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Unfallbeispiel: Mit Daumen Trafosammelschiene berührt

Die Anlage wurde bei den Arbeiten nicht vollständig freigeschaltet. - Bild
Die Anlage wurde bei den Arbeiten nicht vollständig freigeschaltet.

Arbeitsauftrag

Zwei Monteure sollten Kabelanschlussarbeiten an einer Niederspannungsverteilungsanlage vornehmen. Die betreffenden Sammelschienen waren freigeschaltet worden. Der hintere Teil der Anlage mit den Trafosammelschienen blieb unter Spannung und wurde zum Arbeiten in der Nähe mit isolierenden Tüchern abgedeckt.

Unfallhergang

Nach Abschluss der Arbeiten wollten die Monteure die Schraubverbindungen der Kabelanschlüsse noch einmal nachziehen. Um auch an die Verbindungen im unteren Anschlussraum zu gelangen, legte sich einer der Monteure auf den Boden. Im weiteren Verlauf muss er seine „ungünstige“ Position gewechselt haben und ein nicht vollständig abgedecktes Teil der Anlage berührt haben. Er trug zu diesem Zeitpunkt auf einer Hand einen Leder-Stulpenhandschuh, den er vor Ort gefunden hatte. So ergab sich eine Körperdurchströmung vom Daumen der einen ungeschützten Hand, mit der er an ein aktives Teil gekommen sein muss, und dem Unterarm oberhalb der anderen Hand.

Sein Kollege bemerkte die Körperdurchströmung und versucht den Verunfallten aus der Anlage zu ziehen. Da er keine isolierenden Hilfsmittel einsetzte, begab er sich selbst in Gefahr. Die Hilfsversuche waren jedoch erfolglos, sodass er doch die Anlage freischaltete. Erst mit Eintreffen der Werksfeuerwehr konnte der Verunfallte geborgen werden. Eine Wiederbelebung, auch vom später eintreffenden Notarzt fortgesetzt, war jedoch nicht möglich.

Unfallanalyse

Die nachträgliche Unfalluntersuchung zeigte eine Reihe von Fehlern bei der Durchführung der Arbeiten. Dem Verunfallten war scheinbar die mögliche Gefährdung bewusst, die ihn bei seinen Arbeiten im unteren Schaltraum erwarteten. Sonst hätte er sich nicht den (eigentlich völlig ungeeigneten) Lederhandschuh angezogen.
Letztlich war auch der Bewegungsraum für Arbeiten in der Nähe völlig unzureichend und die Anlage hätte vorher vollständig freigeschaltet werden müssen (§ 7 DGUV Vorschrift 3 (BGV A3)).

Autor: Dr.-Ing. Jens Jühling

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