qualifikationsnachweisen.

Unter Berufserfahrung versteht man, dass die befähigte Person eine gewisse Zeit über die Fach- und Zweckausbildung hinaus durch praktische Tätigkeit mit den zu prüfenden Arbeitsmitteln umgegangen ist.

2. Berufserfahrung

Unter Berufserfahrung versteht man, dass die befähigte Person eine gewisse Zeit über die Fach- und Zweckausbildung hinaus durch praktische Tätigkeit mit den zu prüfenden Arbeitsmitteln umgegangen ist und dabei deren Betriebs- und Funktionsweise im notwendigen Maße kennengelernt hat.

Gleichzeitig hat die befähigte Person Erfahrungen im Prüfen von elektrischen Arbeitsmitteln und erforderliche Kenntnisse im Umgang mit den Prüfmitteln, einschließlich der Bewertung von Prüfergebnissen, sammeln können.

Auf jeden Fall muss sie beurteilen können, ob vorgeschlagene Prüfverfahren zur Prüfung von Arbeitsmitteln geeignet sind und ob mögliche Gefährdungen durch die prüfende Tätigkeit, aber auch durch das zu prüfende Arbeitsmittel bestehen.

Die befähigte Person für die Prüfung zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen hat eine nachgewiesene Zeit von mindestens einem Jahr Erfahrung mit der Errichtung, dem Zusammenbau oder der Instandhaltung von elektrischen Arbeitsmitteln oder elektrischen Anlagen.

Nr. 3.3 TRBS 1203 setzt voraus, dass Personen mit einer der oben genannten elektrotechnischen Berufsausbildung bereits über die erforderliche Berufserfahrung verfügen und für Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen im jeweiligen Tätigkeitsbereich als befähigte Personen eingesetzt werden können.

3. Zeitnahe berufliche Tätigkeit

Die befähigte Person hat ihre Kenntnisse der Elektrotechnik z.B. durch die Teilnahme an Schulungen oder durch einen einschlägigen Erfahrungsaustausch aktualisiert. Dies können sein:

  • Reparatur-, Service- und Wartungsarbeiten sowie die abschließende Prüfung an elektrischen Geräten und Anlagen
  • in Laboratorien oder an Prüfplätzen durchgeführte Prüfungen elektrischer Betriebsmittel der Industrie
  • Reparatur, Instandsetzung und Prüfung von elektrischen Geräten unter der Aufsicht einer befähigten Person

Definition „Befähigungsgrade“ für Prüfer

Definition von Ausbildungsgraden der befähigten Person

Im Informationsblatt zum Thema "Überprüfungen und Prüfungen von Arbeitsmitteln" werden Einsatzbereiche der befähigten Person definiert.
illusart/Getty Images

Anfang März 2003 hat der Fachausschuss Maschinenbau, Fertigungssysteme, Stahlbau des HVBG (Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften) ein Informationsblatt zum Thema „Überprüfungen und Prüfungen von Arbeitsmitteln“ erstellt, in dem er „Ausbildungsgrade“ und Einsatzbereiche der befähigten Person definiert. Der Fachausschuss unterscheidet zwischen Überprüfungen gemäß § 6 ASiG (Arbeitssicherheitsgesetz), die von der Fachkraft für Arbeitssicherheit, und Prüfungen entsprechend den §§ 2 Abs. 7, 3 Abs. 3 und 10 BetrSichV (Betriebssicherheitsverordnung), die von befähigten Personen durchgeführt werden.

Erfüllung der Anforderungen des § 10 BetrSichV

Laut Fachausschuss hat der Unternehmer mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit die Prüfung so zu organisieren, dass der „Befähigungsgrad der mit der Prüfung beauftragten Person“ so abgestimmt, festgelegt und sichergestellt ist, dass die Anforderungen des § 10 BetrSichV erfüllt werden. Der Grad hängt davon ab, wie Art, Umfang und Tiefe der Prüfung sowie die damit einhergehende Beurteilung als Qualifikation eingebracht werden müssen.

