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Unfallbeispiel: 3. Sicherheitsregel missachtet

Die Spannungsfreiheit sollte immer überprüft werden.
Die Spannungsfreiheit sollte immer überprüft werden. (Bildquelle: Thinkstock)

Arbeitsauftrag

Die Sicherungen eines Lasttrennschalters einer Mittelspannungsanlage mussten wegen anstehender Arbeiten am Netz entfernt werden. Der Netzbetreiber beauftragte damit einen erfahrenen Monteur.

Unfallhergang

Der Monteur lokalisierte die Schaltzelle in dem Schaltraum und schaltete den Abgang frei. Um Arbeiten im unteren Schaltraum der MS-Zelle sicher durchführen zu können, war zwischen Schalt- und Sicherungsraum an der Schaltzelle eine Öffnung angebracht. Durch diese konnte eine isolierte Schutzplatte eingeführt werden, die unabsichtliche Berührungen noch unter Spannung stehender Teile im oberen Zellenbereich wirksam verhinderte. Der Monteur führte diese Platte ein. Die dritte Sicherheitsregel – Feststellen der Spannungsfreiheit an den HS-Sicherungen – führte er nicht durch.

Sicher in der Annahme, dass keine Spannung mehr anstand, griff er zu der ersten HS-Sicherung und wollte sie mit der Hand herausnehmen. Dabei kam es zum Überschlag mit der Folge einer Körperdurchströmung und Verbrennungen an Hand sowie Unterarm.

Unfallanalyse

Wenn auch zusätzlich noch ein technischer Defekt vorlag, so missachte jedoch der Monteur die dritte Sicherheitsregel und verursachte damit den Unfall (§ 6 DGUV Vorschrift 3 (BGV A3)).

Isolierte Schutzplatten werden bei Mittelspannungsanlagen oft im Schaltraum zwischen das geöffnete Schaltmesser und den Gegenkontakt eingeschoben. Das führt allgemein zu der Annahme, dass eine sichere Trennung erfolgte. (Hinweis: Isolierte Schutzplatten sind kein sicherer Schutz gegen Wiedereinschalten!) Im obigen Fall befand sich aber der gesamte Schalter oberhalb der isolierten Schutzplatte. Die Platte wurde insofern nicht in die Trennstrecke gebracht.

Dem Monteur war nicht ersichtlich, dass durch einen technischen Defekt die Nacheilkontakte nicht geöffnet hatten. Somit standen die HS-Sicherungen weiterhin unter Spannung. Ein Prüfen auf Spannungsfreiheit hätte diesen Irrtum aufgeklärt.

Autor: Dr.-Ing. Jens Jühling

Dieses und viele weitere Unfallbeispiele finden Sie in dem Produkt "Arbeitsanweisungen für die Elektrofachkraft".

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