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Unfallbeispiel: Leichtfertigkeit führte zum Stromunfall 4 0 5 10

Unfallbeispiel: Leichtfertiges Handeln führte zum Unfall

Hinter Abdeckungen von Schaltschränken muss immer mit berührbaren, unter Spannung stehenden Teilen gerechnet werden
Hinter Abdeckungen von Schaltschränken muss immer mit berührbaren, unter Spannung stehenden Teilen gerechnet werden

Arbeitsauftrag

In einem Supermarkt waren diverse Umbauarbeiten erforderlich. Dazu gehörte auch die Installation eines neuen Leuchtenbands. Die Arbeiten wurden von einer Elektroinstallationsfirma ausgeführt. Zwei Monteure erhielten den Auftrag, mit den Installationsarbeiten zu beginnen. Die Anschlussarbeiten an die vorhandene Installation sollten erst nach Freischaltung erfolgen. Der Zeitpunkt der Freischaltung war für später vereinbart worden.

Unfallhergang

Ein Monteur begann mit dem Einbau der Leuchten. Sein Kollege verlegte bereits die Leitungen von den Leuchten zum Verteilerschrank. Teilweise hatte er die Abdeckungen des Verteilerschranks schon abgenommen, um die Leitungen bereits bis in den Schrank einziehen zu können. Überdies setzte er schon Leitungsschutzschalter ein und klemmte die Leitungen abgangsseitig an.

Kurz nach Mittag hörte sein Kollege plötzlich einen Aufschrei. Er schaute sich um und bemerkte seinen Kollegen zitternd vor dem Verteilerschrank stehend. Sofort nahm er seine Arbeitsjacke, die über der Schaltschranktür hing, und zog ihn von der Verteilung weg. Der Monteur fiel bewusstlos zu Boden. Herbeieilende Lagerarbeiter des Supermarkts führten Herzdruckmassagen und Mund-zu-Mund-Beatmung bis zum Eintreffen des Notarztes durch. Auf dem Weg ins Krankenhaus verstarb der Monteur jedoch.

Unfallanalyse

Die spätere Unfalluntersuchung ergab Strommarken an der rechten Hand. Der Monteur hatte während der Installationsarbeiten im hinteren Schrankbereich unter Spannung stehende Teile berührt. Dadurch kam es zu einer Körperdurchströmung.

Alleinige Ursache des Unfalls war das leichtfertige Handeln des Monteurs. Es bestand überhaupt keine Notwendigkeit, die Installation im Verteilerschrank ohne Freischaltung vorzunehmen. Ein Arbeiten unter Spannung war nicht vereinbart worden. Der Monteur verstieß somit gegen die fünf Sicherheitsregeln, die bei möglicher gefährlicher Annäherung ein vorheriges Abdecken oder eine vollständige Außerbetriebnahme verlangen (DGUV Vorschrift 3 § 6).

Autor: Dr.-Ing. Jens Jühling

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