Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel

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Im August trat die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel in Kraft.
Im August trat die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel in Kraft. (Bildquelle: Fokusiert/iStock/Getty Images Plus)

Nachdem das Bundesarbeitsministerium (BMAS) im April dieses Jahres den SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard mit allgemeinen Regelungen für den Infektionsschutz vorgestellt hatte, erweiterten die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen diesen Standard nach und nach mit branchenspezifischen Ergänzungen. Im August veröffentlichte das BMAS schließlich die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel, um die Anforderungen an den Arbeitsschutz im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu konkretisieren. Mit der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel soll das Risiko für Infektionsausbrüche in den Betrieben gesenkt und auf niedrigem Niveau gehalten werden. Abstand, Hygiene und Masken bleiben dabei die wichtigsten Instrumente.

SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel konkretisiert SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard

Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel konkretisiert die während der grassierenden Coronavirus-Epidemie zusätzlich erforderlichen Arbeitsschutzmaßnahmen für den betrieblichen Infektionsschutz in Deutschland und die bereits im SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard enthaltenen und beschriebenen allgemeinen Maßnahmen. Andere spezifische Vorgaben, z.B. aus der Biostoffverordnung (BioStoffV) oder aus dem Bereich des Infektionsschutzes, werden durch das Inkrafttreten der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel nicht tangiert.

Hinweis

Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel gilt befristet für den Zeitraum der SARS-CoV-2-Epidemie und wird bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die Einfluss auf die Schutzmaßnahmen haben, angepasst.

Geschützt arbeiten trotz Coronavirus

Die neue SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel umfasst sowohl technische Empfehlungen des Infektionsschutzes, z.B. Lüftung der Räume und Abtrennungen zwischen den Beschäftigten, als auch organisatorische Maßnahmen, z.B. Gestaltung der Arbeits- und Pausenzeiten oder das Arbeiten im Homeoffice. Für Arbeitsbereiche, in denen diese Maßnahmen keinen ausreichenden Infektionsschutz bieten, können personenbezogene Maßnahmen zum Einsatz kommen, z.B. das Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen (MNB). Zudem beinhaltet die Regel Vorschläge zum Umgang mit besonders schutzbedürftigen Beschäftigten.

Schutzmaßnahmen

Die Punkte des SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards („C-ASS“) des Bundesarbeitsministeriums (BMAS) werden auf Basis des Stands der Technik, Arbeitsmedizin, Hygiene und sonstiger gesicherter arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse sowie des staatlichen Regelwerks konkretisiert.

Arbeitsplatzgestaltung („C-ASS“* Punkt 1)

Laut Anhang Nr. 3.1 ArbStättV (Arbeitsstättenverordnung) sind an Arbeitsplätzen immer Bewegungsflächen vorzusehen. Die Technische Regel für Arbeitsstätten (ASR) „Raumabmessungen und Bewegungsflächen“ A1.2 konkretisiert die grundlegenden Anforderungen an Bewegungsflächen. Hiervon abweichend sollen zur Einhaltung der Abstandsregel Arbeitsplätze in Arbeitsstätten so angeordnet werden, dass zwischen den für die Erfüllung der Arbeitsaufgabe anwesenden Beschäftigten ein Abstand von mindestens 1,5 m eingehalten werden kann.

Sanitärräume, Kantinen und Pausenräume („C-ASS“ Punkt 2)

Allgemeine Anforderungen zum Einrichten und Betreiben von Sanitärräumen und Pausenräumen in Arbeitsstätten sind in Anhang Nr. 4.1 und 4.2 ArbStättV enthalten, die in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten ASR A4.1 „Sanitärräume“ und ASR A4.2 „Pausen- und Bereitschaftsräume“ konkretisiert werden. Die in diesen Technischen Regeln für Arbeitsstätten enthaltenen Regelungen genügen momentan nicht, um den Schutz der Beschäftigten vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 gemäß dem Stand der Arbeitsmedizin und der Hygiene zu beschreiben. Zusätzlich zu den dort genannten Anforderungen müssen daher Maßnahmen ergriffen werden, die die Einhaltung der Abstandsregel bei Nutzung der Einrichtungen gewährleisten.

Lüftung („C-ASS“ Punkt 3)

Laut Anhang Nr. 3.6 ArbStättV muss in Räumen von Arbeitsstätten ausreichend gesundheitlich zuträgliche Atemluft vorhanden sein. Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.6 „Lüftung“ konkretisiert die grundlegenden Anforderungen an die Lüftung.