Befähigungsgrad 1

Die Person muss so weit mit der Prüfung vertraut sein, dass die übertragene Prüfaufgabe durchgeführt und beurteilt werden kann.

Befähigungsgrad 2

Es müssen fachliche Ausbildung und Erfahrung sowie ausreichende Kenntnis auf dem Gebiet der zu prüfenden Arbeitsmittel vorhanden sein.

Befähigungsgrad 3

„Die befähigte Person muss regelmäßig Arbeitsmittel entsprechender Bauart und Bestimmung prüfen und gutachterlich beurteilen und in der Lage sein, deren Prüfart, Prüfumfang, Prüftiefe und -fristen festzusetzen.“ Dies entspricht im weitesten Sinne den bisherigen Sachverständigen-Aufgaben.

Einsatzbereiche der befähigten Person

Ein Unternehmen muss also nicht alles durch eine befähigte Person mit dem Befähigungsgrad 3 prüfen lassen. Es genügt, entsprechend der Auslegung des Fachausschusses, eine befähigte Person mit Befähigungsgrad 2 für jährliche Prüfungen, wobei die anzuwendenden Regeln der Technik der maschinenspezifischen Festlegungen laut BG-Regelwerk heranzuziehen sind.

Allerdings gilt:

„Werden Arbeitsmittel eingesetzt, die nicht den fortschrittlichen, in der Praxis bewährten Regeln der Technik entsprechen, weil sie neue Technologien enthalten, [...] ist eine befähigte Person mit Befähigungsgrad 3 zu beauftragen.“

Sie soll eng mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit zusammenarbeiten und alle für sie notwendigen Informationen zum betrieblichen Umfeld von dieser erhalten. Indirekt wird damit aber ausgeschlossen, dass die Fachkraft die befähigte Person mit dieser Qualifikation sein kann.

Bedienen kontra Arbeiten

In der Elektrotechnik wird der Unterschied unter anderem bei den Begriffen „Bedienen“ und „Arbeiten“ deutlich.

Bedienen

Hierzu sind keine Kenntnisse der Elektrotechnik notwendig.

Arbeiten

Für diese Tätigkeiten sind Kenntnisse der Elektrotechnik nötig, da es andernfalls durch Unkenntnis zu Gefährdungen der tätigen Person und/oder des Umfelds kommen kann.

Tätigkeiten in elektrischen Anlagen

Befähigte Person – Beispiele: Wer darf was?

Ein-/Ausschalten eines Lichtschalters

Glühbirne

Diese Tätigkeit verlangt keine größere Befähigung, außer den Lichtschalter ein- und ausschalten zu können. Diese Tätigkeit darf von einem Laien ausgeführt werden. Eine Selbstgefährdung durch den Laien ist dabei natürlich auszuschließen.

Anschluss eines Lichtschalters

Beim Anschließen des Lichtschalters an das Stromnetz sind schon wesentlich mehr Kenntnisse nötig. Hier gibt es die Gefahr einer Körperdurchströmung für den Arbeitenden sowie Folgen beim späteren Betrieb, z.B. durch falsche Verdrahtung. Daher wird diese Arbeit im Regelfall durch eine Elektrofachkraft (EFK) durchgeführt. Sie erkennt die bei der Arbeit auftretenden Gefahren und weiß, wie sie sich davor wirksam schützen kann. Sie kennt die Normen, bei deren Einhaltung auch im Betrieb keine Gefahren auftreten können. Damit ist sie in der Lage, die übertragenen Arbeiten sicher auszuführen. Sie ist also befähigt, diese Arbeiten eigenverantwortlich und sicher durchzuführen.

  • Autor:

    Udo Mathiae

    Leiter für elektrische Instandhaltung

    Udo Mathiae

    Udo Mathiae ist Leiter für elektrische Instandhaltung bei einem internationalen Elektrotechnik-Unternehmen (Glasfaserproduktion) in Augsburg.

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