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Unfallbeispiel: Provisorisches Kabel nicht auf Spannung geprüft

Hausanschlusskasten mit provisorischer Einspeisung
Hausanschlusskasten mit provisorischer Einspeisung

Arbeitsauftrag

Ein erfahrener Elektromonteur hatte über das Wochenende Rufbereitschaft. In dieser Zeit musste wegen eines Kabelschadens ein Einfamilienhaus provisorisch versorgt werden. Das Haus wurde deshalb behelfsmäßig über ein Erdkabel vom Hausanschlusskasten des Nachbarhauses angeschlossen. Die Arbeiten führte der Monteur gemeinsam mit einer Fremdfirma aus. Nach dem Wochenende sollte nun mit einem Kabelmesswagen der Fehler geortet und das Provisorium beseitigt werden.

Unfallhergang

Am Montag nach dem Wochenende wurde der Monteur zusammen mit drei Kollegen mit der Fehlerbehebung beauftragt. Bevor der Kabelmesswagen zum Einsatz kam, mussten bei den betroffenen Hausanschlusskästen die Sicherungen gezogen werden. Der Monteur, der vom Wochenenddienst kam, entfernte währenddessen das provisorische Hausanschlusskabel.

Er schraubte die Sicherungen des Anschlusses heraus und demontierte das vieradrige Kabel. Die Kollegen hatten ihre Arbeiten beendet und kamen auf die Einfahrt des gleichen Hauses. Durch ein geöffnetes Kellerfenster hörten sie die Aufforderung, das provisorische Kabel herauszuziehen. Während des Ziehens hörten Sie unerklärliche Geräusche. Ein Kollege lief sofort in den Keller. Er fand den Monteur bewusstlos vor und begann sofort mit Erste-Hilfe-Maßnahmen. Der andere Kollege setzte einen Notruf ab. Der nach nur kurzer Zeit eintreffende Notarzt konnte trotz weiterer Wiederbelebungsmaßnahmen dem Verunfallten nicht mehr helfen.

Unfallanalyse

Die Untersuchung des Unfalls ergab, dass der Verstorbene an seiner rechten Hand Strommarken aufwies. Das Kabel stand unter Spannung, da es am Nachbarhaus vor den Hausanschlusssicherungen angeklemmt worden war.
Der Monteur hatte offenbar die fünf Sicherheitsregeln missachtet und keine Spannungsfreiheit festgestellt. Abgesehen davon bestand auch kein Grund, unter Spannung zu arbeiten (DGUV Vorschrift 3 § 6).

Autor: Dr.-Ing. Jens Jühling

Kommentare

Kommentar von Bernd Hoyer |

Ich denke mal, da war Hektik, Zeitdruck und Gedanken an bevorstehende, andere Arbeiten im Spiel! Sonnst kann ich mir so ein Verhalten, von einem erfahrenen Elektromonteur nicht vorstellen! Er war nicht bei der Sache!

Kommentar von Bernd Hoyer |

Bei meinem nochmaliegen Nachlesen, habe ich eine fehlende Komunikation aller feststellen können und es hat keiner der Beteiligten sich die Mühe gemacht, den Hausanschlußkasten genau anzuschauen! Denn dann wäre spätestens jetzt das angeschlossene Kabel "vor" den Sicherungen entdeckt worden!!!!
Zumindest hat der 1. Monteur es vergessen, seinen Kollegen, auf den provisorischen Anschluß hinzuweisen. Für mich haben alle Monteure Ihre Kontroll- und Prüfpflichtpflicht nicht erfüllt!

Kommentar von Christian |

Wenn ich das richtig verstehe haben die Kollegen des Verunfallten den Auftrag gehabt die Hausanschlusssicherungen im Nachbarhaus zu entfernen. Danach hat der Verunfallte offensichtlich an dem abzuklemmenden Kabel nicht die Spannungsfreiheit geprüft.

Leider sind bei sehr viele Elektrounfällen in unserer Branche das nicht einhalten der 5 Sicherheitsregeln die Unfallursache.

Kommentar von Egon K. |

Bin schon über 45J in meinen Beruf und Verantwortlich für die gesamte Versorgung einschl. 20KV Anlage, Netzwerke, gesamte Haustechnik, Prüfungen 701/702 einige Tausend Einheiten. Hier kann man noch so Erfahren sein man muss lernen sich nicht unter Druck setzen zu lassen doch das ist in der Heutigen Zeit nicht Einfach geworden. Ich habe es gelernt nacht meinen Unfall wie ich aus fast 11mtr Abgestürzt bin und auf Betonboden mit Kopf und Rücken Aufgeschlagen bin. Schuldige waren andere, darum Arbeite ich lieber alleine auch wenn es nicht ganz der Vorschrift entspricht. Aber was nutzt es mir wenn andere nicht machen was gesagt wurde. Möchte noch hier ein Fall nennen der passiert ist vor Jahren. Ein Techniker sollte eine Senderröhre wechseln alles Gesichert und ging zum Steuerraum dort alles nochmal geprüft. Beim wechseln kommt ein andere in den Schaltraum und glaubt hier hat einer Vergessen das Schild weg zu nehmen und schaltet zu schwerste Verbrennungen. Nun ich habe auch eine gute Lösung gefunden wenn ich Abschaltungen durchführe in der Firma da Arbeiten in andere Gebäude Anstehen. Durch die Transponder Schliessanlage kommt kein andere in die Schalträume ausser mir und zum weiteren lasse ich die Sicherungen nicht rum liegen die kommen immer unter Verschluss damit hat man schon vieles Ausgeschaltet.
Aber auch wenn der Beruf gefährlich ist und man immer in der Verantwortung steht wo auch die Bezahlung alles andere ist wie oft gerecht der Beruf macht Spaß. Denke nicht an 63 sondern werde wohl die 65 voll machen denn wir werden gebraucht.
Mit freundlichen Grüßen
E. K.

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