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Verantwortlichkeiten einer Elektrofachkraft (EFK)

Verantwortung einer EFK
Wofür trage ich als EFK die Verantwortung? (Bildquelle: Palte/iStock/Thinkstock)

10.07.2015
Frage aus der Praxis

Vor Kurzem habe ich bei uns in der Firma die Stelle als Elektrofachkraft übernommen. Vor dem Unterschreiben habe ich nur mündlich einiges vorab geklärt, wie z.B. Normen und Messgeräte zur Prüfung von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln. Leider hat sich jetzt herausgestellt, dass die Firma sich aufgrund der anfänglichen Kosten vor weiteren Gesprächen in diese Richtung drückt.

Zusätzlich soll ich die elektrotechnisch unterwiesenen Personen (EuPs) im praktischen Teil ausbilden und die Sicherheitsunterweisungen im elektrotechnischen Bereich durchführen. Dies ist meiner Meinung nach aber nicht rechtens, da ich nicht auf die nötigen Normen zugreifen und damit nicht rechtssicher unterweisen kann. Auch kann ich damit nicht für die Prüfungen an elektrischen Anlagen unterschreiben. Oder sehe ich das falsch?

Ich habe aber zumindest Ihre "Arbeitsanweisungen für die Elektrofachkraft" bestellen können und arbeite schon mit.

Antwort des Experten

Autor: Hans-Jörg Bauer

Zu diesem Thema wurden bereits viele mögliche Vorgehensweisen beschrieben. Letztendlich können Sie als Elektrofachkraft nur in dem Rahmen agieren, den der Arbeitgeber mit entsprechender finanzieller Ausstattung und seinem Verständnis für das erforderliche Maß an elektrischer Sicherheit zulässt.

Der Arbeitgeber trägt die Gesamtverantwortung

Nach allen einschlägigen Vorschriften und Gesetzen trägt der Arbeitgeber jeweils die Gesamtverantwortung für das Unternehmen und gibt deshalb die aus seiner Sicht notwendigen Maßnahmen und (finanziellen) Mittel vor. Ihre fachliche Weisungsfreiheit als Elektrofachkraft bleibt davon unberührt. Diese beschreibt nach der Freigabe durch den Arbeitgeber, wie Sie die Maßnahmen umsetzen.

Arbeitshilfen für die Elektrofachkraft

Eine Grundlage als VDE-Nachschlagewerk ist für mich die "VDE-Sammlung für das Elektrotechniker-Handwerk" mit dem jährlichen Ergänzungsabonnement. Aktuelle Themenschwerpunkte in Ihrem Unternehmen lassen sich möglicherweise zusätzlich durch entsprechende Erläuterungen der VDE-Schriftenreihe abdecken. Gesetzestexte und Dokumente der Berufsgenossenschaften sind in der Regel im Internet recherchierbar. Hilfreich für Unterweisungen sind auch Produkte wie die von Ihnen beschriebene „Arbeitsanweisungen für die Elektrofachkraft“. Auf diese Art lässt sich Ihr persönliches Portfolio mit planbarer finanzieller Ausstattung stetig erweitern.

Vorgaben nach TRBS 1203

Für die Befähigung zur Durchführung elektrischer Prüfungen enthält die technische Regel für Betriebssicherheit TRBS 1203 konkrete Vorgaben:

  • Eine einschlägige elektrotechnische Berufsausbildung, die in Ihrem Fall offensichtlich gegeben ist, da Sie als Elektrofachkraft bestellt wurden.
  • Eine entsprechende Berufserfahrung von mindestens einem Jahr (z.B. in der Installation und Inbetriebnahme von elektrischen Anlagen).
  • Eine zeitnahe berufliche Tätigkeit. Diese schließt Kenntnisse in der Prüfertätigkeit mit ein, wobei diese bei längerer Unterbrechung durch die Teilnahme an Prüfungen Dritter oder durch eine fachbezogene Schulung aufgefrischt werden können.

Offensichtlich hat Ihre Führungskraft mit Ihrer Bestellung erkannt, dass die Fachverantwortung für die elektrische Sicherheit bei Ihnen in den richtigen Händen liegt. Jede begründete und belegte Aktivität von Ihrer Seite unterstreicht Ihre fachliche Kompetenz, minimiert den Verdacht des vorsätzlich unterlassenen Tun und Handelns und bildet einen wichtigen Schritt zur rechtssicheren Umsetzung Ihrer Aufgaben im Bereich der elektrischen Sicherheit.

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