Die Konzentration von eventuell in der Raumluft vorhandenen virenbelasteten Aerosolen kann durch verstärktes Lüften verringert werden. Verstärktes Lüften ist vor allem möglich durch:

  • eine Erhöhung der Frequenz
  • eine Ausdehnung der Lüftungszeiten
  • eine Erhöhung des Luftvolumenstroms

Homeoffice („C-ASS“ Punkt 6)

Homeoffice ist eine Form der mobilen Arbeit, die es ermöglicht, die Zahl der gleichzeitig im Betrieb anwesenden Beschäftigten zu verringern und die Einhaltung von Abstandsregeln zu unterstützen. Das gilt vor allem für den Fall, dass Büroräume ansonsten von mehreren Beschäftigten bei Nichteinhaltung der Abstandsregel genutzt werden müssten. Die Vorschriften des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) sowie des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) gelten auch für das Arbeiten im Homeoffice. Regelungen über Arbeitszeiten und die Erreichbarkeit der Beschäftigten im Homeoffice sollen getroffen werden.

Dienstreisen und Besprechungen („C-ASS“ Punkt 7)

Der Arbeitgeber ist dazu angehalten, die Zahl der Beschäftigten, die durch Dienstreisen oder Besprechungen einem zusätzlichen Infektionsrisiko ausgesetzt sind (z.B. in Regionen mit hohen Infektionszahlen), auf das zur Erfüllung der Arbeitsaufgabe erforderliche Maß zu beschränken. Vor dem Hintergrund der epidemischen Lage muss dabei vor Ort geprüft werden, inwieweit Dienstreisen und Besprechungen durch das Verwenden elektronischer Kommunikationsmittel ersetzt oder auch verringert werden können.

Sicherstellung ausreichender Schutzabstände („C-ASS“ Punkt 8)

Was die Nutzung von Verkehrswegen betrifft, so bedarf es einer Anpassung dergestalt, dass die Abstandsregel zwischen Beschäftigten sowie zwischen Beschäftigten und anderen Personen eingehalten werden kann, z.B. durch das Festlegen und Markieren von weiteren Verkehrswegen wie Einbahnstraßen bzw. Einrichtungswegen (unter Maßgabe der allgemeinen Anforderungen der ASR A1.8 „Verkehrswege“).

Arbeitsmittel/Werkzeuge („C-ASS“ Punkt 9)

Durch eine entsprechende Arbeitsorganisation muss generell sichergestellt werden, dass Arbeitsmittel möglichst nur jeweils von einer Person verwendet werden (z.B. durch Bereitstellung zusätzlicher Arbeitsmittel), um auf diese Weise die Gefahr von Schmierinfektionen zu reduzieren. Für den Fall, dass die personenbezogene Nutzung von Arbeitsmitteln nicht möglich ist, müssen diese vor dem Weitergeben mit handelsüblichen (Haushalts-)Reinigern gereinigt werden.

Arbeitszeit- und Pausengestaltung („C-ASS“ Punkt 10)

Angesichts der zusätzlichen Belastungen durch fehlende Infrastruktur zur Unterstützung des häuslichen Bereichs sowie der allgemeinen Verunsicherung und damit einhergehenden psychischen Belastungssituation für zahlreiche Beschäftigte kommt der Gestaltung der Arbeitszeit eine besondere Bedeutung zu.

Aufbewahrung von Arbeitskleidung und Persönlicher Schutzausrüstung („C-ASS“ Punkt 11)

Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass die Benutzung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) und Arbeitskleidung ausschließlich personenbezogen erfolgt. Persönliche Schutzausrüstung, die von mehreren Personen ohne eine Erhöhung des Infektionsrisikos genutzt werden kann (z.B. Absturzsicherungen), kann von dieser Vorgabe ausgenommen werden.

Zutritt betriebsfremder Personen zu Arbeitsstätten und Betriebsgelände („C-ASS“ Punkt 12)

Um das Ansteckungsrisiko beim Zutritt betriebsfremder Personen in Arbeitsstätten zu reduzieren, müssen die nachstehend aufgeführten vier Maßnahmen umgesetzt werden:

