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Unfallbeispiel: Spannungsfreiheit wurde nicht festgestellt

Spannungsfreiheit an der Arbeitsstelle nicht festgestellt - Bild
Spannungsfreiheit an der Arbeitsstelle nicht festgestellt

Arbeitsauftrag

Im Verlauf einer Bahnstrecke musste der Standort eines Signalnachahmers verändert und somit das zugehörige Anschlusskabel (Typ NYY 5 x 1,4 mm² mit Blechmantel) verlängert werden. Die Arbeiten sollten im freigeschalteten Zustand von drei Monteuren durchgeführt werden.

Unfallhergang

Der Arbeitsverantwortliche ging mit dem für die Kabelmontage beauftragten Monteur zum Hauptsignal, um das Nachahmerkabel freizuschalten. Im Schaltkasten des Hauptsignals sind die Einzeladern über eine Klemmleiste geführt. Die Anschlüsse des Nachahmers wurden entsprechend des vorliegenden Schaltplans durch Ziehen von Trennmessern unterbrochen.

Dann ging man gemeinsam zum Nachahmer und nahm eine Sichtprüfung vor, ob das Signalbild noch leuchtete oder erloschen war. Da es erloschen war, ging man davon aus: kein Signalbild, also keine Spannung. Ein Feststellen der Spannungsfreiheit an der Arbeitsstelle unterblieb.

Der Monteur begann nun mit dem Herstellen einer Verbindungsmuffe. Dazu lötete er die Anschlüsse im Verteilerkasten des Nachahmers ab und zog das Anschlusskabel aus der Zugentlastung heraus. Danach demontierte er mit dem Arbeitsverantwortlichen den Nachahmer und transportierte ihn an seinen neuen Standort, wo er neu aufgestellt wurde. Als diese Arbeiten beendet waren, trennte man sich.

Der Monteur begann, die Kabelenden für die Verbindungsmuffe vorzubereiten. Er isolierte die einzelnen Adern neu ab und versah das alte Kabelende mit isolierten Quetschhülsen. Danach stellte er eine Quetschverbindung der ersten Ader beider Kabelenden her, um diese zu fixieren. Nun begann er, die Blechmäntel der Kabelenden der Erdverbindungsleitung aufzulöten.

Nachdem er dies an der neuen Seite durchgeführt hatte, wollte er die Erdleitung auf Maß zuschneiden. Dabei berührte er eine unter Spannung stehende Ader. Infolge der Körperdurchströmung verkrampfte sich seine Hand- und Armmuskulatur, sodass er das Kabel nicht mehr loslassen konnte. Nach Angaben des Verletzten konnte er sich erst nach längerer Zeit durch weitere Bewegungen von selbst lösen. Der Arbeitsverantwortliche traf ihn erst nach geraumer Zeit noch taumelnd an und leitete sofort die notwendigen Rettungsmaßnahmen ein.

Unfallanalyse

Beim Herstellen der Kabelverbindungsmuffe geriet der Monteur mit der linken Hand zwischen eine stromführende Ader und das Erdpotenzial. Der Kurzschluss der Kabeladern führte zu Verbrennungen an seiner linken Hand. Weiterhin floss ein Körperstrom zum Erdboden.

Die anschließende Untersuchung ergab, dass die Trennmesser um eine Position versetzt gezogen wurden. Dadurch blieb eine Ader weiterhin unter Spannung. Da aber die Rückleitung getrennt wurde, verlosch das Signalbild.

Beim Umfassen des Kabels zum Zuschneiden der Erdleitung berührte der Monteur auch eine Rückleitung des Nachahmers, die nach Anschluss der ersten Leitung nun auch unter Spannung stand.

Es liegt ein eindeutiger Verstoß gegen die fünf Sicherheitsregeln vor. Unfallursache war die Verwechslung der Anschlussklemmen und im Nachhinein das Versäumnis, an der Arbeitsstelle die Spannungsfreiheit festzustellen.

Autor: Dr.-Ing. Jens Jühling

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Kommentare

Kommentar von Gregor Münkers |

mich wundern all die Unfälle nicht mehr. ich stelle auch immer wieder fest, das meine Kollegen nachlässig arbeiten und schon mal auf die ein oder ander Schutzmaßnahme verzichten.

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