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Unfallbeispiel: Störlichtbogen im HA-Kasten ausgelöst

HA-Kasten nach Einwirkung des Störlichtbogens
HA-Kasten nach Einwirkung des Störlichtbogens

Ältere, metallische Hausanschlusskästen bergen Gefahren, die schnell zu Unfällen führen können. Aus diesem Grund muss die Elektrofachkraft besondere Schutzmaßnahmen anwenden.

Arbeitsauftrag

Nach Freischaltung einer Kundenanlage sollten die NH-Sicherungen wieder in den Hausanschlusskasten eingesetzt werden. Der metallische Hausanschlusskasten war von alter Bauart.

Unfallhergang

Der Monteur kannte die erhöhte Gefährdung mit metallischen Hausanschlusskästen und verwendete deshalb erst recht einen NH-Aufsteckgriff und eine Schutzhelm mit Gesichtsschutzschirm. Er setzte die Sicherungen ohne Schwierigkeiten ein. Nun legte er die persönliche Schutzausrüstung ab, da er nur noch den Deckel aufschrauben wollte. Er setzte den Deckel auf den Sicherungskasten und hielt diesen mit der linken Hand fest. In diesem Moment fiel ihm eine Befestigungsschraube herunter, die er aufheben wollte. Er bückte sich nach der Schraube und versuchte gleichzeitig, mit der anderen Hand den Deckel des
Sicherungskastens festzuhalten. Der Deckel rutschte ihm dabei ab und löste im Kasten einen dreipoligen Störlichtbogen aus. Der Monteur erlitt insbesondere an der rechten Hand schwere Verbrennungen.

Unfallanalyse

Arbeiten an metallischen Hausanschlusskästen führten in der Vergangenheit schon häufig zu Unfällen. So auch in diesem Fall. Wenn auch dem Monteur kein direkter Regelverstoß vorzuwerfen ist, eine besondere Sorgfalt ist trotzdem bei Arbeiten an NH-Sicherungskästen älterer Bauart walten zu lassen.

Lederhandschuhe können zumindest bis zu einem gewissen Grad einen wirksamen Schutz gegen Störlichtbögen bieten.

Autor: Dr.-Ing. Jens Jühling

Kommentare

Kommentar von Vivenzio Bruno |

Ich hoffe dass der Kollege keinerlei bleibende Schäden davon tragen wird. Ich hatte einen ähnlichen Vorfall im Jahr 1995. Die Moral der Geschichte war und ist immer noch die Gleiche. Solange eine Gefahr besteht, muss die PSA (natürlich nach BGI 5188) getragen werden. Oder im Vorfeld den Netzbetreiber auf ein "möglichen Austausch" des vorhandenen HAK hinweisen bzw. schriftlich fordern. Den im Nachhinein ist jeder von uns schlauer! (Gilt auch für die BG /DGUV)

Kommentar von Volker Wolter |

Selbst bei neueren HAK kann man sich nicht sicher sein.
Diese neueren Kästen "schützen" augenscheinlich vor der netzseitigen Einspeisung.
Persönlich habe ich einen Fall recherchiert, bei dem die Installationsfirma des Netzbetreibers eine Befestigungsschraube des HAK sorglos auf der Eingangsseite abge"stellt" hatte.
Erst beim Schließen des HAK fiel die Schraube um, verursachte einen Kurzschluss, der wiederum den Deckel wesprengte.
Der nichts ahnende Monteur wurde mit Brandverletzungen im Gesicht und an Händen zwei Jahre lang erfolgreich behandelt.
Fazit: Erst wenn die Tür zu ist, PSA ablegen.
- Volker Wolter -

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