  1. Nutzung von elektronischen Medien zur Kontaktaufnahme (überall dort, wo dies zur Erfüllung der Arbeitsaufgabe möglich ist)
  2. Einsatz von Abtrennungen, sofern die Abstandsregel zwischen Personen nicht eingehalten werden kann (z.B. transparente Abtrennungen bei Publikumsverkehr)
  3. Begrenzung der Zahl gleichzeitig anwesender betriebsfremder Personen dergestalt, dass die Abstandsregel zwischen Personen (auch zu Beschäftigten) eingehalten werden kann
  4. Verwendung von Mund-Nase-Bedeckungen oder medizinischen Gesichtsmasken, sofern die Abstandsregel nicht eingehalten werden kann und wirksame Abtrennungen zwischen Personen nicht durchgängig vorhanden sind

Handlungsanweisungen für Verdachtsfälle („C-ASS“ Punkt 13)

Personen, die Symptome einer Atemwegserkrankung mit Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion aufweisen, müssen der Arbeitsstätte zwingend fernbleiben. Bei dem Verdacht einer SARS-CoV-2-Infektion, der insbesondere bei Fieber, Husten und Atemnot entstehen kann, müssen die betroffenen Personen durch den Arbeitgeber aufgefordert werden, die Arbeitsstätte unverzüglich zu verlassen und sich gegebenenfalls in ärztliche Behandlung zu begeben.

Berücksichtigung psychischer Belastungen („C-ASS“ Punkt 14)

Um Beschäftigte an ihren Arbeitsplätzen in den Arbeitsstätten bestmöglich vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu schützen, bedarf es in vielen Betrieben der Neu- und Umgestaltung von Arbeitsplätzen und -abläufen. Dies setzt teilweise tiefgreifende Veränderungen der Arbeitsorganisation, der Arbeitsplatz- und Arbeitszeitgestaltung sowieder Art und Weise der Kommunikation und Kooperation bei der Arbeit voraus, was wiederum zu psychischen Belastungen führen kann. Bei Bedarf gilt es, die Arbeitsschutzexperten (z.B. Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte) sowie andere fachkundige Personen hinzuzuziehen.

Mund-Nase-Bedeckung und persönliche Schutzausrüstung („C-ASS“ Punkt 15)

Können technische und organisatorische Schutzmaßnahmen die Gefahr einer Infektion bei der Arbeit nicht minimieren, müssen individuelle Schutzmaßnahmen, die auch die Anwendung von Mund-Nase-Bedeckungen, medizinischen Gesichtsmasken, filtrierenden Halbmasken sowie Gesichtsschutzschilden umfassen können, ergriffen werden. Dabei gilt es, die jeweiligen produktbezogenen Anweisungen zum Anlegen, Ablegen sowie zur Reinigung zu beachten und die betroffenen Personen entsprechend zu unterweisen.

Unterweisung und aktive Kommunikation („C-ASS“ Punkt 16)

Die regulären Arbeitsschutzunterweisungen auf der Grundlage des § 12 ArbSchG (Arbeitsschutzgesetz) und der spezifischen Arbeitsschutzvorschriften müssen auch während einer Epidemie erfolgen. Die entsprechenden allgemeinen und speziellen Anforderungen an Unterweisungen gelten unverändert weiter (z.B. zur Dokumentation). Während einer Epidemie ist die Durchführung einer Unterweisung mittels elektronischer Kommunikationsmittel möglich. Dabei gilt es zu beachten, dass eine Verständnisprüfung zwischen den Beschäftigten und dem Unterweisenden erfolgt und jederzeit Rückfragen möglich sind.

Arbeitsmedizinische Vorsorge („C-ASS“ Punkt 17)

Die arbeitsmedizinische Vorsorge wird in Punkt 17 geregelt. So gelten beispielsweise während der (Coronavirus-)Epidemie für die persönliche Aufklärung und Beratung der Beschäftigten zu individuellen arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren weiterhin die Anforderungen der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV). Außerdem komm der Wunschvorsorge eine bedeutende Rolle zu: Sie muss bei sämtlichen Tätigkeiten ermöglicht werden. Die in der Arbeitsmedizinischen Regel 2.1 geregelten Fristen behalten ihre Geltung.

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* „C-ASS“ = SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard

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  • Autor:

    Lic. jur./Wiss. Dok. Ernst Schneider

    Inhaber eines Fachredaktionsbüros

    Ernst Schneider

    Ernst Schneider ist Mitglied in der Sektorgruppe Elektrotechnik (ANP-SGE) und in der Themengruppe Produktkonformität (ANP-TGP) des Ausschusses Normenpraxis im DIN e.V.

    Er veröffentlichte bereits eine Vielzahl von Büchern, Fachzeitschriften und elektronischen Informationsdiensten. Seit 2004 ist er außerdem Unternehmensberater für technologieorientierte Unternehmen.

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