DIN VDE 0100-722: Stromversorgung von Elektrofahrzeugen

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Hier erfahren Sie die wesentlichen Inhalte der Norm DIN VDE 0100-722.
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Die Norm DIN VDE 0100-722 (VDE 0100-722):2019-06 trägt den Titel „Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 7-722: Anforderung für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Stromversorgung von Elektrofahrzeugen“. Informieren Sie sich hier über die wesentlichen Inhalte und die Änderungen gegenüber der Vorgängerversion vom Jahr 2016.

Neuerungen der Ausgabe von 2019 gegenüber 2016

Die DIN VDE 0100-722 (VDE 0100-722):2019-06 enthält folgende Änderungen gegenüber der Ausgabe von 2016:

  • Überarbeitung des Abschnitts „Begriffe”
  • „Schutz durch Anordnung außerhalb des Handbereichs” wurde für Ladegeräte mit automatischem Verbindungsaufbau nach IEC 61851-23-1 zugelassen.
  • Anforderungen zur kontaktlosen Energieübertragung wurden neu aufgenommen.
  • Anforderungen an die Auswahl von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) wurden überarbeitet.
  • Hinweis auf Niederspannungsstromerzeugungseinrichtungen im Zusammenhang mit Rückspeisung wurde aufgenommen.
  • Hinweis auf die Durchführung von Prüfungen wurde aufgenommen.

Anwendungsbereich der DIN VDE 0100-722

In dieser Norm werden Anforderungen an Stromkreise zur Aufladung von elektrisch angetriebenen Fahrzeugen beschrieben. Dazu zählen auch die einzuhaltenden Schutzmaßnahmen bei der Rückeinspeisung elektrischer Energie vom Elektrofahrzeug in das Netz.

Anwendung in der Praxis

Die Elektromobilität wird künftig immer häufiger den Einzug in die Elektroinstallation finden. Das Handwerk wird dafür zuständig sein, die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge aufzubauen. Diese Norm liefert wichtige Erläuterungen zur Funktionalität und zur Sicherheit der Ladeinfrastruktur.

Inhalte der Norm DIN VDE 0100-722

Leistungsbedarf und Gleichzeitigkeitsfaktor

Als Bemessungsgrundlage jedes einzelnen Anschlusspunkts dient entweder der konfigurierte maximale Ladestrom der Ladestation oder der volle Bemessungsstrom.

Es ist ein Gleichzeitigkeitsfaktor von 1 anzunehmen, da alle Anschlusspunkte der Anlage gleichzeitig genutzt werden können. Man kann von dem Gleichzeitigkeitsfaktor 1 abweichen, wenn eine Lastregelung in der Ladestation integriert ist.

Leiteranordnung und Aufteilung der Anlage

In einem TN-System darf ein PEN-Leiter nicht vorhanden sein.

Für jeden Anschluss von Elektrofahrzeugen ist ein eigener Stromkreis bereitzustellen.

Anforderungen für Steckdosen in Endstromkreisen und für die Versorgung von ortsveränderlichen Betriebsmitteln für den Außenbereich

An jedem AC-Anschlusspunkt ist eine separate Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA vorzusehen.

Schutzmaßnahme: Schutztrennung

Wird als Schutzmaßnahme die Schutztrennung angewendet, ist ein Trenntransformator gemäß der DIN EN 61558-2-4 (VDE 0570-2-4) auszuwählen. Die Spannung des Stromkreises darf dabei nicht größer als 500 V sein.

Vorkehrungen zur Beherrschung von Überspannungen

Ein öffentlich zugänglicher Anschlusspunkt wird als Teil einer öffentlichen Einrichtung erachtet. Dieser Anschlusspunkt ist gegen transiente Überspannungen mit einer Überspannungs-Schutzeinrichtung zu versehen.

Betriebsbedingungen und äußere Einflüsse

Jede im Freien errichtete Anlage ist in IP X4 auszurüsten.

