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Unfallbeispiel: Lichtbogen bei Spannungsprüfung ausgelöst

Der Einsatz eines falschen Messgeräts führte zu einem Unfall.
Der Einsatz eines falschen Messgeräts führt zum Unfall (Bildquelle: KatarzynaBialasiewicz/iStock/Thinkstock)

Aufgrund des Einsatzes eines nicht geeigneten Messgeräts, löste ein Elektroinstallateur bei der Spannungsprüfung einen Lichtbogen aus und erlitt Verbrennungen.

Arbeitsauftrag

Ein Elektroinstallateur sollte auf einem Festplatz ein Fahrgeschäft an den NS-Verteilerschrank anschließen.

Unfallhergang

Der Monteur hatte bereits das Anschlusskabel verlegt und wollte nun den Anschluss an das Versorgungsnetz herstellen. Zuvor hatte er mit einem Vielfachmessgerät noch einige Messungen durchführen müssen. Ein Spannungsprüfer war gerade nicht zur Hand. Der Monteur benutzte deshalb das vorhandene Messgerät, um eine Spannungsprüfung an den Anschlussklemmen vorzunehmen. Die Messleitungen waren aber noch in die Buchsen für die Strommessung gesteckt. Beim Anlegen der Messspitzen an die Anschlussklemmen zweier Phasen löste er einen Lichtbogen aus. Durch den Lichtbogen zog sich der Monteur Verbrennungen zweiten Grades im Gesicht und an beiden Unterarmen zu.

Abb. 1: Prüfen auf Spannung sollte immer mit einem zweipoligen Spannungsprüfer erfolgen

Prüfen auf Spannung sollte immer mit einem zweipoligen Spannungsprüfer erfolgen

Unfallanalyse

Das Prüfen der Betriebsspannungen muss mit einem Spannungsprüfer durchgeführt werden. Diese Geräte geben neben einer eindeutigen Anzeige der Betriebsspannung auch dem Benutzer wegen ihrer Robustheit eine weitaus höhere Sicherheit. Vielfachmessgeräte sind zur Spannungsprüfung ungeeignet (DGUV Vorschrift 3, §§ 3 und 5).
Des Weiteren entsprach das eingesetzte Messgerät nicht mehr dem Stand der Technik. Genormte Messgeräte enthalten eine Überstromsicherung, die oben geschilderte Unfälle verhindern helfen. Messgeräte ohne diese Sicherung müssen einer weiteren Verwendung entzogen werden.

Autor: Dr.-Ing. Jens Jühling

Kommentare

Kommentar von Gerhard Schwarz |

Haben Messgeräte für Stromwandler Sicherungen? Wie erkennt der Nutzer die Unterschiede für den geschilderten Fall - nur mal schnell Spannung prüfen??

Kommentar von Jochen Beyer |

Nur mal schnell Spannungsfreiheit feststellen? Diese Tätigkeit ist nach der DGUV Regel 103-011 (ehem. BGR A3) „Arbeiten unter Spannung“.
Immer wieder werden ungeeignete Billigmultimeter an energiereichen Anlagen verwendet. Oftmals ist noch nicht einmal eine Überspannungkategorie angegeben. Werden Monteure darauf aufmerksam gemacht, kommt als Antwort: „Da steht doch Messbereich bis 1000V drauf.“
Professionelle Multimeter enthalten im Strommessbereich Sicherungen, die bis 30kA sicher abschalten. Es gibt aber spezielle Multimeter, die im Strommessbereich keine Sicherungen enthalten. Diese sind für Messungen in Stromwandlerkreisen geeignet und entsprechend gekennzeichnet (unfused).

Mehrere Ursachen haben zu dem vermeidbaren Unfall geführt:
Unkenntnis: ungeeignetes Messgerät,
Fehleinschätzung: welche Überspannungskategorie am Messpunkt?,
fehlende Aufmerksamkeit: falscher Messbereich
Zeitdruck: wo ist der Spannungsprüfer?

Nicht umsonst sind für das Feststellen der Spannungsfreiheit in NS-Netzen zweipolige Spannungsprüfer nach DIN VDE 0682-401 vorgeschrieben. Der abgebildete Spannungsprüfer bietet ein sehr hohes Maß an Sicherheit, da er mit weit höheren Prüfspannungen als in der DIN VDE 0682-401 gefordert geprüft wird.
Es gibt aber auch Geräte am Markt, die aussehen wie ein Spannungsprüfer, aber tatsächlich Multimeter sind und nach der Messgerätenorm DIN VDE 0411-1 (EN 61010-1) gebaut sind. Diese sind nicht zum Feststellen der Spannungsfreiheit zugelassen.

Nachfolgend einige Zitate zum Feststellen der Spannungsfreiheit:

DGUV Information 203-002 (ehem. BGI 548): Elektrofachkräfte
Punkt 5.3.1.3: „Zum sicheren Feststellen der Spannungsfreiheit und Potenzialfreiheit sind zweipolige Spannungsprüfer zu verwenden.“

BGI 519 (alt): Sicherheit bei Arbeiten an elektrischen Anlagen
Punkt 3.1.3 Spannungsfreiheit feststellen
„Die Verwendung von Universalmessgeräten ist wegen der hohen Unfallgefahr in energiereichen Anlagen untersagt.“

DGUV Information 203-001 (ehem. BGI 519): Sicherheit bei Arbeiten an elektrischen Anlagen
Punkt 5.1.3 Spannungsfreiheit feststellen
„Die Verwendung von Universalmessgeräten ist wegen der hohen Unfallgefahr in energiereichen Anlagen nicht zu empfehlen.“

VDE 0105-100: Betrieb von elektrischen Anlagen
Punkt 6.2.3 Spannungsfreiheit feststellen
„Die Spannungsfreiheit der freigeschalteten Anlagenteile ist festzustellen
- mit Spannungsprüfern…“

Kommentar von Bernd Hoyer |

Der Kollege Jochen Beyer, hat mit seiner Annahme des Zeitmangels schon recht! Weiterhin kommt aber die Routine dazu, was zum leichtfertigen Arbeiten mit und an Elektroanlagen führten kann. Ich denke auch an evtl. fehlende regelmäßige Unterweisungen.

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