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Unzureichende Abdeckung von Leitern 4 0 5 5

Unfallbeispiel: Unzureichende Abdeckung der Leiter führte zu einem Unfall

Im Anschlussraum der Uhrensäule löste der Monteur einen Lichtbogen aus
Im Anschlussraum der Uhrensäule löste der Monteur einen Lichtbogen aus

Arbeitsauftrag

Eine Installationsfirma erhielt den Auftrag, eine Uhrensäule zu wechseln. Da mit dem speisenden Netzkabel auch Wohn- und Geschäftshäuser versorgt wurden, sollten die Arbeiten unter Spannung ausgeführt werden.

Mit der Montage der Uhrensäule war durch die neue Bauform auch der Ständer und der Anschlusskasten zu wechseln. Neu waren ein runder Querschnitt der Säule und ein etwa um 20 cm erhöhter Anschlusskasten.

Unfallhergang

Der Monteur begann mit dem Abdecken der metallischen Säule. Zu seinem persönlichen Schutz legte er eine Isoliermatte aus, zog sich Isolierhandschuhe an und setzte einen Helm mit Gesichtsschutzschirm auf. Beim Abklemmen des Neutralleiters entstand plötzlich ein Kurzschluss mit der Folge eines Lichtbogens.

Die Auswirkungen des Lichtbogens wurden größtenteils durch die PSA abgefangen. Bedingt dadurch, dass der Lichtbogen leicht von unten kam, schlug er jedoch unter den Gesichtsschutz. Dabei zog sich der Monteur leichte Verbrennungen am Hals und im Gesicht zu. Der Schutzhandschuh hielt den Temperaturen stand. Es entwickelten sich jedoch auch im Handschuh hohe Temperaturen, sodass sich an den Fingern Brandblasen bildeten.

Unfallanalyse

Das Abdecken der anderen Leiter war nicht ausreichend sicher erfolgt, das ergab die Unfalluntersuchung. Dadurch kam es beim Lösen bzw. beim Verbiegen des Neutralleiters zum Kontakt mit einem Phasenleiter.

Grundregel beim Arbeiten unter Spannung in dieser Nähe ist, dass nur ein aktiver Leiter frei sein darf. Alle anderen Potenziale müssen sicher abgedeckt sein. Ansonsten kann ein Kurzschluss – auch unabsichtlich – nicht wirksam verhindert werden. Im obigen Fall war dies nicht realisiert worden (DGUV Vorschrift 3 §§ 6 und 8).

Autor: Dr.-Ing. Jens Jühling

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