Die Position oder der Standort der Betriebsmittel in öffentlich zugänglichen Bereichen und auf öffentlich zugänglichen Parkplätzen muss so ausgewählt werden, dass Beschädigungen durch jede angemessen vorhersehbare Beanspruchung vermieden werden.

Mit Ausnahme von Stromkreisen, die als Schutzmaßnahme die Schutztrennung anwenden, muss jeder Anschlusspunkt durch eine eigene Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) von mindestens Typ A mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA geschützt sein.

Wenn die Ladestation mit einer Steckdose oder Fahrzeugkupplung ausgestattet ist, müssen Schutzvorkehrungen gegen Gleichfehlerströme vorgesehen werden – es sei denn, in der Ladestation ist bereits ein Schutz dafür integriert. Der Schutz gegen Gleichfehlerströme kann erfolgen durch

  • den Einsatz einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) vom Typ B oder
  • den Einsatz einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) vom Typ A oder Typ F in Verbindung mit einer Fehlergleichstrom-Überwachungseinrichtung (RDC-DD) in Übereinstimmung der DIN IEC 62955 (VDE 0666-20).

Befinden sich am Anschlusspunkt und an dem vorgeschalteten Stromkreis zwei Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen, ist die Selektivität zu beachten.
Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen müssen alle aktiven Leiter abschalten. Jeder Stromkreis ist mit einer Überstrom-Schutzeinrichtung zu versehen.

Steckdosen und Fahrzeugkupplungen

Jede Steckdose bzw. jede Fahrzeugkupplung ist so nah wie möglich am zum versorgenden Parkplatz anzuordnen. Je eine Steckdose oder Fahrzeugkupplung darf nur ein einzelnes Elektrofahrzeug versorgen.

Hinweis der Redaktion zu Elektrofahrzeugen:

Der vorliegende Beitrag stammt aus dem Produkt ElektroCheck. Mehr Informationen zum Produkt sehen Sie hier: shop.weka.de/elektrosicherheit-produktion/elektrocheck-premium

Dort finden Sie weitere Normen und Richtlinien zu Elektrofahrzeugen erläutert:

  • DIN EN 61851-21-1 (VDE 0122-2-11):2018-04 „Konduktive Ladesysteme für Elektrofahrzeuge – Teil 21-1: EMV-Anforderungen an Bordladegeräte für Elektrofahrzeuge mit Wechselstrom-/Gleichstromversorgung“
  • DIN EN 61851-23 (VDE 0122-2-3):2014-11„Konduktive Ladesysteme für Elektrofahrzeuge – Teil 23: Gleichstromladestationen für Elektrofahrzeuge“

  • DIN EN 62196-1 (VDE 0623-5-1):2015-06 „Stecker, Steckdosen, Fahrzeugkupplungen und Fahrzeugstecker – Konduktives Laden von Elektrofahrzeugen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen“

  • VdS 2259:2010-12 „Batterieladeanlagen für Elektrofahrzeuge“

  • Autor:

    Patrick Gnanendiran

    Mitarbeiter des BFE Oldenburg im Bereich des Normeninformationsdienstes

    Gnanendiran Patrick

    Patrick Gnanendiran ist beim BFE Oldenburg im Bereich Normeninformationsdienst beschäftigt. Zu seinen Aufgaben gehören die Verwaltung und Pflege der BFE-Normendatenbank, das Erstellen von Fachartikeln und Kommentaren zu bestimmten Normen sowie die allgemeine Hilfestellung bei Normenfragen für die Praxis.

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Kommentare

Kommentar von Martin Weber |

Vielen Dank Herr Gnanendiran für den gut strukturierten Beitrag. Zum Thema "Vorkehrungen zur Beherrschung von Überspannungen" hätte ich gerne gewußt, ob es hierfür eine Spezifikation oder Mindesanforderungen zur Auswahl entsprechender Komponenten gibt.

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